Kryptowährung Bitcoin unter der ESG-Lupe
Governance-Strukturen im Aufbau
Die Sicherheit und Regulierung von Bitcoin haben sich seit den Anfängen der Währung stark weiterentwickelt. Typische Governance-Analysen im Rahmen einer ESG-Betrachtung konzentrieren sich auf die Struktur eines Unternehmensvorstandes, seiner Unabhängigkeit und Diversität. Beim Bitcoin kommt es aufgrund der inhärenten Dezentralisierung mehr auf externe Faktoren an, die für die Governance eine Rolle spielen.
In den USA haben mehrere Aufsichtsbehörden damit begonnen, Richtlinien zu erlassen, um sicherzustellen, dass Bitcoin und andere digitale Währungen denselben Treuhand- und Verwahrungsstandards unterliegen wie andere finanzielle Vermögenswerte. Jede dieser Behörden verlangt Audits, robuste Compliance-Rahmenwerke und Kapitalrücklagenanforderungen für die Marktteilnehmer, um sicherzustellen, dass Kryptowährungen für legitime Zwecke verwendet werden. Zum Beispiel hat das Office of the Comptroller of Currency, das das bundesstaatliche Bankensystem in den USA reguliert, vor Kurzem Kryptowährungsdepots genehmigt.
Darüber hinaus erteilen eine Reihe von staatlichen US-Regulierungsbehörden Börsen, Vermögensverwaltern, Emittenten und Verwahrern die Erlaubnis, Bitcoin zu verwahren und zu verwalten. Diese jüngsten regulatorischen Maßnahmen, kombiniert mit Klarheit über Best Practices (Verwahrung, Anti-Geldwäsche, „Kenne Deinen Kunden“ (KYC), Versicherung, Lagerung) und institutioneller Akzeptanz, legitimieren das Aufkommen von Bitcoin als ein Investmentvehikel, das der gleichen regulatorischen Aufsicht unterliegt wie traditionelle Finanzanlagen.
Allerdings ist in den USA noch kein Bitcoin-ETF zugelassen, während andere Länder, wie Kanada und die Schweiz, diese Produkte auf dem Markt erlauben. Das mag trivial erscheinen, zeigt aber die unterschiedliche Auffassung darüber, wie Bitcoin im Kontext der individuellen Governance-Standards gehandhabt wird.
Wie bereits erwähnt, argumentieren Bitcoin-Gegner, dass die Kryptowährung illegalen Aktivitäten Tür und Tor öffnet. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass das Ausmaß der illegalen Aktivitäten im Vergleich zum herkömmlichen Währungsmarkt relativ unbedeutend ist. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung schätzt, dass die Menge an traditionellem Geld, das weltweit in einem Jahr gewaschen wird, 2 bis 5 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts beträgt, also rund 800 Milliarden bis 2 Billionen US-Dollar. 90 Prozent dieser Aktivitäten bleiben unentdeckt. Zum Vergleich: Eine Studie von Chainalysis zeigt, dass nur 1,1 Prozent der Kryptowährungstransaktionen im Jahr 2019 – im Volumen von insgesamt mehr als einer Billion US-Dollar – illegal waren.
Mit der Entwicklung der Kryptomärkte und der Zunahme regulierter Börsen ist der Prozentsatz der geschätzten illegalen Gesamttransaktionen aufgrund der Durchsetzung von Geldwäsche- und KYC-Standards durch die Börsen gesunken – ähnlich wie bei traditionellen Finanzinstituten. Tatsächlich bietet die transparente Natur der Bitcoin-Blockchain, bei der jede Transaktion permanent in einem öffentlichen Hauptbuch festgehalten wird, ein höheres Maß an Sicherheit und Transparenz, um illegale Transaktionen im Vergleich zu traditionellen Fiat-Währungen zu begrenzen.
Unser Fazit: Im Zuge der Transformation in eine digitale Gesellschaft kommt es immer wieder zu disruptiven Veränderungen. Der Bitcoin als neues Wertaufbewahrungsmittel stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass die potenziellen gesellschaftlichen Vorteile eines sich weiter durchsetzenden Krypto-Ökosystems mit Bitcoin an der Spitze die heute wahrgenommenen Risiken langfristig aufwiegen werden. Der Energieverbrauch des Bitcoins ist zwar noch wenig zufriedenstellend, wir sind aber davon überzeugt, dass der wirtschaftliche und gesellschaftliche Druck zu einer wesentlichen Verbesserung der Öko-Bilanz des Bitcoins führen wird.
Über den Autor: Erik Swords ist Fondsmanager des BNY Mellon Blockchain Innovation Fund.

