Die Hausse bei Gold setzt sich ungebremst fort. Seit Monaten eilt der Preis für das Edelmetall von Hoch zu Hoch und erreicht immer neue Rekordstände. Zuletzt wurde eine Feinunze (31,1 Gramm) an der Börse für rund 2.355 US-Dollar gehandelt – so viel wie noch nie.
Einer, den die Entwicklung stutzig macht, ist Bert Flossbach. „Das ist nicht nur beachtlich, das ist im Grunde genommen sogar irritierend“, sagt der Chef und Mitgründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch.
Gold-ETFs verzeichnen große Abflüsse
Flossbach wundert sich vor allem darüber, dass die Preisanstiege in einem für Gold eigentlich widrigen Umfeld stattfinden: „Merkwürdig an der jüngsten Goldpreisentwicklung ist, ganz besonders in den letzten vier bis fünf Wochen, dass Gold in einem Umfeld steigt, das denkbar ungünstig ist“, so der erfahrene Fondsmanager. Er verweist dabei auf die zuletzt wieder leicht gestiegenen (Real-)Zinsen in den USA. Höhere Zinsen verteuern die Goldanlage.
Die Goldnachfrage von klassischen Investoren könne den jüngsten Preisanstieg nicht erklären, führt Flossbach weiter aus. Die Menge in den Gold-ETFs – „typischerweise das Investorengold“ - ist seit Jahresanfang um 100 Tonnen zurückgegangen. „Und in so einer Phase ist ein starker Anstieg des Goldpreises extrem ungewöhnlich.“ Heißt im Klartext: Der Goldpreis hat sich zunehmend von der Investorennachfrage entkoppelt.
Flossbach rätselt über Goldnachfrage
Die widersprüchlichen Signale lassen Flossbach darüber grübeln, woher die Goldpreisanstiege kommen könnten: „Es damit fallen auch all die oft genannten Gründe weg. Geopolitische Risiken und so weiter spielen keine Rolle, denn die würden sich auch in diesen ETF-Zahlen niederschlagen“, so Flossbach. „Es läuft wie am Schnürchen gezogen hoch und man fragt sich natürlich, wer könnte überhaupt ein Interesse daran haben, den Preis so hochzuziehen. Hier bringt Flossbach China ins Spiel. „Die Zentralbank hat jetzt so knapp 2.300 Tonnen, aber es gibt andere staatliche Stellen, die das nicht so berichten müssen, möglicherweise auch andere Länder.“
Daneben sieht er auch chinesische Privatanleger als potenzielle Preistreiber: „Der Privatinvestor ist ja leidgeprüft. Die Immobilien laufen nicht, die Aktien laufen nicht, internationale Aktien kann er nicht kaufen. Und die Zinssätze sind relativ niedrig auf die Finanzprodukte, sodass der chinesische Privatinvestor eigentlich das Problem hat, wohin mit dem Geld. Und auch da könnte einiges der Goldnachfrage, teilweise vielleicht auch physische Goldnachfrage, herrühren.“
Gold bleibt für Flossbach wichtiger Portfoliobaustein
Trotz seiner Skepsis hinsichtlich der jüngsten Preis-Rally bleibt Flossbach ein Anhänger des Edelmetalls. Für ihn ist es ein wichtiger Baustein in einem ausgewogenen Portfolio: „Für uns ist Gold kein Spekulationsobjekt, sondern ein Wertspeicher, der kein Gegenparteirisiko hat und deswegen auch eine sehr sinnvolle Absicherung in einem Portfolio darstellt.“
Im Flossbach von Storch - Multiple Opportunities liegt der Rohstoffanteil derzeit bei rund 13 Prozent.
