Sechs Jahre nach dem Erstrating 2019 hat das Analysehaus Franke und Bornberg (F&B) die Bewertungsgrundlagen für Betriebshaftpflichtversicherungen (BHV) überarbeitet und jetzt aktuelle Ergebnisse präsentiert.
Wachsendes Geschäftsfeld – komplexere Tariflandschaft
Zur Marktlage stellen die Autoren fest, dass seit 2019 die Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen um 23 Prozent auf 3,16 Millionen Betriebe Ende 2023 gestiegen ist. Der Umsatz wuchs dabei um 28 Prozent auf mehr als 2,64 Billionen Euro. Das Gewerbegeschäft werde ein zunehmend tragender Pfeiler für Versicherer und Vermittler.
Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer der Franke und Bornberg, sagt dazu: „Das Geschäft mit Gewerbeversicherungen entwickelt sich dynamisch und sorgt für stabile Prämieneinnahmen. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Unternehmenskonkurse nehmen zu und Gewerbetarife sind komplex. Je nach Branche gehen die Anforderungen an leistungsstarke Tarife deutlich auseinander.“
Das ist neu beim BHV-Rating
Das will das neue Rating mit dem Update besser abbilden. Daher wurden verschiedene Kriterien überarbeitet, zum Beispiel Auslandsschäden, Architekten- und Ingenieurleistungen, die erweiterte Produkthaftpflicht, Tätigkeitsschäden, Rechtsschutz sowie Risiken aus der Gastronomie und umweltrelevante Anlagen.
Zudem wurde die Zahl der berücksichtigten Branchen von zehn auf zwölf erhöht. Neben den Segmenten „Bau“, „Dienstleistung“, „Freie Berufe“, „Gastronomie und Beherbergung“, „Handel“, „Handwerk“, „Heil- und Heilnebenberufe“, „Kfz“, „Landwirtschaft“ und „Vereine“ sind jetzt auch „IT-Unternehmen“ und „Produzierendes Gewerbe“ mit dabei.
Ausgehend von einem gemeinsamen Kriterien-Set haben die Analysten nach eigenen Angaben für jede Branche „passgenaue Merkmale herausgearbeitet und in spezifische Kriterien und Gewichtungen umgesetzt“. Je nach Branche gibt es bis zu 118 Detailkriterien. Weitere Informationen können in den Bewertungsgrundlagen nachgelesen werden.
Die Methodik
Als Quellen für das Rating werden ausschließlich die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, Versicherungsscheine, Geschäftsberichte und per Stichprobe verifizierte Daten genutzt.
Die Testkandidaten werden zunächst dahingehend überprüft, in welchen Ausprägungen beziehungsweise Varianten welche Detailleistungen und Einzelregelungen angeboten werden. Die Qualität der jeweiligen Regelungen wurde in einem nächsten Schritt auf einer Skala von null (für die schlechteste) bis 100 (für die beste Ausprägung) eingeordnet. Danach werden die einzelnen Leistungskriterien entsprechend ihrer Wichtigkeit aus Kundensicht gewichtet, so die Analysten.
Um die Gesamtqualität der Tarife zu messen, greift F&B auf ein siebenstufiges Bewertungsschema von „FFF+“ (hervorragend) über „FFF“ (sehr gut), „FF+“ (gut), „FF“ (befriedigend), „F+“ (ausreichend) und „F“ (mangelhaft) bis „F-“ (ungenügend) zurück. Die Klassen sind laut der Autoren so bemessen, dass geringfügige, für die Praxis unerhebliche Punktunterschiede nicht zur Einstufung in eine andere Klasse führen. Innerhalb der Ratingklassen sorgen zusätzliche Schulnoten für weitere Differenzierung.
Zudem müssen für eine Einordnung in bestimmte Ratingklassen zusätzliche Mindeststandards erfüllt werden. So ist es etwa für die Höchstnote unter anderem erforderlich, dass die Versicherungssumme mindestens zehn Millionen Euro beträgt. „Einem Top-Tarif für Unternehmen sollte auch bei hohen Schadensummen nicht die Luft ausgehen. Deshalb heben wir den Mindeststandard für die Bestnote FFF+ in der BHV jetzt auf dieses neue Niveau“, so Franke mit Verweis auf aktuelle Marktentwicklungen.
Anbieterfreundliche Benotung
Aufgrund der zur bekannten Noten-Skala hinzugefügten „Hervorragend“-Bewertung muss das verwendete Schema allerdings auch als anbieterfreundlich bezeichnet werden. Das ist offensichtlich dem Geschäftsmodell von F&B geschuldet. Ausgezeichnete Unternehmen können kostenpflichtige Siegel zu Vertriebs- und Marketingzwecken erwerben. Weitere Details können in den Bewertungsgrundlagen nachgelesen werden.
Die Ergebnisse
Zu den Ergebnissen stellen die Analysten fest, dass es über alle Branchen hinweg Betriebshaftpflichttarife starke Leistungen bieten. 27 Prozent aller untersuchten Tarife erreichten die Top-Note „FFF+“ (hervorragend).
Besonders gut schneiden dabei Offerten für das Produzierende Gewerbe ab. In diesem Wirtschaftszweig erhalten 40 Prozent der Lösungen die Top-Note. Bei über einem Drittel lag der Anteil auch in den Segmenten Dienstleistung, freie Berufe und IT. Nicht einmal ein Achtel betrug der Anteil hingegen im Segment Landwirtschaft.
Baloise in allen Branchen mit Top-Bewertung
Quelle: Franke und Bornberg GmbH
Insgesamt erhalten 23 Anbieter in mindestens einer Branche für mindestens eine Lösung die Topnote „Hervorragend“. Dabei kann nur die Baloise in allen zwölf Branchen mit einem „FFF+“-Angebot aufwarten. Jeweils in elf Wirtschaftszweigen die Höchstnote bekommen HFK 1676, Zurich und die Württembergische. Je zehnmal gelingt dies Allianz, Andsafe und Markel, Hamburger Feuerkasse, Provinzial Nord sowie Helvetia.
Die vollständigen Ergebnisübersichten sind hier einsehbar.
Was sehr gute BHV-Tarife kosten
Je nach Branche unterscheiden sich die Prämien laut F&B deutlich. Ein Elektrobetrieb mit einer Million Jahresumsatz zahle hier für einen sehr guten Tarif zwischen 1.800 und 4.000 Euro im Jahr. Für ein Restaurant mit 800.000 Euro Umsatz koste der Versicherungsschutz dagegen nur 200 bis 700 Euro.
Nachhaltigkeit in der BHV
Zu den Stellschrauben für mehr Nachhaltigkeit zählten – neben der Kapitalanlage – vor allem Prävention und Mehrleistungen für Reparatur und nachhaltigen Ersatz im Schadenfall. Davon profitierten versicherte Unternehmen zwar nicht direkt, aber sie könnten mit der Versicherungsleistung einen Beitrag für eine generationengerechte Zukunft leisten und nachhaltig produzierende Unternehmen unterstützen, sagt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg.
Sonderkonditionen und vereinfachte Aufnahme von Unternehmen, die sich sozial engagieren, nachweislich Ressourcen schonen und Umweltbelastung minimieren, sind weitere Facetten nachhaltiger BHV-Tarife. „Mit nachhaltigen Tarifen können Vermittler gezielt bei einer verantwortungsbewussten Kundschaft punkten“, so Monke.


