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Fröhliche Rentner: Damit dieses Bild ein Normalzustand bleibt, sollte man neue Rentenwege gehen | © Linus Schütz / Pixabay

Bestehendes nutzen

Alters-VL als Alternative

Über nichts anderes lässt sich wohl so intensiv debattieren wie um das „richtige“ System der Altersvorsorge. Drei Säulen haben wir in Deutschland, das sind grob: gesetzlich, betrieblich und privat. Insbesondere bei der gesetzlichen Rente gibt es vielfältige Gedankenspiele, etwa zum Thema Grundrente. Doch auch bei den anderen beiden Säulen, betrieblich und privat, gibt es immer wieder Neu- und Reformvorhaben. Allen Altersvorsorgekonzepten ist gemein, dass es sehr schwierig ist, mit allen Beteiligten und auch über die parteipolitischen Grenzen hinweg eine Einigung erzielen. Oft bleiben Vorhaben stecken, wie aktuell etwa bei der sogenannten Nahles-Rente.

Eingeführtes Modell ausbauen

Schauen wir uns den Ausgangspunkt an: Es geht darum, ein tragfähiges Modell zu haben, das nicht zu komplex ist, das gerade auch Geringverdiener berücksichtigt, und das vor allem eine höhere Renditechance bietet als die gesetzliche Rente. Bei der Eigenvorsorge ist es mit renditeorientiertem Sparen, etwa in Aktienfonds, leider nicht allzu weit her bei den Deutschen: Seit Jahren stagniert die Zahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer, aller Appelle zum Trotz. Renditeorientiertes Sparen ohne Anreiz scheint daher nur schwer möglich. Im Prinzip muss man aber gar nicht in die Ferne schweifen und nichts gänzlich neu erfinden. Denn mit den vermögenswirksamen Leistungen (VL) gibt es bereits ein Instrument, das seit Jahrzehnten etabliert ist und sich auch als Vorlage zu einem starken Vorsorgemodell anbietet.

Michael Gott, Vertriebsleiter bei der Sutor Bank

Mit VL belohnt der Staat das langfristige Sparen – insbesondere auch mit Aktienfonds. Genau genommen handelt es sich dabei um eine Abmachung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die man durchaus als Solidarmodell bezeichnen kann. Denn der Löwenanteil von VL kommt in der Regel vom Arbeitgeber, der seinen Angestellten bis zu 40 Euro im Monat bezahlt – je nach Branche und Tarifvertrag schwankt der Beitrag, viele Arbeitgeber zahlen auch freiwillig. Am Ende kommt noch die staatliche Förderung (Arbeitnehmersparzulage) hinzu – zumindest bei Geringverdienern. Die Laufzeit von VL-Verträgen beträgt sieben Jahre, davon sechs Jahre Einzahlung, gefolgt von einem Ruhejahr. Danach dürfen Anleger über das Geld verfügen, das heißt ausgeben oder neu anlegen und idealerweise mit einem neuen VL-Vertrag direkt weitersparen.

Alters-VL: Arbeitgeber + Staat + Sparer

Warum mit diesem Instrument nicht auch das Sparen für die eigene Rente belohnen? Was spräche gegen ein Modell von „Alters-VL“? Einige der bisherigen VL-Konditionen müssten gleichwohl angepasst werden: Zum einen sollte die Laufzeit bis zum Rentenalter ausgedehnt werden. Die Arbeitgeber würden weiterhin den größten Teil der monatlichen Zahlungen übernehmen – zum Beispiel zwischen 40 und 100 Euro –, der Staat gibt einen kleinen Betrag dazu, und auch der Sparer beteiligt sich mit eigenen Mitteln. Die Höhe der staatlichen Zuzahlung könnte auch variabel sein, etwa je nach Einkommen des Sparers. Denkbar wäre ebenso, das Geringverdiener-Prinzip weiterzuführen, wonach bis zu bestimmten Einkommensgrenzen eine pauschale zusätzliche Förderung gezahlt wird. Eine andere Fördervariante könnte sein, dass der Arbeitnehmer seine Beiträge aus dem Bruttoeinkommen bezahlt, nicht aus dem Nettoeinkommen. Bei einem Arbeitgeberwechsel wird der Vertrag, wie heute schon bei VL, einfach vom neuen Arbeitgeber übernommen.

Kurzum: Die Anpassungsmöglichkeiten sind vielfältig – doch der Hauptvorteil liegt darin, ein bestehendes, „gelerntes“ Modell zu nutzen. Sicher, der Teufel steckt auch hier im Detail. Doch eine gute Basis ist kein schlechter Ausgangspunkt. Für Unternehmen wären Alters-VL eine gute Möglichkeit, einen langfristigen Solidarpakt mit ihren Mitarbeitern einzugehen – und für Mitarbeiter könnte dies auf lange Sicht zu einer Altersvorsorge-Säule werden, die den Namen auch verdient.

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