Hannah Ritzmann

Von der Modesünde zum It-Piece Birkenstock soll an die Börse – wie sich Aktien von Crocs, Dr. Martens und Co. schlagen

Eine modisch gekleidete Frau denkt über ihr nächstes Investment nach
Eine modisch gekleidete Frau denkt über ihr nächstes Investment nach: Wie sich die Aktien von Dr. Martens, Crocs & Co. geschlagen haben, zeigen wir dir hier.
© Hannah Ritzmann mit Canva

Schick aufs Börsenparkett? Nicht unbedingt – denn bald soll auch der Sandalenhersteller Birkenstock den Schritt wagen. Die Wirtschaftsnachrichtenagentur „Bloomberg“ berichtete im Juli, dass die Mehrheitseignerin von Birkenstock, die amerikanisch-französische Private-Equity-Gesellschaft L Catterton, die Firma noch im September 2023 an die Börse bringen möchte. Dabei könne eine Börsennotierung den Wert des deutschen Sandalenherstellers auf mehr als 8 Milliarden US-Dollar steigern, so Bloomberg unter Berufung auf Insider.

Börsengang – was bedeutet das?

Ein Börsengang, auch IPO (Initial Public Offering) genannt, ist der Prozess, durch den ein bisher privates Unternehmen erstmals Aktien an der Börse zum Handel anbietet. Wenn ein Unternehmen beschließt, an die Börse zu gehen, werden seine Aktien öffentlich zum Kauf angeboten, und jeder, der an der Börse handelt, hat die Möglichkeit, diese Aktien zu erwerben. 

Von der Quadratlatsche zur Kult-Sandale

Birkenstocks haben sich in den vergangenen Jahren vom Hausschuh zur High-Fashion-Marke gemausert. So produzierte der Schuhhersteller beispielsweise eine exklusive Linie für die Luxusmarke Valentino Garavani. Auch weitere Kooperationen mit Luxuslabels wie Dior oder Manolo Blahnik, veränderten das Image der Schlappen.

Zudem gewann das Unternehmen die US-amerikanische Schauspielerin Frances McDormand, die unter anderem aus den Filmen „Fargo“ und „ Burn after Reading“ bekannt ist, als Markenbotschafterin. Dafür ging McDormand bei der Oscarverleihung 2019 mit einem eigens angefertigten knallgelben Birkenstock-Paar auf die Bühne.

Aber nicht nur bei einer Oscarverleihung, auch im Film „Barbie“, sicherte sich die Kult-Sandale einen Auftritt: In der Szene wird die Hauptdarstellerin Margot Robbie alias Barbie dazu aufgefordert, sich gegen High Heels und für die pinken Birkenstocks zu entscheiden. Der Film landete einen Hit und spielte bereits mehr als 1 Milliarde Dollar ein – wobei sich der rosa Hype auch für Birkenstock gelohnt haben soll. Dabei verbuchte das Unternehmen ohnehin schon ein ordentliches Wachstum: Im vergangenen Jahr sei der Umsatz Medienberichten zufolge um 29 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Eine offizielle Bestätigung dieser Zahlen gibt es aber nicht.

 

Schlappen mit Geschichte 

Die Ursprünge von Birkenstock gehen bis 1774 zurück. Damals wurde erstmalig der Schuhmachermeister Johann Adam Birkenstock in dem hessischen Ort Langen-Bergheim erwähnt. Zählte Birkenstock lange als Familienunternehmen, änderte sich das 2021: Im Februar erfolgte der Verkauf der Mehrheit der Kapitalanteile von Birkenstock aus Familienhand an die amerikanisch-französische Beteiligungsgesellschaft L Catterton, hinter der unter anderen der französische Luxusgüterkonzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton (LVMH) und dessen Hauptaktionär Bernard Arnault steht.

Arnault ist in der Modebranche keineswegs ein unbekannter Name. Laut Forbes liegt Arnault auf Platz drei der reichsten Menschen der Welt. Zu seinem Luxus-Konzern LVMH zählen unter anderem weltbekannte Marken wie Louis Vuitton, Moët & Chandon, Dior und Bulgari.

