Exklusiv: Bert Flossbach im Interview „Weglassen können ist das Allerwichtigste“

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Was macht das mit den Gewinnen.

Flossbach: Die werden erst einmal gedrückt. Währungstechnisch haben wir aber Rückenwind, weil der Euro tendenziell schwach ist. Und die Wirtschaft steht immer noch relativ gut da.

Und in den USA?

Flossbach: Gewinne zählen ja immer nach Steuern. Insofern hat die Steuerreform erst einmal dazu geführt, dass sie ein gutes Stück gestiegen sind. Außerdem sind die operativen Margen gestiegen. Wobei ich seit 20 Jahren höre, dass die Margen zu hoch seien und wieder sinken müssten. Der Markt hat sich aber verändert. Es gibt heute Technologiefirmen, die es vor 30 Jahren noch gar nicht gab und die generell höhere Margen fahren als Unternehmen aus zyklischen Branchen.

Mean reversion gilt nicht mehr?

Flossbach: Es gibt gar kein Mean, weil es die Firmen noch nicht so lange gibt. Sicherlich sind die Margen schon recht hoch, und das weitere Potenzial ist wahrscheinlich begrenzt. Wir sollten aber auch nicht daraus ableiten, dass die Margen strukturell wieder fallen müssten. Es ergibt keinen Sinn, so etwas auf Marktebene zu betrachten, also für den S&P 500 oder den Dax.

Nun hat heutzutage bei Dingen wie dem Brexit nicht gerade der Homo Oeconomicus die Oberhand. Auch manche politischen Entscheidungen wie die Energiewende wirken disruptiv und können Unternehmen die Geschäftsgrundlage entziehen. Tut sich der Markt schwer, solche Dinge einzupreisen?

Flossbach: Ja, denn er übertreibt in der Regel, wenn etwas Neues kommt. Doch das gibt sich dann. Heute beeinflusst der Brexit den Markt kaum noch, weil alle Teilnehmer verstanden haben, dass sie einfach mit ihm leben müssen.

Et kütt wie et kütt.

Flossbach: Richtig. Es kommt zurzeit so viel aus allen Bereichen, dass man sagt: Okay, nächstes Thema. Auch an den Handelskrieg haben wir uns gewöhnt. Es gibt ein Hin und ein Her, Vorstoß, Rückzug und wieder eine Frist. So etwas verändert nicht mehr komplett die Lage. Man weiß, dass da was ist und lässt eine Risikoprämie im Markt. Jedes einzelne Thema hätte früher den Markt lange im Griff haben können. Aber heute ist es so viel, dass man dafür eine neue Eskalationsstufe bräuchte. Da ist eine Gewöhnung spürbar.

Herr Flossbach, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Fondsmanager Bert Flossbach (Foto: Jochen Rolfes)

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