Ursula Oelbe. Foto: privat

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Beratung von Frauen zur Altersvorsorge

„Die Panik kommt irgendwann“

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Welche Fehler machen Frauen am häufigsten, wenn es um die Altersvorsorge geht?

Ursula Oelbe:
Es ist ein großer Fehler der Frauen, zu zögerlich zu sein bei der Altersvorsorge. Es ist wichtig, sich dem Thema zu stellen und sich nicht verunsichern zu lassen. Auch wenn viele Altersvorsorgeprodukte in der Presse gerade heruntergeschrieben werden. Man könnte ja wirklich zu der Überzeugung gelangen: Ich kann sowieso machen, was ich will, es lohnt sich nicht. Ich lebe jetzt. Und wer weiß, ob ich jemals so alt werde. Dann lasse ich es mir doch lieber jetzt gut gehen.

Da versuche ich den Frauen sehr deutlich zu machen, dass das fatale Folgen haben kann. Dadurch geht nämlich ganz wichtige Zeit verloren, die man für die Altersvorsorge braucht. Und eines ist sicher: Die Panik kommt irgendwann. Je näher es an den Rentenbeginn geht, ab 50 etwa, desto greifbarer wird das Ganze. Und dann werden auch diese Zahlen, die immer auf der Renteninformation stehen, sehr real. Nur wenn man dann erst anfängt, wird es teuer.

Verlassen sich Frauen zu oft auf Männer?

Ja, das kommt auch noch dazu. Es ist einfach eine ganz große Verunsicherung da und viele haben auch nicht die Lust, sich mit dem Thema zu befassen und sind froh, wenn sie es abgeben können. Die Männer sind aber nicht per se cleverer, was die Kapitalanlage anbelangt, ihnen wird einfach nur oft der Schwarze Peter zugeschoben. Dabei halte ich es für existenziell das Thema „Finanzen“ gemeinsam zu bearbeiten.

Inwiefern?

Es gibt viele Frauen, die dazu neigen – etwa wenn die Familienphase ansteht – gleich ihre ganzen Verträge beitragsfrei zu stellen oder herunterzufahren. Das ist sehr kurzsichtig, weil die Frauen ja in aller Regel die Familienzeit nehmen und dann sowieso schon den Nachteil haben, dass sie keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung mehr einzahlen. Danach arbeiten sie in der Regel Teilzeit oder in Minijobs. Wenn also aus finanziellen Gründen nicht alle Verträge bedient werden können, sollte meiner Ansicht nach der Mann seine Altersvorsorge-Verträge ruhendstellen und die für die Frau laufen weiter.

Inwiefern unterscheiden sich die Geschlechter bei der Geldanlage?

Frauen fragen eher nach, wo investiert wird. Ihnen sind ethisch vertretbare Anlagen lieber. Männer orientieren sich dagegen oft ausschließlich an den Rendite-Ergebnissen. Viele Frauen sagen anfangs auch, dass die Kapitalanlage sicher sein muss. Sie wollen kein hohes Risiko eingehen und zum Beispiel als 25-Jährige dann eine klassische Rentenversicherung abschließen. Das ist in der heutigen Zeit allerdings keine zielführende Idee. In aller Regel kann ich im Gespräch aber verdeutlichen, dass ein gewisses Risiko sein muss und dass harte Garantien wie bei den klassischen Policen einfach jede Menge Performance kosten. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß, nicht in der jetzigen Zinssituation. Dann hat man ganz klar das Risiko der Geldentwertung.

Welche Produkte halten Sie für geeignet?

Ich arbeite gerne mit Sparplänen. Sie sind natürlich kein Allheilmittel für die Altersvorsorge, aber gut, um ein bisschen das Gespür dafür zu bekommen, was als Alternative zum Sparbuch oder Tagesgeld funktioniert. Sparpläne sind außerdem absolut flexibel und können sich gut an die verschiedenen Erwerbsbiografien der Frauen anpassen. Flexibilität ist in der  Altersvorsorge gerade von Frauen sehr wichtig. Aber das ist heute bei Versicherungsprodukten auch schon gegeben. Etwa bei Riester oder in der privaten Rentenversicherung. Vor 15 oder 20 Jahren waren wir Vorreiterinnen dabei, flexibel gestaltete Verträge von den Gesellschaften einzufordern. Heute ist das Standard.

Was halten Sie von Fondspolicen?

Bei Fondspolicen ist meiner Ansicht nach wichtig, dass es zwischenzeitlich ein Lock-In der erreichten Fondsstände gibt. Auch eine Umschichtung von Aktien- in Rentenfonds vor der Rente halte ich für wichtig. Hauptsache ist, dass das Produkt für die Frau auch in Zukunft ohne großen Aufwand zu händeln ist. Sonst besteht die Gefahr der Verunsicherung und dass die Frauen ihre Verträge nicht durchhalten. Es müssen praktikable Lösungen sein.

Machen auch Vermittler Fehler bei der Beratung von Frauen?

Frauen müssen das merken, dass sie die Situation oder das Produkt verstanden haben – und dass sie die Entscheidung treffen. Das beansprucht mitunter Zeit und braucht vielleicht auch zwei oder drei Beratungstermine. Einfach zu sagen: „Nimm dieses Produkt, das ist gut für Dich – unterschreibe hier“ ist auf jeden Fall nicht der richtige Weg.

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