Symbolisch geprägte Bitcoin-Münzen Foto: imago images / AFLO

DZ-Bank-Analyst findet

Bitcoin-Investments gleichen Roulette

Kryptowährungen sind eine Anlageklasse, über die die Meinungen weiterhin auseinandergehen. Die eine Seite sieht in digitalen Währungen wie Bitcoin, Ether oder Ripple eine interessante Alternative zu traditionellen Assetklassen, die andere hat vor allem die Risiken im Blick. Eine skeptische Analyse kam jetzt von DZ-Bank-Analyst Sören Hettler.

In einem Research-Papier nahm der Analyst der DZ Bank den jüngsten Kurs-Höhenflug von Bitcoin unter die Lupe. Nach einem steilen Anstieg bereits im vergangenen Jahr durchbrach der Bitcoin-Kurs Anfang Januar die zuvor nie erreichte Marke von 40.000 US-Dollar pro Einheit. Hettler unternahm seine Analyse, noch kurz bevor Bitcoin von dieser Spitze gerade wieder ins Trudeln geriet. Seine Empfehlungen lassen sich unabhängig von den Kursbewegungen lesen.

„Bitcoin ist das wert, was andere bereit sind, dafür zu bezahlen“, erinnert der Analyst. Einen „angemessenen Preis“ zu benennen, halte er für nicht möglich: Schließlich verfüge die Digitalwährung nicht über einen intrinsischen Wert. „Auch sind keine nachvollziehbaren, fundierten Theorien bekannt, wie es sie für traditionelle Währungen beispielsweise in Form der Kaufkraftparität gibt“, so Hettler.

Die Schwankungsbreite von Bitcoin, bemerkt der Analyst nicht ohne Ironie, könne daher zwischen „Null und sehr viel mehr“ liegen. Wer eine genauere Prognose für die Kursentwicklung wage, urteile allein nach Bauchgefühl.

Häufig werde Bitcoin mit Gold verglichen, das Edelmetall gilt vielen Anlegern als krisensicherer Inflationsschutz. Der Vergleich hinke allerdings, findet Hettler. Denn das Edelmetall habe seinen Status über viele Jahrhunderte hinweg etablieren können – ganz im Gegensatz zur Kryptowährung Bitcoin, die gerade einmal elf Jahre alt ist.

Hettler hält Bitcoin auch zukünftig für stark schwankungsanfällig. „Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Markttiefe und -breite bei Kryptowährungen weiterhin zu wünschen übriglassen.“ Größere Kauf- oder Verkaufsorders könnten das Preisniveau erheblich beeinflussen. Zudem konzentriere sich ein Großteil des Bitcoin-Volumens offenbar in nur wenigen Händen: 95 Prozent der Kryptowährung sollten auf 2 Prozent der Blockchain-Konten liegen, gibt Hettler zu bedenken. Sogenannte „Bitcoin-Wale“, Inhaber besonders großvolumiger Walletts, könnten den Kurs maßgeblich in die Höhe oder die Tiefe treiben.

Ob Anleger angesichts der jüngsten Euphorie nun in Bitcoin investieren sollten? Der DZ-Bank-Analyst äußert Zweifel: Interessierte Anleger sollten sich am besten selbst ein Bild machen, „um dann zumindest ihrem eigenen Bauchgefühl folgen zu können – vergleichbar mit dem Einsatz beim Roulette“, rät Hettler. Wer sich von der Kryptowährung angesprochen fühle, solle zumindest nur so viel Geld investieren, wie er auch bereit wäre, als Totalverlust zu verkraften. „Andernfalls kann jederzeit ein böses Erwachen drohen.“

In den Rang einer seriösen Anlageklasse hat es Bitcoin bei der DZ Bank bislang offenbar nicht geschafft.

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