Bis 500 Milliarden Euro

EZB prüft Kauf von Anleihen guter Schuldner

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Am 7. Januar wurden den EZB-Ratsmitgliedern in Frankfurt laut einer Person, die anwesend war, mehrere Optionen für eine quantitative Lockerung vorgelegt. Unter anderem ist angedacht, nur Anleihen mit der erstklassigen Bonitätsnote “AAA” zu erwerben oder Papiere mit einem Rating von mindestens “BBB-”, also der niedrigsten Stufe in der Investmentgrade-Kategorie.

Die Ratsmitglieder haben nach der Präsentation keine Entscheidung zu den Plänen oder ihrer Umsetzung getroffen, wie der Vertreter einer Zentralbank aus dem Euroraum sowie eine zweite bei der Sitzung anwesende Personen berichteten. Ein EZB-Sprecher wollte sich nicht zur Vorgehensweise der Notenbank äußern.

Mit einem Kaufprogramm im Volumen von 500 Milliarden Euro hätte die EZB ihr Ziel der Bilanzerweiterung auf 3 Billionen Euro, um eine Deflationsspirale im Euroraum zu vermeiden, zur Hälfte erreicht. Die Notenbank kauft außerdem gedeckte Anleihen und forderungsbesicherte Papiere. Käufe von Staatsanleihen sind Teil von neuen Konjunkturfördermaßnahmen, die bei der Sitzung des Zentralbankrates am 22. Januar bekanntgegeben werden könnten.

Im Dezember sind die Verbraucherpreise im Euroraum erstmals seit über fünf Jahren gefallen. EZB-Präsident Mario Draghi hat bereits signalisiert, dass die deflationären Risiken eine Reaktion der Zentralbank erforderlich machen könnten.

Die EZB will ihre Bilanzsumme von derzeit 2,2 Billionen Euro auf 3 Billionen Euro ausweiten. Anfang des Jahres müssen die Banken mehr als 200 Milliarden Euro an Krediten zurückzahlen.

Die Präsentation habe sich auf Käufe von Staatsanleihen konzentriert, berichten die beiden anwesenden Personen. Es seien auch Volumina unter 500 Milliarden Euro erwogen worden, ebenso wie monatliche Zielwerte, sagte eine der anwesenden Personen.

Die Ratsmitglieder wurden demnach aufgefordert, ihre Meinung zu den Optionen nicht zu äußern. Eine Minderheit von EZB-Vertretern, darunter auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, haben sich in der Vergangenheit gegen Käufe von Staatsanleihen ausgesprochen, weil dies ihrer Auffassung nach unvertretbare Risiken beinhaltet und die Reformanreize für Regierungen untergräbt.

Bei der Präsentation wurden Ausnahmen für Staatsanleihen mit Ratings unterhalb der Kategorie Investmentgrade, wie beispielsweise griechische Bonds, nicht angesprochen, aber die Behandlung solcher Anleihen bei früheren Programmen wurde erwähnt, berichtet eine anwesende Person. Aktuell gelten für griechische und zypriotische Anleihen Ausnahmeregeln bei den Refinanzierungsoperationen der EZB, solange die Länder an einem Programm teilnehmen, dass sicherstellt, dass sie mit ihren Reformbemühungen auf Kurs bleiben.

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