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„Bis sich die Schuldenkrise entspannt hat, ist Zurückhaltung bei Aktien angesagt“

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Konjunkturerwartungen bedrücken

Die Konjunkturerwartungen werden zunehmend eine Belastung für den Aktienmarkt: Berechtigte Rezessionssorgen bestehen in Euroland und in den USA. Die Schwellenländer unterstützen nach wie vor – sind aber zu klein, um die deutlichere Abkühlung in den Industriestaaten ausgleichen zu können.

Die frühesten Informationen über den Konjunkturzyklus liefern die Einkaufsmanagerindizes, die mit den Auftragseingängen in der Industrie hoch korreliert sind. Sie bieten den großen Vorteil, dass sie den Märkten sechs bis acht Wochen früher als die Auftragseingänge zur Verfügung stehen. In allen Regionen sind die Einkaufsmanagerindizes rückläufig, in der Eurozone signalisieren sie mittlerweile leichtes Schrumpfen in der Industrie, in der USA Stagnation, in den Schwellenländern eine deutliche Abnahme des zuvor hohen Wachstums.

Für die Kapitalmärkte ist der Ausblick auf die künftige Entwicklung der Frühindikatoren entscheidend. In den Industriestaaten spricht vieles für weitere Rückgänge. Die aktuellen Wachstumsschätzungen dürften weiter nach unten revidiert werden. In Europa droht die anhaltende Schuldenkrise zunehmend die Verbraucher und Unternehmen zu verunsichern, da die Lösung der Probleme sowie deren künftige Kosten unklar sind. Eine Investitions- und Konsumzurückhaltung als Folge der anhaltend negativen Schlagzeilen könnte sehr wohl eine erneute Rezession hervorrufen.

USA: Die Unsicherheit ist groß

Ähnlich in den USA: Der Streit zwischen Republikanern und Demokraten über die Fiskalpolitik wird sich in den nächsten zwei Monaten fortsetzen. Eine  überparteiliche Kommission soll bis Ende November Vorschläge unterbreiten. Da die Positionen weit auseinander liegen, ist die Unsicherheit der Konsumenten und Unternehmen über künftige Steuern und Ausgaben hoch. Dies wird die Bereitschaft der Unternehmen, neues Personal einzustellen, nicht erhöhen. Entsprechend dürfte auch der bedeutsame US-Arbeitsmarkt nicht die dringend benötigten Impulse für den Konsum, dem wichtigsten Pfeiler der US-Wirtschaft, liefern.

Die Situation in den Schwellenländern ist besser, aber auch dort schwächt sich das Wachstum ab, in Ländern wie Brasilien sogar sehr deutlich. Die Abkühlung entspricht bislang der angestrebten Moderation des vorangegangenen hohen Wachstums. Ein drehender Zinszyklus würde die Hoffnung auf eine weiche Landung erhöhen.

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