Big is beautiful

//

(Quelle: DAS INVESTMENT) 2007 war ein gutes Aktienjahr – zumindest für den Dax. Mit einem Plus von rund 20 Prozent hat der Index für deutsche Standardwerte nicht nur weit besser abgeschnitten als die meisten anderen europäischen Aktienindizes; er liegt auch klar vor seinen kleineren Brüdern M-Dax und S-Dax, den Barometern für mittelgroße und kleine Aktiengesellschaften.

Damit ist 2007 eingetreten, was Experten schon seit mehreren Jahren immer wieder vorausgesagt hatten: Zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende sind Standardwerte deutlich besser gelaufen als Nebenwerte. Die lang erwartete Trendwende zeigt sich dabei nicht nur in Deutschland, sondern europaweit: Erstmals seit 1999 liegen die 200 größten Werte des europäischen Index Stoxx 600 mit einem Plus von rund 5 Prozent klar vor den Aktien der 400 kleineren Unternehmen im Index, die übers Jahr ins Minus rutschten. 

Auslöser für die Wende waren die Kursturbulenzen des Spätsommers: Anleger trennten sich in großem Stil von den bis dahin besser gelaufenen, aber auch als risikoreicher eingestuften Papieren und setzten statt dessen auf die Qualität großer Standardwerte.

Eine Strategie, die auch 2008 Erfolg verspricht. Denn keines der vergangenen Börsenjahre begann mit ähnlich großen Unsicherheiten wie das gerade angelaufene: Welche Auswirkungen die Kreditkrise in den USA noch haben wird, ist ebenso ungewiss wie die Folgen des Rekordhochs vom Ölpreis und des Rekordtiefs des Dollar. „Generell ist für 2008 eine defensive Anlagestrategie angezeigt“, sagt Christian Heger, Chefstratege bei HSBC Investments: „Bei den Aktienmärkten lautet daher die Devise: Große Werte sind Titeln mit kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung vorzuziehen.“

Denn tatsächlich haben große Unternehmen gegenüber der kleineren Konkurrenz in unsicheren Zeiten Vorteile: Sie können sich auf eine breitere, internationale Kundenbasis stützen und sind damit weniger abhängig von regionalen Konjunkturschwankungen. Das gilt insbesondere für Firmen, die einen Teil ihrer Gewinne in den boomenden Schwellenländern erwirtschaften.

Große Unternehmen verfügen zudem häufig über solidere Bilanzen und über höhere Finanzreserven. Damit sind sie besser in der Lage, auf ein weniger freundliches Kreditumfeld zu reagieren, das als Folge der Hypothekenkrise derzeit vielen kleinen Unternehmen zu schaffen macht. „Großunternehmen können nach wie vor Fusionen und Übernahmen bestreiten und von deren positiven Konsequenzen auf die Aktienkurse profitieren“, erklärt Sanjay Oberoi, Manager des Fidelity Deutschland Select Fund. Kleinere Unternehmen dagegen sähen sich vorsichtigeren Geldgebern gegenüber, die nur noch ungern Kredite vergeben und die in der Vergangenheit lukrativen Übernahmen so deutlich verteuerten.

Schließlich spricht ein weiteres Argument für die Schwergewichte an den Börsen: Weil sie so lange schlechter gelaufen sind als die Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen, sind sie deutlich günstiger zu haben. So beträgt etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das als gängigstes Maß für die Bewertung von Aktien den Aktienkurs ins Verhältnis zum Unternehmensgewinn pro Aktie setzt, beim Dax gerade 13, während es bei S-Dax und M-Dax bei 16 beziehungsweise 17 liegt.