Bericht der Bundesbank Lösen Indexfonds die nächste Finanzkrise aus?

Börsenhandel: ETF-Anleger kaufen Fondsanteile zum jeweiligen Marktkurs an der Börse. Anders als bei klassischen Investmentfonds fallen bei den Indexfonds in der Regel keine Ausgabeaufschläge an einen Vermittler an. | © Wiener Börse AG

Börsenhandel: ETF-Anleger kaufen Fondsanteile zum jeweiligen Marktkurs an der Börse. Anders als bei klassischen Investmentfonds fallen bei den Indexfonds in der Regel keine Ausgabeaufschläge an einen Vermittler an. Foto: Wiener Börse AG

Knapp jeder siebte Euro, der weltweit in Fonds verwaltet wird, entfällt auf einen ETF. Damit spiele diese Produktklasse derzeit noch eine untergeordnete Rolle, heißt im aktuellen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Darin gehen die Frankfurter Bankenaufseher auf die zusätzlichen Gefahren für die Finanzmärkte ein, die mit der noch vergleichsweise jungen Produktkategorie verbunden sind.

„Insgesamt erscheinen die von ETFs ausgehenden spezifischen Risiken für das gesamte Finanzsystem derzeit – auch wegen der noch vergleichsweise geringen Größe des Sektors – begrenzt“, heißt es in dem Bericht. Doch die börsengehandelten Fonds gewinnen an Bedeutung: „ETFs weisen in den vergangenen Jahren sehr dynamische Wachstumsraten auf und sind damit an den Finanzmärkten zunehmend von Relevanz.“

Krisen werden kurzfristig verstärkt

Einen Zuwachs des verwalteten Vermögens von rund 19 Prozent verzeichneten ETFs allein im vorigen Jahr. Zum Vergleich: Bei klassischen offenen Investmentfonds betrug das Wachstum im gleichen Zeitraum lediglich rund 5 Prozent. Als Folge wirkten passiv gemanagte Indexfonds in der jüngsten Vergangenheit als kurzfristige Krisenverstärker bei sogenannten „Flash Crashs“, analysieren die Bundesbanker. 

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Sie untersuchten außergewöhnlich starke und schnelle Kurseinbrüche, die seit einigen Jahren vor allem an den Aktienmärkten zu beobachten waren. Im Anschluss an diese Börsenturbulenzen erholten sich die Kurse jeweils relativ schnell. „Auch war während verschiedener ‚Flash Crashs‘ ein Auseinanderdriften zwischen dem Marktkurs des ETF und dem zugrundeliegenden Index zu beobachten.“

Handel kann ausgesetzt werden

Dabei könne die spezifische Marktstruktur eine Rolle spielen, heißt es im Bericht der Bundesbank zur Erklärung. Doch die Behörde stellt zur Lösung des Problems auch fest: Die Möglichkeit zu „Handelsunterbrechungen bei starken Kursveränderungen stellt deshalb einen wichtigen Schutzmechanismus gegen schnelle Ausbreitungen von Verwerfungen an den Finanzmärkten dar.“