Doch wie passen die orthopädischen Schlappen in dieses Konzept?

Was nicht passt, wird passend gemacht

Dass Birkenstocks längst den Imagewandel vom Hausschuh zum Fashion-Statement geschafft haben, ist klar – ein Wandel, den das Unternehmen sich aber auch bezahlen lässt. Wie das Wirtschaftsmagazin „Wirtschaftswoche“ kürzlich berichtete, können viele Schuhhändler inzwischen keine neuen Birkenstock-Schuhe mehr bestellen. Und falls man doch das Wunschmodell findet, müssen Schuh-Liebhaber mit höheren Preisen rechnen.

Die Preise mancher Modelle sollen sich von 80 auf 115 oder von 90 auf 130 Euro erhöht haben. Ausgefallenere Designs werden dann noch teurer. Beispielsweise bietet Dior die „Dior by Birkenstock“-Kollektion an. Für die Kalbsnubukleder-Schlappen mit Korksohle müssen Fashion-Fans über 900 Euro bereithalten.

 

Aktien in Schuhen – eine gute Idee?

Ob Birkenstock-Aktien bald tatsächlich an der Börse zu haben sind, steht noch nicht fest. Tatsache ist aber: nicht nur Birkenstock schaffte es von der Hausschlappe zum hippen Teil. Wer sich in der Modebranche, nach dem richtigen Investment umschaut, muss einiges beachten. Denn die Konkurrenz ist groß und was heute gefragt ist, kann bald schon wieder out sein.

Eine Marke, die sich unter den gemütlichen Tretern ebenfalls einen Namen machte: Crocs. Der US-amerikanische Schuhhersteller für Clogs aus Kunststoff bietet etwas günstigere Modelle als Birkenstock –  dennoch schwanken auch hier die Preise zwischen 50 Euro und 80 Euro. Zudem wagte auch Crocs bereits Kooperation mit Luxusmarken. Beispielweise mit Michael Cromer München, kurz: MCM – die daraus resultierten „MCM-Mit-Gürteltasche-Armband-Clogs“ sind für in etwa 360 Euro zu haben.

In Sachen Börsengang hat Crocs den Schlappen mit der Korksohle allerdings bereits etwas voraus: Die Aktie ist seit 2006 für Anleger zu haben. Das Wertpapier ist von 18,04 Euro im Jahr 2019 auf heute 89,01 Euro gestiegen. Obwohl es zu Spitzenzeiten auch mal 157,75 Euro eingebracht hätte. 

Aktienkurs Crocs
Aktienkurs Crocs. © Wikifolio
 

Ebenfalls vom Orthopädischen- zum Kult-Schuh gesteigert haben sich Dr. Martens – früher eher in der Punk-Szene vertreten, sind die rustikalen Stiefel heutzutage ein Must-have im Herbst. Dennoch mussten Anleger Verluste seit der Börsennotierung hinnehmen: Die Aktie fiel von 2,97 Euro im Oktober 2022 auf derzeit 1,82 Euro.

Aktienkurs Dr. Martens
Aktienkurs Dr. Martens. © Wikifolio

Auch bequem und modisch diskutiert: Die für ihre Flauschigkeit bekannten Stiefel Uggs. Die Marke gehört zu dem US-amerikanischen Unternehmen Deckers Outdoor Corporation. Das Unternehmen wurde 1973 gegründet und ist ebenfalls börsennotiert. Konnten Anleger die Aktie 2019 noch für 100,09 Euro erwerben, ist sie mittlerweile ganze 500,70 Euro wert. 

Aktienkurs Deckers Outdoor Cooperations
Aktienkurs Deckers Outdoor Corporation. © Wikifolio
 

Mit ETFs in Mode, Konsum und Luxus investieren

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Wie die Beispiele zeigen, gibt es sowohl Gewinner als auch Verlierer in der Modebranche – die Gründe sind vielfältig und manchmal von Stars oder geschickten Marketing-Aktionen abhängig. Wem es dabei zu heikel ist, auf Einzeltitel zu setzen, findet bei unseren wöchentlichen ETF-Porträts zwei Alternativen.

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