Bill Gross: Rationale Mäßigung
An dieser Stelle möchte ich mich in das verbotene Territorium der Aktienkurse vorwagen, indem ich Ihnen zusätzliche historische Korrelationen aufzeige, die durch Jim Bianco von Bianco Research zusammengestellt wurden – dabei handelt es sich zugegebenermaßen nicht um eine Organisation, die ähnlich der Fed über zahlreiche Angestellte mit akademischem Hintergrund verfügt; dennoch wird sie sehr geschätzt. In einer täglichen Veröffentlichung wies Jim Bianco unlängst darauf hin, dass High-Yield-Titel und Unternehmensanleihen in Wirklichkeit nichts anderes seien als Aktienäquivalente mit geringem Beta. Und das scheint auch der Realität zu entsprechen.
Die folgenden Schaubilder zeigen eine recht deutliche Korrelation zwischen den Spreads von High-Yield-Anleihen (und demnach ihren Renditen) und den Aktienkursen auf. Dies würde uns zu der zwingenden Schlussfolgerung führen, dass Aktien die Wertentwicklung von High-Yield-Papieren nachvollziehen oder auch umgekehrt. Die geringen Renditeaufschläge an den Märkten für High-Yield-Anleihen scheinen von geringen Risikoprämien an den Aktienmärkten begleitet zu sein, was nur ein anderer Ausdruck dafür ist, dass die künftigen Aktienrenditen ihrer bislang überschwänglichen Vergangenheit eventuell nicht gerecht werden könnten. Doch wenn die Renditen von High-Yield-Anleihen in den kommenden Jahren bei 3 bis 4% liegen, warum sollte sich daraus nicht logischerweise eine allgemeine Prognose für Aktienerträge von 5 bis 6% ergeben?
Zugegeben, die Renditen der High-Yield-Titel und -Aktien standen in den vergangenen Jahren deutlich unter dem Einfluss der quantitativen Lockerungsmaßnahmen, dem Ausstellen von Federal-Reserve-Schecks in Billionen-Dollar-Höhe und der übermäßigen Migration von Institutionen sowie Haushalten zu den grüneren Wiesen der risikoreichen Anlagen, deren Performance auf vorteilhaften wirtschaftlichen Ergebnissen beruht. Diese Entwicklung wird durch die Notenbanken gefördert, worin sie bis dato auch erfolgreich sind. Für den Fall, dass ihre Unterstützung schwindet, sollten die Anleger jedoch zum richtigen Zeitpunkt ein vorsichtiges oder vielleicht auch „gemäßigtes“ Verhalten an den Tag legen.
Die von PIMCO und Gouverneur Stein proklamierte „rationale Mäßigung“ – als Gegenstück zu den exzessiven Wellen des historisch „irrationalen Überschwangs“ – hält die Anleger lediglich dazu an, ihre Erwartungen zu senken, nicht jedoch, das Schiff zu verlassen. PIMCO ist ein globaler Vermögensverwalter – nicht mit einem dauerhaften Runzeln auf der Stirn oder sogar mit einem allseits gegenwärtigen, halbleeren Glas –, sondern voller Hoffnung, unter Einbeziehung der künftigen irrationalen Wellen des Überschwangs fähig zu sein, Alpha und überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Wir schließen uns Gouverneur Stein an und sprechen uns nicht für einen Ausstieg aus, sondern für eine Verringerung der Erwartungen. Denn die Unternehmensanleihen-Spreads und die Zinssätze lassen sich nicht für immer auf künstlich niedrigem Niveau halten, ebenso wenig wie die Aktienkurse in ihrem Schatten zu einem dauerhaften Anstieg fähig sind. Seien Sie rational, seien Sie optimistisch, sofern dies Ihrer Natur entspricht, aber mäßigen Sie sich. Denn wir haben uns schon mal in einer solchen Situation befunden, und die Entwicklungen der Vergangenheit wurden dem Überschwang nur selten gerecht.
