Harald Schwarz

Harald Schwarz

Biotech-Experte kritisiert Fed-Chefin

„Echte Innovationsbremse“

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Wie sieht denn die Biotech-Realität aus? Tatsache ist: Wir sehen heute eine historisch beispiellose Flut neuer, auf den Markt drängender Produkte mit therapeutischen Quantensprüngen durch echte Innovation.. Kein Wunder, dass Biotech die letzten Jahre boomte und weiterhin boomen wird. Wir sprechen hier von lebensrettenden / unverzichtbaren Medikamenten.  Und was sagen die Fachleute, wie Analysten von BernsteinResearch? Getragen wurde der Boom von nur 6 Biotech-Large-Caps: Amgen, BiogenIdec, Celgene, Gilead, Regeneron und Alexion. Sie machen 80 Prozent der Sektor-Performance von 80 Prozent seit 2012 aus und knapp 75 Prozent der Biotech-Marktkapitalisierung. Im Klartext: Die Sektorbewertung konzentriert sich auf wenige Unternehmen. Auch Riesen wie Gilead haben als Small Caps angefangen

Keine Frage: Die Kurs- und Wertsteigerungen dieser Large Caps haben eine solide Basis, das heißt Therapiedurchbrüche zum Beispiel bei Hepatits C durch Gileads Sovaldi, Tecfidera von BiogenIdec, das die Behandlung der multiplen Sklerose wesentlich erträglicher macht.  Für Big-Biotech wird ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von 18 Prozent (Cowen Equity Research, 7.7.14) prognostiziert. Was aber oft vergessen ist: Diese Riesen haben als Small Caps angefangen.

Zurück zur Aussage von Frau Yellen: Sind Small Caps wirklich in Bausch und Bogen hoch bewertet? Diese Aussage kann man so nicht gelten lassen? Hier unsere  Gründe: Das Small-Cap-Segment besteht aus ca. 550 extrem diversifizierten Unternehmen.  In den Small Caps schlummert die nachwachsende Generation medizinisch-therapeutischer Durchbrüche. Der Innovationspool ist riesig, denn der Small-Cap-Sektor macht ca. 80 Prozent der börsennotierten Biotech-Unternehmen aus. Das Upside-Potenzial echter Small-Cap-Perlen ist enorm. Und genau dieses Segment, von dem Frau Yellen spricht,  wird von Analysten kaum gecovert, daher basiert ihre Aussage wohl eher nicht auf Analystenmeinungen.

Und last but not least: Biotech lebt von nachwachsenden Innovationen. Bester Beweis ist das Mid-Cap-Segment. Viele Mid Caps waren vor drei Jahren noch Small Caps,  zum Beispiel Pharmacyclics, Medivation, Incyte, Seattle Genetics, Intermune, Isis oder NPS. Erfolgreiche Markteinführungen katapultierten diese Unternehmen ins Mid-Cap-Segment.  Mid-Cap-Biotech wiederum steht im Mittelpunkt der Analysten-Coverage und der Presse angesichts sensationeller Entwicklungserfolge und Kurssteigerungen. Aktuell ist es Puma Biosciences mit einem Kurssprung von fast 300 Prozent auf 7 Milliarden US-Dollar Markkapitalisierung. Der Grund: eine erfolgreiche Phase III-Studie mit Neratinib bei HER2-positivem Brustkrebs. 2012 war die Firma noch ein Small Cap mit einem Marktwert unter 500 Millionen US-Dollar.

Erfolgreiches Investieren im Small-Cap-Segment ist nicht nur möglich, in der Hand eines kompetenten Managements  sogar sehr erfolgreich. Der Schlüssel für richtige Anlageentscheidungen sind Spezialwissen und Erfahrung. Hier Spreu vom Weizen zu trennen erfordert eine tiefere Fachkompetenz, die über die üblichen Kennzahlen/Anlagekriterien weit hinausgeht.

Wir bei Medical Strategy meinen, das innovationsträchtigste Segment im Biotech-Sektor, die Small Caps, undifferenziert abzuurteilen, schadet mehr als es nutzt – Investoren wie von Krankheit Betroffenen gleichermaßen. Aussagen wie die von Frau Yellen könnten sich im schlimmsten Fall als echte Innovationsbremse  auswirken.


Über den Autor: Harald Schwarz ist geschäftsführender Gesellschafter, Analyst und Portfoliomanager bei Medical Strategy, einer auf Biotech-Fonds spezialisierten Investmentgesellschaft.

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