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Kapitalanlage in Anleihen Biodiversitätsanleihen: Newcomer auf dem Anleihemarkt

Das Unternehmen CMPC stellt Pläne für ein nachhaltiges Stadion in Chile vor
Das Unternehmen CMPC stellt Pläne für ein nachhaltiges Stadion in Chile vor: Anleihen, die Ziele zur Verhinderung von Naturverlust verfolgen, machen knapp ein Drittel aller bisher im laufenden Jahr emittierten ESG-Anleihen aus, im Jahr 2015 waren es nur 3 Prozent. | Foto: Imago Images / Photosport

Anleihen, in die Ziele zur Verhinderung von Naturverlust und zum Schutz der Natur eingebettet sind, machen knapp ein Drittel aller in diesem Jahr bisher emittierten ESG-Anleihen aus, im Jahr 2015 waren es gerade mal 3 Prozent. Bei diesem Tempo könnte die jährliche Emission solcher Anleihen bis Ende 2024 auf einen Rekordwert von 300 Milliarden US-Dollar ansteigen.

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Der politische und gesetzliche Rahmen entwickelt sich in schnellem Tempo weiter, sodass Länder und Unternehmen mehr für den Schutz der Natur tun und eine geschätzte Finanzierungslücke von 700 Milliarden US-Dollar pro Jahr im Bereich der biologischen Vielfalt schließen müssen.

Eine wachsende Zahl von Investoren sieht in der Wiederherstellung der biologischen Vielfalt einen potenziell kosteneffizienteren Weg, der globalen Erwärmung entgegenzuwirken und die Netto-Null-Ziele zu erreichen. 

 

Wie die Ratingagentur Fitch in einer aktuellen Studie herausgefunden hat, erfreuen sich naturpositive Portfolios zunehmender Beliebtheit. Es gibt also allen Grund, davon auszugehen, dass Biodiversitätsanleihen einen immer größeren Anteil an dem 6,5 Billionen US-Dollar schweren ESG-Anleiheuniversum (Quelle: Institute of International Finance, IIF) ausmachen werden.

Zunehmende Bekanntheit von ESG-Anleihen mit Biodiversitätsbezug

Staaten und supranationale Institutionen haben sich an die Spitze der Entwicklung von biodiversitätsbezogenem Kapital gestellt. Emittenten wie die Europäische Union und die Weltbank gehörten zu den ersten, die solche Anleihen aufgelegt haben. Zusammen machen sie nach Angaben des Institute of International Finance rund zwei Drittel aller bisher emittierten ESG-Anleihen mit Biodiversitätsbezug aus (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Anleihen blühen auf. Die Emission von ESG-Anleihen mit Biodiversitätsbezug dürfte einen neuen Rekordwert erreichen

Quelle: IIF. Daten vom 28.03.2024.

Aber nach und nach mischen auch immer mehr Unternehmen mit. Damit reagiert der Unternehmenssektor auf die wachsende Zahl naturbezogener Vorschriften und Reporting-Standards, die alle darauf abzielen, die Unternehmen zu zwingen, den Schutz der biologischen Vielfalt in ihrer Netto-Null-Planung zu berücksichtigen.

Zwei Arten von Unternehmens-Biodiversitätsanleihen sind auf dem Vormarsch: Zum einen Use of Proceeds-Anleihen (UOP), bei denen die Erlöse für genau festgelegte Nachhaltigkeitsprojekte vorgesehen sind. Interessanterweise hat die Emission solcher Anleihen in den letzten Jahren zugenommen, wohingegen die Nachfrage nach anderen Arten von ESG-Anleihen aufgrund von Befürchtungen über mangelnde Transparenz zurückgegangen ist.

Zu den beliebtesten UOP-Naturanleihen gehören solche, die Ziele zur Erhaltung der terrestrischen und aquatischen Artenvielfalt finanzieren – beide sind von der International Capital Markets Association als zulässige UOP-Kategorie anerkannt. Diese Anleihen machten laut Fitch im Jahr 2023 etwa 16 Prozent aller neu emittierten Biodiversitätsanleihen aus, im Jahr 2020 waren es noch 5 Prozent (Quelle: The ICMA’s Green Bond Principles, Sustainable Fitch).

Zu den neuen Emittenten am Markt gehört das chilenische Zellstoff- und Papierunternehmen CMPC. Es hat UOP-Anleihen in den Bereichen nachhaltige Wald- und Wasserbewirtschaftung und Wiederherstellung einheimischer Wälder emittiert.

Das finnische Forstwirtschaftsunternehmen Stora Enso hat eine Reihe grüner UOP-Anleihen emittiert, deren Erlöse unter anderem für die nachhaltige Wald- und Wasserbewirtschaftung sowie den Umweltschutz bestimmt sind.

Auch China ist ein aktiver Teilnehmer an diesem Markt. Die Bank of China hat vor kurzem zwei Biodiversitätsanleihen emittiert, deren Nettoerlöse für Projekte zur Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie für Projekte zur umweltverträglichen Bewirtschaftung lebender natürlicher Ressourcen und zur Landnutzung – ebenfalls förderungswürdige UOPs – in China verwendet werden.