Er ist einer der bekanntesten Fondsmanager in Deutschland: Bert Flossbach. Seine Einschätzungen haben daher Signalwirkung, auch über die Branche hinaus. Der von ihm gemanagte Fonds, der Multiple Opportunities, ist in unserem Topseller-Ranking der meistverkauften Fonds der Maklerpools regelmäßig auf einem der vorderen Plätze zu finden – auch wenn er zuletzt etwas Federn lassen musste. So zogen Anleger 2023 verstärkt Mittel aus dem beliebten Publikumsfonds ab – im vergangenen Jahr lief es dann wieder besser. Trotzdem stufte die Ratingagentur Scope den Fonds zuerst von der Top-Bewertung A auf B herunter und nun von B auf C. Die Begründung: Der Fonds „verliert an Glanz“. Allerdings räumen die Analysten trotzdem ein, dass der Multiple Opportunities seine Peergroup weiterhin über alle betrachteten Zeiträume bei den Renditekennzahlen übertreffe.

In einem Interview mit dem Magazin „Der Spiegel“ (Bezahlschranke) äußert sich der Star-Fondsmanager nun nicht nur zu seinem Fonds, sondern auch zur Bürokratie in Deutschland, Gold, US-Aktien sowie Rüstung und dem MSCI World.

Deutsche Bürokratie als Investitionshemmnis

Flossbach begrüßt grundsätzlich das deutsche Schuldenpaket zur Stärkung von Infrastruktur und Verteidigung, warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen: „Geld allein wird die Probleme in Deutschland nicht lösen. Die unfassbar langsamen Entscheidungsprozesse sind das Problem.“ Die Bürokratie sei so problematisch geworden, dass sie moderne westliche Demokratien regelrecht ersticke. Nur wenn Deutschland effizienter werde, könne das Schuldenpaket zu einem echten Erfolg werden.

Gold bleibt wichtiger Portfoliobaustein

Zum Goldpreis, der kürzlich die 3.000-Dollar-Marke je Feinunze geknackt hat, bleibt Flossbach grundsätzlich positiv eingestellt. Kein Wunder, ist doch Gold ein wichtiger Baustein in seinem eigenen Fonds – auch wenn er hier die Quote zuletzt von 15 auf 11 Prozent reduziert hat. Die Rally führt er maßgeblich auf Käufe von Notenbanken, insbesondere aus China, zurück: „Da investiert niemand mehr in US-Staatsanleihen, weil man amerikanische Sanktionen fürchtet.“ Auch private Investoren sähen Gold angesichts geopolitischer Spannungen als sicheren Hafen. Flossbach hält jedoch eine Fortsetzung der Rallye in diesem Tempo für unwahrscheinlich.

 

Vorsicht bei US-Aktien

Bei US-Aktien zeigt sich der Vermögensverwalter skeptisch. Nach einer „Monster-Rally“ in den vergangenen zehn Jahren sieht Flossbach eine Überbewertung: „Die Gewinne haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, während sich die Kurse verdreifacht haben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt deutlich über dem historischen Durchschnitt.“ Die „erratische Zollpolitik“ unter Trump und die daraus resultierende Unsicherheit würden dafür sorgen, dass „wir mit einer anhaltenden Korrektur rechnen müssen“. Flossbach hält ein Minus von bis zu 20 Prozent bei US-Aktien für möglich.

Rüstungsinvestitionen mit Vorbehalt

Auch Flossbach kommentiert den bemerkenswerten Wandel, den es beim Thema Rüstung und Verteidigung gegeben hat: „Heute gelten Sie als Verteidiger der Demokratie, wenn Sie in Rüstung investieren.“ Er warnt jedoch vor übertriebener Euphorie: „In den Aktienkursen stecken enorme Erwartungen an Umsatz und Gewinn dieser Firmen.“ Zudem sei unklar, ob tatsächlich die großen Rüstungshersteller mit konventionellen Waffensystemen profitieren würden oder eher Unternehmen, die auf neuere Technologien wie Drohnen setzen.

 

Kritik am MSCI World

Besonders deutlich wird Flossbach in seiner Kritik am MSCI World, den viele deutsche Anleger als „heiligen Gral der Geldanlage“ betrachten: „Wenn Sie mich fragen, ist das kein ,Weltindex‘, sondern ein von wenigen Titeln dominierter US-Technologieindex – mit ein wenig Welt hinten dran.“ Er ist das Ansicht, dass wir nun womöglich in eine Phase eintreten könnten, in der der MSCI World nicht gut performt und erinnert an die Phase zwischen 2003 und 2007, als der MSCI World von vielen anderen Indizes übertroffen wurde, und bezweifelt, „dass der MSCI der richtige Index für das nächste Börsenjahrzehnt ist.“ Vielen aktiven Fondsmanagern dürfte es künftig gelingen, diesen Index zu schlagen, so seine Einschätzung.