Während sich die Spannungen zwischen Israel, Iran und den USA zuspitzen, hält sich der Bitcoin-Kurs bemerkenswert stabil – seit Tagen notiert er über der Marke von 100.000 US-Dollar. In einem Umfeld, in dem viele Vermögenswerte auf geopolitische Krisen empfindlich reagieren, erweist sich Bitcoin als überraschend robust. Immer mehr Anleger – auch jenseits der Krypto-Szene – sehen in ihm eine Art digitalen Wertspeicher für unsichere Zeiten.

Als sich die Eskalation zwischen Teheran und Tel Aviv Mitte Juni zuspitzte, näherte sich der Bitcoin sogar seinem Allzeithoch. Andere risikobehaftete Anlagen gerieten spürbar unter Druck – doch die Volatilität von Bitcoin blieb im historischen Rahmen. Kurzzeitig stieg sie auf 35 Prozent, ein Wert, der im Vergleich zu früheren Marktverwerfungen als moderat gilt.

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Reaktion auf Krisen verändert sich

Bitcoin galt lange als „High-Beta“-Asset – also als eine Wertanlage, die sich besonders anfällig für Kursverluste in Phasen geopolitischer Unsicherheit zeigt. So verlor das Kryptoasset etwa im März 2014, unmittelbar nach Russlands Annexion der Krim, rund 13 Prozent an einem einzigen Tag. Auch im Zuge des Bürgerkriegs in Myanmar 2021 fiel der Kurs innerhalb von drei Monaten um fast 30 Prozent.

Eine auffällige Ausnahme: die Eskalation des Israel-Palästina-Konflikts im Oktober 2023. In den 90 Tagen nach Kriegsbeginn stieg der Bitcoin-Kurs um mehr als 55 Prozent – ein für Krisenzeiten ungewöhnlicher Anstieg. Doch dieser Höhenflug war weniger dem Konflikt geschuldet, als vielmehr der Erwartung auf die Einführung börsengehandelter Bitcoin-Spot-ETFs in den USA zu Beginn des Jahres 2024.

Im Durchschnitt zeigen die Daten: Gerade in den ersten Tagen nach geopolitischen Schocks ist Bitcoin anfällig für starke Rücksetzer – vor allem dann, wenn die Marktstimmung bereits angeschlagen ist oder sich die politische Lage weiter zuspitzt. Umso bemerkenswerter ist, dass der Bitcoin beim jüngsten Schlagabtausch zwischen Israel und Iran nur kurzzeitig nachgab, dann aber rasch wieder über die Marke von 100.000 US-Dollar kletterte – ohne massiven Abverkauf, ohne Panik. Ein mögliches Zeichen für zunehmende Marktreife.

Fundamentale Stärke: Die nicht angerührten Bitcoin

Was sich im Kursverlauf andeutet, wird durch sogenannte On-Chain-Daten bestätigt. Diese zeigen, dass derzeit rund 70 Prozent des umlaufenden Bitcoin-Bestands – über 14,5 Millionen BTC – seit mindestens sechs Monaten nicht bewegt wurden. Ein Rekordwert. Diese langfristigen Anleger (Long-Term-Holder) tragen erheblich zur Marktstabilisierung bei: Sie reduzieren das verfügbare Angebot, glätten Preisschwankungen und sorgen dafür, dass selbst in Krisenzeiten keine Panikverkäufe den Markt erschüttern.

Die ruhige Kursentwicklung nach dem iranischen Raketenangriff auf Israel lässt sich also nicht allein durch äußere Faktoren erklären. Vielmehr scheint eine innere Festigung des Netzwerks stattzufinden – getragen von langfristigem Vertrauen in Bitcoins Wertversprechen.

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Geopolitik und Geldpolitik stärken die Bitcoin-Story

Natürlich bleibt Bitcoin auch in Zukunft nicht immun gegen makroökonomische Risiken. Sollte sich der Nahost-Konflikt weiter verschärfen, könnten auch Krypto-Assets in einen Abwärtsstrudel geraten. Dennoch bleibt die grundlegende Argumentation bestehen: Historisch gesehen führen Kriege häufig zu höheren Staatsausgaben, lockerer Geldpolitik und Lieferengpässen – allesamt Faktoren, die inflationstreibend wirken.

In solch einem Umfeld gewinnt ein digitales Asset mit festem Angebotslimit und Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen an Attraktivität. Bitcoin ist längst mehr als ein spekulatives Anlagevehikel – in Zeiten wachsender Unsicherheit rückt sein Charakter als nicht-staatliches Wertspeicher-Instrument zunehmend in den Fokus.


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Über den Autor

Adrian Fritz verantwortet als Head of Research die Forschungsabteilung von 21.co. Das Unternehmen ist die Muttergesellschaft von 21 Shares, einem Emittenten von Krypto-ETPs.