Kein Freund von Kryptowährungen Foto: Johannes Arlt

Wachtendorf-Kolumne

Bitcoin-Hype: Im Zweifel für die Zwiebel

Es ist immer gut, das Ohr am Markt zu haben. So wie Stefan Breintner. Der Portfoliomanager der Münchner Investmentboutique DJE Kapital fragt seit einiger Zeit ganz gezielt junge Leute, wie sie geschenkte 10.000 Euro anlegen würden. Die häufigste Antwort sei „in Bitcoin“, gab Breintner jüngst auf einer gemeinsamen Online-Konferenz mit Kollegen von Acatis und Shareholder Value Management zum Besten. Für ihn ein klares Indiz, dass der Höhenflug der seit 2011 von 80 Cent auf zeitweise mehr als 57.000 US-Dollar gestiegenen Kryptowährung noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht hat. Breintners virtueller Sparringspartner Hendrik Leber nickte nur zustimmend. Der Acatis-Gründer gilt seit langem als Bitcoin-Fan und reizt die gesetzlich erlaubte Höchstgrenze für ein entsprechendes Beteiligungspapier in seinem Vorzeigefonds Acatis Datini Valueflex derzeit voll aus.

Das kann man so machen, und in puncto Performance haben die Anteilseigner des Datini Valueflex derzeit wahrlich keinen Grund zur Klage. Man kann aber nach nüchterner Abwägung aller Fakten auch zum Fazit von DJE-Chef Jens Ehrhardt gelangen, der Bitcoin sei „ein Kettenbrief-System ohne jeden volkswirtschaftlichen Nutzen“ und „die größte spekulative Blase aller Zeiten“. Nicht von ungefähr geistert seit Jahren der Vergleich zur niederländischen Tulpen-Manie des 17. Jahrhunderts durch die Medien. Dass damals keineswegs Millionen Menschen dem kollektiven Spekulationswahn verfielen, wie manche Berichte suggerieren, sei einmal dahingestellt – neuere Forschungen ziehen diese Sichtweise massiv in Zweifel. Ob das allerdings für den Bitcoin spricht oder ganz im Gegenteil den Hype noch ein Stück weit bizarrer macht, muss am Ende jeder für sich selbst beurteilen.

An zwei Tatsachen jedenfalls kommen auch die überzeugtesten Krypto-Jünger nicht vorbei. Erstens: Vom ursprünglichen Ziel, ein nicht von Notenbanken beeinflussbares Zahlungsmittel zu etablieren, ist die digitale Währung derzeit weiter entfernt als Mars-Sonde „Perseverance“ von der Erde. Wer heute Bitcoins kauft, will sie später einem anderen zu einem deutlich höheren Preis weiterverkaufen. Punkt. So etwas nennt man nicht Geld, sondern schlicht Spekulationsobjekt.

Und zweitens: Der Bitcoin ist eine Riesen-Umweltsau. Um das System am Laufen zu halten, verbrauchen die vorwiegend in China ansässigen Server-Farmen pro Jahr inzwischen fast so viel Energie wie die Schweiz und Österreich zusammen. Energie, die – zumindest bislang noch – zu einem großen Teil aus Kohle-Kraftwerken stammt. Im Iran, wo sich das Bitcoin-Schürfen in den vergangenen Jahren offenbar zu einer Art Volkssport entwickelt hat, kommt es seit Monaten immer wieder zu rätselhaften Stromausfällen. Gleichzeitig sinkt die Luftqualität in den Großstädten. Wer glaubt, dass das eine so rein gar nichts mit dem anderen zu tun hat, muss ideologisch schon ziemlich verpeilt sein.

Aspekte, die durchaus auch Fondsmanager etwas stärker im Blick haben sollten. Schließlich wird die Investmentbranche nicht müde zu betonen, welch großen Stellenwert sie mittlerweile den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit einräumt. Ein Bitcoin-Tracker im Portfolio scheint damit – Stichwort ESG-Offenlegungsverordnung – nur schwer vereinbar. Streng genommen überhaupt nicht.

Noch dringender an ihrem Koordinatensystem arbeiten müssten allerdings all jene Angehörige der Generation Z, die sich als Teil der „Fridays-for-future“-Bewegung sehen und gleichzeitig nichts dabei finden, wild mit Bitcoins herumzuzocken. Tulpenzwiebeln wären zwar kaum besser. Aber da stimmt wenigstens die Klima-Bilanz.

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