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Schutz der biologischen Vielfalt Regeneration ist das Ziel: Naturschutz überwachen, verfolgen und stärken

Dschungel in Costa Rica
Dschungel in Costa Rica: Das mittelamerikanische Land hat sich vom weltweit größten Abholzungsland zum globalen Vorreiter bei der Wiederherstellung der Natur gewandelt. | Foto: Imago Images / Shotshop
Tom Crowther

Tom Crowther ist einer der gefragtesten Ökologen der Welt. Denn der walisische Wissenschaftler, der an der ETH Zürich als Professor für Umweltsystemwissenschaften tätig ist, spielt eine zentrale Rolle bei den weltweiten Bemühungen um den Schutz der Biodiversität, dem aus Umweltperspektive eine ebenso hohe Bedeutung zukommt wie der Bekämpfung des Klimawandels.

Von allen seinen Initiativen zur Wiederherstellung von Ökosystemen ist Restor das Vorzeigeprojekt, das den Schutz der biologischen Vielfalt auf der Welt auf völlig neue Weise erfasst und fördert.

Restor wurde in dem gleichnamigen Crowther Lab an der ETH in Zusammenarbeit mit Google entwickelt und stellt frei zugängliche Informationen über landschaftliche Veränderungen auf der ganzen Welt bereit, die wichtige Erkenntnisse zur Verbesserung der Messung von Veränderungen der biologischen Vielfalt liefern.

KI hilft, die biologische Vielfalt zu quantifizieren

Anders als der Klimawandel ist die biologische Vielfalt bekanntermaßen schwer zu quantifizieren, nicht zuletzt, weil viele Arten auf unserem Planeten nur unzureichend bekannt und nicht klassifiziert sind. Doch technologische Fortschritte wie künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen oder Erdbeobachtungsverfahren machen den Weg für eine genauere und effizientere Analyse frei.

Innerhalb weniger Jahre gelang es Crowther und seinem Team, Restor zu einem globalen Hub auszubauen, das rund 18.000 Nutzern, darunter Unternehmen, Investoren und Privatpersonen, ökologische Einblicke in über 200.000 Standorte in 140 Ländern gibt. Crowthers inspirierender, innovativer Ansatz in der sonst eher steifen Lehre hat ihm den Beinamen „Steve Jobs der Ökologie“ eingebracht.

 

„Es heißt, Restor sei so etwas wie das Google Maps der Rekultivierung. Aber es ist auch eine Art AirBnB der Rekultivierung“, erklärt Crowthers gegenüber mega.online. „Es geht mehr um die Gemeinschaft als um eine Karte.“ Regierungen, Unternehmen und Gemeinden können ihre Zusagen zur Wiederherstellung der Natur auf der Plattform veröffentlichen, wodurch sie rückvollziehbar und nachprüfbar werden.* 

Hochkarätige Organisationen wie die Group of 20 und Bezos Earth Fund – der 10 Milliarden US-Dollar schwere philanthropische Fonds des Amazon-Gründers Jeff Bezos – loten auf Restor auch Finanzierungsmöglichkeiten aus. Restor hat jetzt schon Projekte in einer Größenordnung von 6 Millionen US-Dollar finanziert.

Angesichts einer geschätzten Finanzierungslücke von 700 Milliarden US-Dollar pro Jahr im Bereich der biologischen Vielfalt mag dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Laut Crowther trägt Restor dazu bei, Kapital von der Finanzierung von Aktivitäten, die natürliche Ressourcen abbauen, in solche zu lenken, die sie regenerieren. „Eine ungleiche Verteilung des Reichtums führt zu Umweltzerstörung. Wir müssen diesen Trend umkehren“, sagt Crowther. „Reichtum muss in die lokalen Gemeinschaften fließen, die sich um die Natur und deren Schutz kümmern.“

Costa Rica: Ein Musterbeispiel für die ökologische Rekultivierung

Eine der erfolgreichen Rekultivierungsmaßnahmen, über die auf Restor berichtet wird, ist in Costa Rica zu erleben. Anhand von Einblicken in Artenvielfalt, CO2, Wasser und Landnutzung, einschließlich Zeitraffer-Satellitenaufnahmen von Hunderten von Schutzgebieten in Costa Rica, dokumentiert Restor die bemerkenswerte Verwandlung Costa Ricas vom weltweit größten Abholzungsland zum globalen Vorreiter bei der Wiederherstellung der Natur.

Noch vor wenigen Jahrzehnten stand dieses kleine mittelamerikanische Land, das zwischen zwei Bioregionen mit reichhaltigen Ökosystemen liegt, am Rande eines ökologischen Kollaps. Costa Rica holzte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts massenhaft Bäume ab, um Platz für Ackerbau und Viehzucht zu schaffen. Dies führte zu einem Rückgang der Tropenwaldfläche von 75 Prozent auf nur noch 25 Prozent. Mit den Bäumen verschwand auch die reiche Flora und Fauna.

In den 1980er-Jahren änderte die Regierung ihren Kurs und leitete landesweite Rekultivierungsmaßnahmen ein. Das Land legte ein innovatives Programm auf, das Zahlungen für die Bereitstellung von umweltbezogenen Dienstleistungen (Payments of Environmental Services, PES) vorsah. Dadurch wurden Anreize für Landwirte geschaffen, Wasserquellen zu schützen, die biologische Vielfalt zu erhalten und CO2-Emissionen zu reduzieren.

Im Rahmen des Programms wurden in den letzten zwanzig Jahren insgesamt 500 Millionen US-Dollar an Grundbesitzer ausgeschüttet, wodurch mehr als 1 Million Hektar Wald – ein Fünftel der Gesamtfläche des Landes – gerettet und mehr als 7 Millionen Bäume gepflanzt wurden. Außerdem löste es einen Boom im Ökotourismus aus, der einen Beitrag von 4 Milliarden US-Dollar zur Wirtschaftsleistung leistete.

 

* Restor dient als offizielles Tracking- und Monitoringinstrument für Ziel 2 des Globalen Biodiversitätsrahmens (Global Biodiversity Framework, GBF) und soll bald auch für Ziel 3 genutzt werden. https://www.fao.org/national-forest-monitoring/news/detail/en/c/1679735/ 

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