LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche

Themen-Experte Aktiver Ansatz aus Überzeugung

ANZEIGE
ANZEIGE

Naturverträgliche Selbstverpflichtungen Was Puma, Kering und Bergbau-Unternehmen verbindet

Zentrale eines deutschen Sportartikelherstellers
Zentrale eines deutschen Sportartikelherstellers: Auf Geschäftsführungsebene sollte der Naturschutz als zentrales Geschäftsthema und nicht als CSR-Thema behandelt werden. | Foto: Imago Images / Futue Image
Joe Horrocks-Taylor,
Columbia Threadneedle Investments

Weltweit fordern über 1.400 Großunternehmen von den Regierungen eine naturverträgliche Politik bis 2030. 95 britische Unternehmen haben sich dem gemeinsamen Ziel verpflichtet, bis 2030 naturverträglich zu wirtschaften. Ein Drittel der globalen Bergbauindustrie hat sich unter dem Dach des International Council on Mining & Minerals (ICMM), ein Zusammenschluss von 28 Bergbau- und Metallunternehmen und mehr als 35 nationalen und regionalen Rohstoffverbänden, dazu verpflichtet, bis 2030 naturverträglich zu fördern.

Naturverträgliche Selbstverpflichtungen werden in der Unternehmenswelt immer wichtiger – aber warum gehen Unternehmen sie ein? Was bringen sie? Und wie lässt sich ein Ansatz, der die Natur wirklich respektiert, von Greenwashing unterscheiden?

Ohne Natur-Engagement drohen finanzielle Risiken

In vielen Branchen sind Messung und Management betrieblicher Auswirkungen auf die Natur nichts Neues. In vielen Volkswirtschaften sind Umweltverträglichkeitsprüfungen, der Schutz von Lebensräumen und Arten sowie die Erteilung von Wassernutzungsgenehmigungen seit Jahrzehnten Teil des Betriebsmanagements.

Doch sowohl das wachsende Bewusstsein für die finanziellen Risiken, die sich für Unternehmen aus dem Verlust von Natur ergeben, als auch die zunehmende Aufmerksamkeit von Interessengruppen haben dazu geführt, dass die Überwachung der Natur von Standortleitern in die obersten Führungsetagen der Unternehmen verlagert wird. Dies geht einher mit einer Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, vor allem in Europa, wo in den nächsten Jahren Verordnungen wie CSRD und EUDR in Kraft treten werden.

Unternehmen, die mit Blick auf die Natur eine Führungsposition einnehmen wollen, müssen über die Vorschriften hinauskommen, und das Schlagwort „Nature Positive“ hat sich für Unternehmen als eine Möglichkeit erwiesen, dieses höhere Anspruchsniveau zu signalisieren. Zunehmend erkennen die Unternehmen, welche Risiken für die Natur in ihren Lieferketten und Produktionsabläufen lauern.

Zugleich ist es für Unternehmen einfacher und billiger als je zuvor, naturbezogene Daten zu sammeln – durch das Aufkommen von Technologien wie eDNA, Bioakustik, Fernerkundung und globaler Modellierungsansätze. Schließlich wurde mit der Verabschiedung des globalen Rahmens für die biologische Vielfalt (Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework, kurz GBF) im Jahr 2022 ein globales Ziel zur Eindämmung und Umkehrung des Naturverlusts bis zum Jahr 2030 formuliert – der Privatsektor wird in Ziel 15 ausdrücklich adressiert. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen erarbeiten Strategien, um das globale Ziel auf Unternehmensebene umzusetzen. Zugleich setzen zahlreiche Firmen viel daran, ihre eigenen Verpflichtungen mit dem Globalen Biodiversitätsrahmen (GBF) in Übereinstimmung zu bringen.

 

Bei Natur-Positiv-Strategien gewinnen ganzheitliche Ansätze an Bedeutung

Eine Reihe von Unternehmen beginnt damit, ihre Naturkonzepte mit den globalen Zielen in Einklang zu bringen. Mehr als 180 Unternehmen geben an, dass sie ihre Naturverpflichtungen am UN-Übereinkommen GBF ausrichten. Die Unternehmen gehen auch zunehmend von dynamischen zu statischen Grundwerten für den Naturschutz über. Im Rahmen der ICMM-Positionserklärung zum Naturschutz haben sich die Bergbauunternehmen verpflichtet, bis zum Jahr 2030 bei allen bestehenden Betrieben keine neuen Naturverluste zu verursachen, verglichen mit der Ausgangsbasis vor 2020. Zu nennen ist beispielsweise die Verpflichtung von Rio Tinto, für seine Ilmenit-Mine in Madagaskar positive Nettoauswirkungen zu erzielen. Das ist ein Fortschritt gegenüber früheren Bergbauverpflichtungen, bei denen Projekte anhand von dynamischen Ausgangswerten bewertet wurden: Sie gingen davon aus, dass die bestehenden Naturverluste auch ohne das Projekt weitergehen würden.

Welche Unternehmen engagieren sich?

Der breitere Rahmen von Nature-Positive-Verpflichtungen ist für Unternehmen eine schwierige Herausforderung. Sie müssen sich auf die wesentlichen Auswirkungen ihrer vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten auf die Natur konzentrieren und Daten sammeln, um den Verpflichtungen entsprechen zu können. Puma und Kering sind in diesem Bereich im Modesektor führend, indem sie eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung (Environmental Profit & Loss, EP&L) erstellen und die Biodiversitätsauswirkungs-Metrik einsetzen, während GlaxoSmithKline eine fortschrittliche Wertschöpfungskomponente für sein Nature-Positive-Engagement hat.

Im Allgemeinen herrscht noch wenig Klarheit darüber, wie Unternehmen eine umfassendere Reichweite von Nature Positive umsetzen können – also der Anforderung zu genügen, systemische und transformative Veränderungen in allen Bereichen ihrer Geschäftsprozesse zu bewirken. Führende Unternehmen fangen jedoch an, ganzheitliche Ansätze proaktiv in ihre Nature-Positive-Ansätze einzubinden. So beziehen sich beispielsweise drei der fünf Bereiche, die Tesco im Rahmen seines neuen Naturprogramms verfolgt, auf sektorübergreifende Veränderungen zum Besseren.

Wir beobachten immer wieder, dass sich vor allem Rohstoffunternehmen mit dem zeitlichen Umfang ihrer Verpflichtungen zum Schutz der Natur schwertun: Viele Unternehmen verpflichten sich dazu, den Naturschutz auf Betriebsebene sicherzustellen – nach dem Erreichen des Lebensendes von Minen oder Anlagen. Nach einem beträchtlichen Verlust an Natur während des Betriebs der Anlage beziehen sich die Verpflichtungen oft vollständig auf unzuverlässige Wiederherstellungsmaßnahmen nach der Schließung der Anlage – die meist bereits von den Aufsichtsbehörden vorgeschrieben sind.

Andererseits gibt es immer mehr Unternehmen, die sich für die Natur engagieren und ein ausgewogenes Set von KPIs heranziehen, das mehrere Elemente der Natur umfasst. So verfolgt beispielsweise der größte Papierkonzern Europas UPM acht Biodiversitätsindikatoren, um seinen Fortschritt zu messen. Nestlé wiederum hat ein weitreichendes Portfolio von Naturzielen aufgestellt.

Generell erkennen wir zunehmend Chancen für Unternehmen, soziale Indikatoren in ihre Umweltstrategien einzubinden, um Prinzipien eines gerechten Übergangs von Beginn an fest zu etablieren. Viele Unternehmen sollten daher ihre Umweltziele um weitere wichtige Aspekte ergänzen.