Die Rekordjagd ist erst einmal vorbei. Bitcoin, der einst gefeierte König der Kryptowährungen, ringt mit sich selbst – und mit einer psychologisch bedeutsamen Marke. Während die Märkte teils noch über die Euphorie der vergangenen Monate sprechen, hat sich die Stimmung an den digitalen Handelsplätzen merklich abgekühlt. Die Frage ist längst nicht mehr, wann Bitcoin die nächste Bestmarke knackt. Sondern: Wie tief kann es noch gehen?
Nervosität macht sich breit
Am Freitag fiel Bitcoin deutlich unter die Marke von 90.000 US-Dollar – ein Niveau, das zuletzt im April erreicht wurde. Zeitweise sackte der Kurs auf 85.000 Dollar ab, mehr als 30 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.273 Dollar, das Anfang Oktober markiert wurde. Damit befindet sich die Kryptowährung in einer technischen Korrektur, definiert als Rückgang von mindestens 20 Prozent vom jüngsten Höchststand.
Die Prognose-Plattform Polymarket taxiert die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin bis Ende November unter 80.000 Dollar rutscht, mittlerweile auf 42 Prozent. Auch andere digitale Währungen leiden: Ethereum verlor mehr als 7 Prozent, XRP büßte 5 Prozent ein. Seit dem Oktober-Hoch haben beide Coins rund 40 beziehungsweise 35 Prozent an Wert verloren.
Fed-Protokoll und schwacher ETF-Zufluss belasten
Mehrere Faktoren setzen Bitcoin unter Druck. Die US-Notenbank Fed dämpfte jüngst die Erwartungen an weitere Zinssenkungen im kommenden Jahr – ein herber Rückschlag für risikobehaftete Anlageklassen wie Kryptowährungen. Hinzu kommen schwächelnde Tech-Aktien, die traditionell mit Bitcoin korrelieren. Der Nasdaq Composite drehte nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und schloss am Donnerstag, 20. November, mit einem Verlust von 2,15 Prozent.
„Bitcoin ist zu einem Stellvertreter für Spekulation geworden“, schreibt Steve Sosnick, Chef-Stratege bei Interactive Brokers dem „Wall Street Journal“. Tatsächlich zeigt sich: Viele Investoren, die Bitcoin rund um die 90.000-Dollar-Marke gekauft haben, stehen nun im Minus – und zögern mit Nachkäufen. Einige mussten bereits Positionen aufgeben, um Nachschussforderungen ihrer Broker zu erfüllen.
Verschärft wird die Lage durch Abflüsse aus US-Bitcoin-ETFs. Seit Mitte Oktober verließen 3,7 Milliarden US-Dollar diese Fonds, allein im November waren es 2,3 Milliarden. Institutionelle Anleger, die Bitcoin während der Rally zugekauft hatten, ziehen sich zurück. „Der Verkaufsdruck ist nicht außergewöhnlich“, sagt Joseph Edwards von Enigma Securities, „aber er trifft auf eine schwache Käuferseite.“
Die Frage bleibt: Ist die Talsohle erreicht – oder wartet unter 90.000 US-Dollar ein neues Kapitel der Unsicherheit?

