Besser als vorhergesagt

„Buffetts vielgescholtene Derivate-Wetten haben sich gemausert“

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Die Zeichen für die langfristigen Derivate-Wetten von Warren Buffet stehen auf positiv. Die Verpflichtungen aus den Swap-Kontrakten sind per Ende März auf 3,5 Milliarden Dollar gesunken, während sie sechs Jahre vorher noch rund 15 Milliarden Dollar betrugen. Einige der Derivate sind langfristige Wetten auf steigende Anleihekurse, andere sichern Anleihegläubiger gegen Verluste ab, wenn Schuldner ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

Deutliche Anstiege bei den Aktienindizes in den USA, Europa und Japan sowie ein stärkerer Dollar haben dazu beigetragen, die Verpflichtungen aus den Derivaten über Jahre zu reduzieren. Im ersten Quartal hat sich diese Entwicklung intensiviert, der Gewinn von Berkshire kletterte 9,8 Prozent auf 5,16 Milliarden Dollar.

‘‘Solange die Welt nicht in den nächsten Jahren auseinanderbricht, wird das eine weitere Wette, die er gewonnen hat’’, kommentierte Analyst Meyer Shields von Keefe Bruyette & Woods in Richmond, Virginia.

Zwischenzeitlich sah es ganz anders aus. In der Finanzkrise schwollen die Verpflichtungen aus den Derivaten an und trugen im ersten Quartal 2009 zu einem Verlust bei. Im gleichen Jahr entzogen Moody’s Investors Service und Fitch Ratings Berkshire das Top-Rating und verwiesen in der Begründung auf die Derivate. Zudem schien ein so großes Engagement bei Derivaten nicht zu früheren Aussagen von Buffett zu passen. Im Jahr 2003 hatte er sie als ‘‘finanzielle Massenvernichtungswaffen’’ bezeichnet, ein Ausdruck, der in der Finanzkrise häufig zitiert wurde.

Im Jahresbericht 2009 verwendete Buffett mehr als vier Seiten auf eine Erklärung, warum seine Derivate-Transaktionen anders waren. Er schrieb, dass Berkshire für die Übernahme des Risikos bezahlt worden sei und die dafür erhaltenen Gelder in der Zwischenzeit investieren könne. Zudem müsse die Gesellschaft kaum Sicherheiten für die Kontrakte stellen, die erst nach vielen Jahren fällig würden.

Auch wenn die Verpflichtungen aus den Derivaten gesunken sind, bleiben die Kontrakte weiterhin faszinierend für die Finanzwelt. Die Zeitung Financial Times veröffentlichte ab 2013 eine achtteilige Serie über Buffetts Derivate auf Aktienindizes und beschrieb dort, dass einige der Kontrakte exotischer waren als bisher gedacht.

Einen Teil der Kreditausfall-Kontrakte wickelte Buffett 2012 ab. Die verbliebenen Kontrakte dürften wahrscheinlich mit der Zeit auslaufen, erklärte Buffett am 2. Mai auf der Jahresversammlung von Berkshire in Omaha, Nebraska. Es sei unwahrscheinlich, dass er sich mit den Vertragsparteien auf einen für beide Seiten akzeptablen Preis einigen könne, um die Kontrakte abzuwickeln, erläuterte er.

Buffetts geduldiges Vorgehen bei Derivaten passt zu seiner allgemeinen Strategie, Investments über Jahre zu halten und kaum auf kurzfristige Kursschwankungen zu achten. Seinen Aktionären hat er geraten, die quartalsweisen Veränderungen bei den Verpflichtungen aus den Derivaten als Störgeräusche anzusehen.

Bis 2008 erhielt Buffett 4,9 Milliarden Dollar an Prämien für Verkaufsoptionen auf Aktienindizes. Die Kontrakte laufen zwischen Juni 2018 und Januar 2026 aus. Andere Kontrakte sind an Anleihen gekoppelt, deren Fälligkeit zwischen 2019 und 2054 liegt.

Bisher hat Berkshire das Top-Rating nicht wieder erlangt. Moody’s bewertet die Gesellschaft mit ‘‘Aa2’’ und Standard & Poor’s mit ‘‘AA’’.

Seit der Finanzkrise hat Buffett die Investmentholding über einige seiner größten Akquisitionen erweitert. Er erwarb 2010 den Eisenbahnbetreiber BNSF, außerdem baute er das Energieversorger-Geschäft von Berkshire aus und übernahm zusammen mit der Buyout-Gesellschaft 3G Capital den Ketchup- Hersteller H.J. Heinz.

Selbst wenn die Zahlungsverpflichtungen aus den Derivaten nochmals anschwellen würden, hätten sie wahrscheinlich keine großen Auswirkungen mehr auf die Ergebnisse von Berkshire, erwartet Analyst Shields von KBW. ‘‘Sie sind kleiner geworden’’, konstatiert er. ‘‘Und Berkshire ist größer geworden.’’

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