Bert Rürup Foto: imago images / IPON

Zuwanderung, Infrastruktur, Kinderbetreuung

Bert Rürup nennt Alternativen zur Rente mit 69

Dem deutschen Arbeitsmarkt könnten schon bald 400.000 Beschäftigte jährlich fehlen, rechnen Wirtschaftsforscher vor und fordern eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre (DAS INVESTMENT berichtete). Doch der ehemalige  „Wirtschaftsweiser" und Namensvater der Rürup-Rente, Bert Rürup, warnt vor einem solchen Schritt.

Eine Anhebung des Rentenalters dürfte nur schlecht bei der Wählerschaft ankommen, erklärt Rürup in seiner Handelsblatt-Kolumne. Schließlich steige mit der alternden Bevölkerung auch das Durchschnittsalter der Wähler, das heute bereits im Median bei 54 Jahren liege. Es wäre also für jede nach Regierungsverantwortung strebende Partei höchst riskant, sich für Rente mit 69 starkzumachen. „So sei die Prognose gewagt, dass sich eine Anhebung des Renteneintrittsalters weder im Wahlprogramm der Union noch der Grünen oder der SPD finden wird“, schreibt Rürup.

Qualifizierte Zuwanderung fördern

Als Alternative zur Rente mit 69 schlägt Rürup vor, die qualifizierte Zuwanderung stärker zu fördern. „Schließlich dürfte ein maßgeblicher Anteil des XXL-Aufschwungs der vergangenen Dekade auf die hohe Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus anderen EU-Staaten zurückzuführen sein“, so der Rentenexperte.

Eine weitere Alternative wäre es, die Anreize für die vorhandene Bevölkerung zu erhöhen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dafür schlägt Rürup Maßnahmen wie eine Senkung der Transferzahlungen für Langzeitarbeitslose, den Abbau von Minijob-Privilegien sowie die Förderung der Vollzeitbeschäftigung von Frauen durch bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Ganztagsschulen sowie eine Reform des Ehegattensplittings vor. Auch höhere Hürden der Frühverrentung sowie Anreize für ältere Beschäftigte, über das gesetzliche Rentenalter hinaus zu arbeiten, hält Rürup für geeignet, um das Angebot an Arbeiskräften zu erhöhen.

Darüber hinaus sollte man den Wirtschaftsstandort Deutschland trotz des demografisch bedingten Fachkräftemangels für Investoren attraktiver machen, fordert der SPD-Politiker. „Dazu zählen neben einer exzellenten Qualifikation der Erwerbstätigen eine moderne Infrastruktur, deutlich zügigere Verwaltungsverfahren, eine sichere, bezahlbare und mit den Klimazielen konforme Energieversorgung sowie nicht zuletzt attraktive steuerliche Rahmenbedingungen“, schreibt er.

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