Bill Gross: Anleihekönig in der Diskussion

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Manchmal muss ein Notenbankchef tun, was ein Notenbankchef tun muss. Ende Mai hat Ben Bernanke in Aussicht gestellt, die US-Geldschleusen zu schließen. Das hieße weniger Stützungskäufe auf dem Anleihemarkt. Anleger reagierten prompt und ließen die Kurse sinken. Ausgerechnet der „Anleihekönig“ Bill Gross ist dabei nass geworden. Gross verwaltet den Pimco Total Return Fund, mit 286 Milliarden Dollar Volumen einen der größten Fonds der Welt. 3,4 Prozent oder 9,9 Milliarden US-Dollar Verlust hat ihm die Ansage des Notenbank-Chefs Bernanke eingebracht. Auch ein guter Fondsmanager liegt mal falsch.

Was das Handelsblatt zu der Schlagzeile „Bondkönig unter Wasser“ verführte und zu der Frage: „Droht ihm jetzt der Untergang?“ Eine Anspielung auf Gross‘ – ziemlich schrägen – Marktbericht, in dem er mit seiner Vergangenheit bei der Marine kokettiert. Entgegen der Meinung des Newsportals „Finews“ hatte er den Text aber schon am 2. Juli veröffentlicht – und nicht etwa als Antwort auf das Handelsblatt. „Im übertragenen Sinne hatte das Schiff zu viel Gewicht im oberen Bereich für den wenigen Ballast, den es geladen hatte.“ In seinem Beitrag spart Gross nicht mit Metaphern. Vielleicht weil er vor über 40 Jahren selbst zur See fuhr und daher mit den Unwägbarkeiten des Ozeans genauso vertraut ist wie mit denen der Märkte. Jedenfalls gibt er sich überzeugt, dass „dieses Schiff noch lange nicht sinkt.“

Der Pimco-Gründer war nicht der einzige Großanleger, der in den vergangen Wochen Verluste gemacht hat, berichtet das Handelsblatt weiter. Wenige hat es allerdings derart heftig erwischt. Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg zufolge, haben sich nur 13 Prozent seiner Konkurrenz noch stärker verkalkuliert. Gross hatte auf Inflation gesetzt, indem er sogenannte Treasury Inflation-Protected Securities – inflationsgesicherte Anleihen – in größeren Mengen (zuletzt knapp 10 Prozent des Marktes) gekauft hatte. Dann kam der Mai, und Bernanke machte Gross‘ Inflationsszenario zunichte.

Vorerst.

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