Berenberg-Mann Henning Gebhardt „Immer noch eine normale Korrektur“

Henning Gebhardt leitet das Vermögensmanagement bei der Berenberg Bank | © Robert Schlossnickel

Henning Gebhardt leitet das Vermögensmanagement bei der Berenberg Bank Foto: Robert Schlossnickel

Trotz der jüngsten Korrektur bleiben Henning Gebhardt, Leiter Wealth and Asset Management bei Berenberg, und Bernd Meyer, Leiter Multi Asset und Chefanlagestratege, optimistisch für den Aktienmarkt. Auf einer Veranstaltung in Frankfurt bekräftigten die Experten von Deutschlands ältester Privatbank ihren positiven Ausblick. „Die Aktie bleibt langfristig weiterhin das Investment der Wahl“, sagte Gebhardt.

Meyer verwies darauf, dass die positive fundamentale Dynamik, sowohl konjunkturell als auch was die Gewinnentwicklung angehe, abgenommen habe. Insgesamt bleibe das Wirtschaftswachstum jedoch solide. Er sagte: „Ein unmittelbares Ende des Konjunkturzyklus ist weiterhin unwahrscheinlich. Zwar ist teilweise eine Anpassung der Gewinnschätzungen der Unternehmen nach unten erforderlich, dennoch bleibt das Gewinnwachstum solide. Allerdings ist der Zyklus in der Tat dem Ende näher als dem Anfang.“

Markttechnik spielt nicht mehr mit

Zur jüngsten Korrektur sagten die Experten, dass sich die Situation aus markttechnischer Sicht durch das signifikante Unterschreiten der 200-Tage-Linie etwas eingetrübt habe. Allerdings sei der Markt auch deutlich überverkauft. „Wir bewegen uns immer noch im Rahmen einer ‚normalen‘ Korrektur, wie wir sie auch im Februar gesehen haben“, sagte Gebhardt.

Dementsprechend gaben sich Gebhardt und Meyer weiterhin optimistisch. Nach dem stürmischen Herbst dürfte es zu einer Bodenbildung kommen, sowohl an den Aktienmärkten als auch bei den Konjunkturfrühindikatoren. Zudem werden die Märkte ab November auch wieder durch Aktienrückkäufe gestützt werden. Auch die bisherige Berichtssaison in den USA und Europa unterstreiche das grundsätzlich eher positive Bild. Die Saisonalität spricht ebenfalls für den Aktienmarkt. Nicht zuletzt besteht weiterhin für die meisten Investoren ein Anlagenotstand, da sich der Anleihemarkt auch weiterhin nicht als lukrative Alternative anbietet. Insgesamt gehen die Renditeerwartungen über alle Anlageklassen etwas zurück, ein Grund dafür ist die abnehmende Unterstützung durch die Zentralbanken.

Henning Gebhardt sagte: „Sollte sich unser Makrobild nicht verschlechtern und die Aktienmärkte sich stabilisieren, schätzen wir die aktuelle Korrektur als taktische Kaufgelegenheit in den nächsten Wochen ein – nicht zuletzt weil die Bewertungen am Markt deutlich günstiger geworden sind. Wir sehen vor allem Chancen zur Aufstockung rund um die US-Midterm-Elections Anfang November.“

Gefahr der Rückkopplung

Allerdings sehen sie die Gefahr einer Rückkopplung der jüngsten Marktbewegung auf die Realwirtschaft. Mit fallenden Aktienkursen könne die Stimmung in der Wirtschaft schlechter werden und zu einer schwächeren Konsumbereitschaft und Investitionsneigung führen. Für das Jahresende 2019 erachtet Berenberg ein Niveau des deutschen Leitindex Dax von 13.400 Punkten als fair.