Manuel Peiffer, Relationshipmanager bei GVS Financial Solutions

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Biotech-Aktien

Die Bewertungen von Biotech-Aktien sind sehr ambitioniert

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Somit stellt sich Investoren die Frage, ob sich das rasante Wachstum auch zukünftig fortsetzt. Die demographische Entwicklung spielt den Biotech-Unternehmen natürlich in die Karten. Besonders bei Krankheiten wie Krebs, Alzheimer und Arthritis, welche im fortgeschrittenen Alter auftreten, steigt die Nachfrage nach Behandlungsmöglichkeiten rasant. Seit 1990 hat sich die weltweite Lebenserwartung um 6 Jahre auf 71,5 Jahre erhöht. Zudem wächst weltweit der Anteil der Mittelschicht, die sich den Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung leisten kann. Dieser Trend wird sich fortsetzen, sodass diese Branche über ein riesiges Potential verfügt. Außerdem haben die medizinischen Fortschritte und die  steigenden Margen die Aktienkurse befeuert. Viele Biotechfirmen erzielen mittlerweile Nettomargen von über 20 Prozent. Beflügelt wurden die Bewertungen in der Vergangenheit zudem von einer Welle von Produktzulassungen. Im Jahr 2014 erlangten insgesamt 41 neue Medikamente die Marktreife, dies ist die höchste Zahl seit 1996. Der Branchendienst IMS Health geht davon aus, dass bis 2018 jährlich 30 bis 40 neue Produkte in den USA und in Europa zugelassen werden. Große Pharmafirmen sind auch auf die Biotech-Unternehmen aufmerksam geworden und haben durch Übernahmen ebenfalls die Kurse weiter angefeuert.
Diese Fakten lassen darauf schließen, dass die Kursrally im Biotech-Sektor anhält. Doch Anleger sollten ein Investment vorher kritisch hinterfragen. Die Bewertungen von Biotech-Aktien sind sehr ambitioniert. Gegenwind könnte darüber hinaus aus der Politik kommen. Die neuen Medikamente verursachen einen hohen Kostendruck auf die angeschlagenen Sozialkassen. Daher ist es durchaus vorstellbar, dass Maßnahmen ergriffen werden, um die Gesundheitssysteme zu entlasten. In Amerika sind bereits erste Rabattschlachten zu beobachten. Für Privatanleger ist es oftmals schwierig die Risiken von Biotech Unternehmen richtig einzuschätzen. Wer auf ein kleines Unternehmen setzt, dessen neues Medikament nach kostenintensiver Forschung doch nicht zugelassen wird, muss sich auf herbe Verluste einstellen. Daher kann die Anlage über einen aktiv gemanagten Biotech-Fonds oder einen ETF welcher den Index abbildet für Privatanleger sinnvoll sein. Als Depotbeimischung für chancenorientierte Anleger machen Biotech-Aktien unserer Meinung nach sicherlich Sinn. Eine gewisse Vorsicht sollte der Investor aber auf jeden Fall walten lassen, denn die Börse ist keine Einbahnstraße.

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