Bitcoin hat in den vergangenen 30 Tagen um rund 24 Prozent an Wert verloren und ist klar unter die Marke von 75.000 US-Dollar gefallen. Damit befindet sich der Krypto-Markt eindeutig in einem Bärenszenario. Doch der aktuelle Rückgang betrifft nicht nur Bitcoin, sondern hat Kryptowährungen allgemein erfasst.

Auf und ab und...? Der Bitcoin-Kurs in US-Dollar seit Anfang 2025 gleicht einer Achterbahnfahrt. | Bildquelle: Tradingview

Die globale Krypto-Marktkapitalisierung hat seit letzter Woche über 200 Milliarden US-Dollar verloren. Altcoins haben im Wochenvergleich rund 15 Prozent nachgegeben und liegen damit über 50 Prozent unter ihren Allzeithochs. Mehrere Faktoren begründen das:

1. Liquidationen lässt Krypto-Kurse abstürzen

Der Markt verfügt zuletzt über ungewöhnlich geringe Spot-Liquidität – also wenig tatsächliches Kauf- und Verkaufsvolumen, das sofort verfügbar ist. In einem solchen Umfeld kann schon vergleichsweise geringer Verkaufsdruck den Preis deutlich bewegen. Genau in dieser Phase setzt eine Welle des Fremdkapitalabbaus ein: Viele gehebelte Positionen mussten gleichzeitig aufgelöst werden, was automatische Verkäufe auslöste und den Abwärtsdruck weiter verstärkte.

2. Hohe ETF-Abflüsse

Bitcoin-ETFs verzeichneten drei Wochen in Folge Netto-Abflüsse. Allein am letzten Donnerstag wurden 866 Millionen Dollar abgezogen – der zweithöchste Tageswert seit Auflage der ETFs in den USA.

3. Der US-Shutdown erzeugt ein „Kapitalloch“ 

Die Entwicklungen in den USA wirken sich deutlich auf die Weltwirtschaft und damit auch auf die Krypto-Branche aus. So entzogen der längere Shutdown der US-Regierung und das Ausbleiben staatlicher Ausgaben dem Markt schätzungsweise 150 Milliarden Dollar an Liquidität. Da Kryptowährungen sensibel auf Liquiditätsflüsse reagieren, wirkte sich der Abfluss deutlich aus.

4. Depression im Tech-Sektor

Die aktuell geführte und wachsende Debatte über eine mögliche Überbewertung von KI-Unternehmen hat zu Kapitalabflüssen aus dem gesamten Tech-Komplex geführt. Bitcoin ist in den letzten Wochen mit Tech-Aktien auf eine Korrelation von über 80 Prozent gestiegen – entsprechend tief wurde davon auch Kryptowährungen getroffen.

5. Neue Zweifel an Zinssenkung der Fed im Dezember

Jüngste Kommentare der Fed deuten ein Aufschieben der nächsten Zinssenkungen im Dezember an, weil die Inflation noch nicht ausreichend unter Kontrolle ist. Das führt zu einem spürbar niedrigerem Risikoappetit, denn teurere Liquidität macht sichere Anlagen attraktiver und trifft spekulative Sektoren wie Krypto besonders hart.

Trotz der scharfen Korrektur gibt es mehrere Entwicklungen, die auf eine gewisse Bodenbildung hindeuten. Der Verkaufsdruck, der maßgeblich für die jüngsten Bewegungen verantwortlich war, scheint inzwischen nachzulassen. Vieles deutet darauf hin, dass ein Teil des Angebots nun in die Hände langfristig orientierter Investoren wandert.

Auch die makroökonomische Liquiditätssituation dürfte sich mittelfristig wieder entspannen. Mit dem Ende des Shutdown der US-Regierung kann staatliche Ausgabentätigkeit wieder anlaufen. Zudem sprechen mehrere Signale dafür, dass die Fed dem Markt keine weitere Liquidität entzieht und damit das „Quantitative Tightening“ seinem Ende entgegengeht. Auch Bitcoin kann davon profitieren, dass die globale Geldmenge wächst. 

Wie sich der regulatorische Rahmen von Bitcoin entwickelt, wird die Kursentwicklung beeinflussen. Weltweit warten mehr als 100 Krypto-ETF-Anträge auf Entscheidung, und in den USA könnte der Clarity Act ab 2026 für lang ersehnte Rechtssicherheit sorgen. Für einen Sektor, der stark von institutioneller Beteiligung lebt, wäre dies ein struktureller Rückenwind.

Der „Debasement Trade“ ist ein makroökonomischer Einfluss auf die Kryptokurse:  Staatsverschuldung und Handelskonflikte verursachen in diesem Jahr enorme Kapitalabflüsse in Leitwährungen wie dem US-Dollar hin zu Substanzwerten. Gold verzeichnet historische Zuflüsse. Bitcoin nimmt zunehmend die Rolle von Gold im digitalen Raum ein.

Droht ein zweiter Krypto-Winter?

Obwohl es keinen fundamentalen Krisenmoment gibt, ist die Stimmung im Markt auf ein Niveau abgesackt, wie wir es zuletzt im Krypto-Winter des Jahres 2022 gesehen haben. Gleichzeitig ist die strukturelle Basis heute eine völlig andere: Der Markt ist heute institutionell verankert – Regierungen, Unternehmen und ETFs halten zusammen etwa 16 Prozent der verfügbaren Bitcoin-Menge. Damit befindet sich der Bitcoin in einer völlig anderen Situation als während des Krypto-Winters. Das allein wird für Stabilität sorgen, selbst wenn aktuell Nervosität die Stimmung am Krypto-Markt beherrscht.

Zur Person

Darius Moukhtarzade
Darius Moukhtarzadeh

ist Research Strategist und neben Adrian Fritz Mitglied im Research-Team des Krypto-ETP-Emittenten 21 Shares.