Bevor das Geld weg ist 4 Vorgänge, die Anleihe-Anleger retten können

Stefan Wallrich ist Vorstand der Wallrich Wolf Asset Management in Frankfurt/Main.

Stefan Wallrich ist Vorstand der Wallrich Wolf Asset Management in Frankfurt/Main.

Wenn sich die wirtschaftliche Lage des Anleiheschuldners verschlechtert und die ordnungsgemäße Tilgung der Schuldverschreibung dadurch in Gefahr gerät, bekommen Anleger oft Panik. Dabei können sich Unternehmen oftmals frisches Geld besorgen, bevor es ihnen ausgeht. Auf diese Refinanzierungsmöglichkeiten sollten Anleger ein Auge haben:

Vermögensverkauf: Die Existenz nicht zwingend benötigter Geschäftseinheiten bedeutet, dass zur Not durch Abverkäufe Liquidität beschafft werden kann. Beispielsweise war HeidelbergCement durch die 14 Milliarden Euro teure Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson 2009 in finanzielle Schieflage geraten. Unter anderem durch die Veräußerung der Kalk-Aktivitäten sowie weiterer Geschäftsteile ohne strategische Bedeutung konnte Deutschlands größter Baustoffkonzern diese beseitigen und die ausgegebenen Anleihen ordnungsgemäß zurückzahlen.

Kapitalerhöhung: Börsennotierte Firmen können über die Ausgabe zusätzlicher Aktien das Eigenkaptal und die Liquidität stärken. Dabei ist die Aktie immer als Puffer für die Besitzer hochverzinster Unternehmensanleihen zu sehen. Als Alternative zu einer klassischen Kapitalerhöhung ist in der Praxis oftmals die Ausgabe von Wandelanleihen zu beobachten. Mit diesem Refinanzierungsmittel hat sich in den vergangenen Jahren beispielsweise das Spezialchemieunternehmen SGL Carbon über Wasser gehalten.

Ankerinvestor: Bezüglich der Rekapitalisierungs-Chance positiv zu werten sind zudem Ankerinvestoren mit hohem finanziellem und emotionalem Engagement, wie es unter anderem bei Familienunternehmen oft zu beobachten ist. Anführen lässt sich hier aktuell etwa die italienische Mobilfunkgesellschaft WindTre, bei der es sich zwar nicht um ein Familienunternehmen handelt, an der aber zwei Milliardäre maßgeblich beteiligt sind. Sie müssten ihre Eigenkapitalinvestments auf null abschreiben, sollten die Schuldverschreibungen notleidend werden.

Bail Out: In Ausnahmefällen kann die Hilfe des Staates ein Rettungsanker für die Anleihebesitzer sein. Dies ist etwa in Frankreich gelegentlich der Fall. So wurde erst 2015 der Atomkonzern Areva, der ansonsten höchstwahrscheinlich in die Insolvenz hätte gehen müssen, unter staatlicher Mithilfe gerettet.