Vermittler von Versicherungs- und Finanzanlageprodukten sind verpflichtet, die Präferenzabfrage ihrer Kunden in Sachen Nachhaltigkeit einzuholen. Zu ihren Erfahrungen mit nachhaltigen Produkten im Beratungsprozess hat der Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV) nun seine Mitglieder befragen lassen. Dabei zeigt sich: Für die Vermögensberater hat sich insgesamt vor allem der Beratungsaufwand deutlich erhöht.

Akzeptanz von Nachhaltigkeitsthemen mäßig 

Der BVD, der die Interessen selbstständiger Vermögensberater in Deutschland vertritt, hat das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) mit der Befragung seiner Mitglieder beauftragt. Die Antworten von knapp 1.500 Vermögensberatern liegen vor. Die meisten von ihnen (64 Prozent) geben an, dass ihre Kunden neutral auf das Thema Nachhaltigkeit reagieren. Unterschiede in der Haltung zum Thema bei Finanzanlagen einerseits und Versicherungsanlageprodukten andererseits lassen sich nicht beobachten.

Auf das Thema angesprochen, halten sich Akzeptanz und Ablehnung der Kunden mit je 16 Prozent die Waage, während es vor allem an Eigeninitiative fehlt. Gut 61 Prozent der Vermögensberater sagen, dass sie in weniger als 10 Prozent der Fälle vom Kunden direkt auf Nachhaltigkeit angesprochen werden. Für die Verbreitung nachhaltiger Geldanlagen sind demnach die Vermittler und Berater gefragt – vor allem bei privaten Haushalten.

© BDV-Blitzumfrage Nachhaltigkeitspräferenzen

Beratung ist komplexer und zeitaufwändiger 

Mit dieser Verantwortung geht auch der höhere Beratungsaufwand einher, den die Mehrheit der Vermögensberater wahrnimmt. 47 Prozent von ihnen geben an, dass sich der Beratungsaufwand durch die Aufnahme des Themas Nachhaltigkeit um 20 Prozent und mehr erhöht hat. Für die Verpflichtung zur ESG-Präferenzabfrage nutzen die Berater inzwischen spezielle Software-Tools, aber auch klassische Mittel wie Papier und Stift beziehungsweise PDF-Dokumente.

Die gesetzliche Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsberatung allein reicht allerdings nicht aus, wie aus der Befragung hervorgeht. Auch die Politik ist gefordert. Denn als Gründe für eine ablehnende Haltung der Kunden zum Thema nachhaltige Geldanlagen überwiegen laut der Berater die mangelnde Glaubwürdigkeit der Politik (59 Prozent) und die Priorisierung der Rendite einer Anlage (52). Dahinter folgen die Komplexität in der Beratung (27 Prozent), die Priorisierung der Sicherheit einer Anlage (27) und mangelndes Vertrauen in die Produkte (23).