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DNA-Sequenzierung bringt Forscher auf die Spur von seltenen Krankheiten: Die Umsätze im Biotech-Sektor dürften in der Breite weiterhin stabil bleiben. | © imago images / Westend61 Foto: imago images / Westend61

Biotech- und Pharmaaktien

Stimmungsaufheller für geplagte Anleger

Die Corona-Pandemie zieht ihre Kreise. Alle Augen sind auf potenzielle Impfstoffhersteller und Anbieter von Therapien gerichtet. Doch die Krise hat eine spezielle Auswirkung auf den Biotech-Sektor, die nur wenige sehen. Die Entwicklung von neuen Medikamenten verzögert sich.

Folgender Hintergrund spielt hier hinein: Die meisten Krankenhäuser und Arztpraxen konzentrieren sich derzeit auf Patienten mit COVID-19. Regionale Quarantänemaßnahmen, aber auch Ausgangssperren für ganze Völker schränken die Bewegungsfreiheit der Menschen rund um die Welt ein.

Patienten mit den unterschiedlichsten Erkrankungen wollen sich mit dem Corona-Virus und etwaigen Krankenhauskeimen nicht anstecken und überlegen sich zweimal, ob sie das Gesundheitssystem aktuell in Anspruch nehmen sollen. Dies wirkt sich, wie wir in unseren Gesprächen mit Biotech-Unternehmen feststellen, auf die ordnungsgemäße Durchführung beziehungsweise Fortführung klinischer Studien aus. Schon deshalb ist im Moment die klinische Entwicklung neuer Medikamente gestört. Erschwerend kommt hinzu: Viele Biotechnologie- und Pharmaunternehmen werfen ihre Ressourcen jetzt auf die Impfstoffentwicklung und Therapie von COVID-19. Die Biotech- und Pharmaindustrie hat blitzschnell umgeschaltet, um Lösungen zu finden, die im Erfolgsfall schlichtweg nichts anderes sind als: Lizenzen zum Gelddrucken.

Dennoch bleibt der Biotech-Sektor für Anleger eine sichere Bank. Mit teils riesigen Forschungsabteilungen entwickeln und vermarkten die Unternehmen Markenarzneimittel. Patienten wollen nicht mit ihrer Gesundheit spielen, sondern setzen alles daran, ihre Medikamente weiterhin einzunehmen. Wir erwarten daher, dass die Umsätze im Biotech-Sektor in der Breite weiterhin stabil bleiben.

Aktuell niedrige Bewertungen bieten Einstiegschancen

Doch im Einzelnen zeigt sich: Die Mehrheit von noch jungen Biotechnologieunternehmen hat noch kein Produkt auf den Markt gebracht. Zur Finanzierung ihrer Forschungs- und Entwicklungsausgaben sind sie aber auf die Kapitalmärkte angewiesen. Angesichts der im Zuge der Corona-Krise gesunkenen Bewertungen und der allgemeinen Liquiditätsklemme hat sich das Finanzierungsumfeld stark eingetrübt, nachdem es noch vor wenigen Wochen sehr gesund dastand. Die aktuelle Lage hat jedoch auch etwas Gutes: Sobald die Industrie mit Impfstoffen und Therapien für die Bekämpfung von COVID-19 auf den Markt kommt, wird in breitesten Kreisen die Notwendigkeit einer gesunden biopharmazeutischen Industrie anerkannt und das Risiko einer belastenden Gesetzgebung zur Arzneimittelpreisgestaltung verringert. Dieses Damoklesschwert einer staatlichen Preisregulierung hing in den vergangenen vier Jahren fortwährend über dem Sektor.

Weil die Bewertungen im Biotechnologie-Sektor eng mit den zu erwartenden Umsätzen zusammenhängen, dürfte eines klar sein: Kommt die Gefahr einer Reform der Arzneimittelpreise vom Tisch, steigen die langfristigen Umsatzschätzungen – was sich direkt in höheren Bewertungen spiegeln dürfte. Aufgrund des generellen Abverkaufs an den Märkten infolge der Corona-Pandemie sind jedoch auch die Kurse der Biotechnologie-Aktien zusammen mit allen anderen zurückgegangen. Ungeachtet der gesunkenen Aktienkurse bleiben die Aussichten für viele der Unternehmen allerdings unverändert gut. Deshalb halten wir die aktuellen Bewertungen für chancenreich.

Biotech-Branche steht vor weitreichenden Innovationen

Unsere längerfristigen Projektionen für den Biotech-Sektor sehen gut aus. Sobald die kurzfristigen Herausforderungen bewältigt sind, wird wieder das enorme Maß an Innovation, das sich in diesem Sektor abspielt, in den Blick rücken. Das weite, noch unerschlossene Feld der Gentherapie und gewaltiges Potenzial bei der Krebsbehandlung bieten Anlass für viel Fantasie. Wir hoffen darüber hinaus auf Fortschritte in anderen Bereichen, in denen es ebenfalls großen medizinischen Bedarf gibt: Etwa im Fall von Alzheimer sowie bei anderen neurologischen Erkrankungen wie Nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH), eine Erkrankung der Leber. Nicht zu vergessen sind auch die Forschungs- und Entwicklungsleistungen auf dem Gebiet der Behandlung seltener Krankheiten. In den vergangenen Jahren haben sich nicht zuletzt innovative und disruptive Ansätze etabliert, die eine schnellere Entdeckung und Entwicklung von Medikamenten ermöglichen – etwa Computerplattformen zur Beschleunigung der Arzneimittel- und Wirkstoffforschung.

Die Welt der Biotech- und Pharmaindustrie wird mit ihren Lösungen die Menschheit in den kommenden Jahren verblüffen. Auf kurze Sicht sind jedoch zunächst Impfstoffe und Therapien gegen COVID-19 gefragt – sobald sie auf den Markt kommen, werden die Angriffe aus der Politik gegen die Industrie nachlassen.

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