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Finanzplaner Manuel Wicke zur Regulierung

Bitte mit dem Menschen im Fokus

Die Absicht hinter den Transparenz-Regelungen ist klar: Die Finanzkrise basierte im Kern auf einer mangelnden Regulierung der Finanzmärkte in den USA und anderen Industrieländern wie auch Deutschland und hatte verheerende Auswirkungen auf Menschen und Wirtschaft. Eine stärkere Regulierung ist also ganz im Sinne aller Beteiligten – allerdings muss sie dem Kundeninteresse dienen.

Das Mehr an Regulierung wird zunächst für die Kunden, ob sie nun Vorwissen besitzen oder bislang noch recht unerfahren in Finanzfragen sind, ganz einfach spürbar: Sie erhalten vor dem Abschluss eines Finanzprodukts sehr umfangreiche Informationen und danach ebenso detaillierte Dokumentationen. Deren Ausmaß nimmt – überspitzt formuliert – nicht selten die Dimensionen eines Buchs an und sorgt auf Kundenseite häufig für Irritationen.

Die naheliegenden Fragen, die sich daraus ergeben: Kann solch ein quantitativer Umfang wirklich zu mehr Kundenschutz führen – oder ist er vielleicht sogar kontraproduktiv? Müsste nicht eher die Qualität der Informationen und deren Verständlichkeit im Fokus stehen? Und welche sinnvollen Alternative haben Berater und ihre Kunden überhaupt?

Aufwand und Nutzen von Regulierung im richtigen Verhältnis?

Jedenfalls erscheint es zwingend notwendig, die Regulierungen so zu gestalten, dass sie für Kunden und Berater gleichermaßen klar, nachvollziehbar und bindend sind. Denn anderenfalls bewirken sie sogar das Gegenteil. Warum? Um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Schwer nachvollziehbare und komplizierte Regelungen – so berechtigt sie auch sind – führen leicht zu fehlendem Verständnis, im schlimmsten Fall sogar zu einem gewissen Widerstand auf beiden Seiten. Das heißt: Viele Berater schätzen die Dokumentationsanforderungen für eine Geldanlageberatung als wenig nutzenstiftend für den Kunden ein. Gleichzeitig empfinden viele Kunden die Dokumentationen als Enthaftungserklärung für den jeweiligen Berater. Sollten die Regulierungen die Sicherheit und das Vertrauen auf Kundenseite stärken, so werden sie im schlimmsten Fall als gegenteilig wahrgenommen.

  • Zudem besteht die Gefahr, dass Beratungsgespräche in einen Abfragestandard gezwängt werden, der nur bedingt zu den individuellen Lebenssituationen, Zielen und Wünschen der Kunden passt. Ein Beispiel: Die wenigsten Kunden folgen bei ihren Anschaffungen einer genauen Planung – ein neues Auto etwa wird „vielleicht demnächst fällig“, ein eigenes Haus „könnte in fünf bis zehn Jahren vorstellbar sein“. Solche Überlegungen kollidieren dann schnell mit fixen Anlagezeiträumen.

  • Ebenso wenig spielt aus Kundensicht die Risikoorientierung eine wesentliche Rolle für die Anlageentscheidung. Kunden werden häufig mit unterschiedlichen Risikoniveaustufen beim Investment in einen oder mehrere Fonds konfrontiert. Mal reichen die Risikostufen von 1 bis 7, mal von 1 bis 5. Eine Verlusttragfähigkeit wird definiert als eine Anlage, die monatlich oder einmalig über die freie Liquidität oder das Nettovermögen hinausgeht. Welche Verluste die Kunden sinnvollerweise tragen können, beantwortet die Verlusttragfähigkeit nicht.

  • Wenn die Kunden zusätzlich zu ihren Versicherungen für die Altersvorsorge lebensbegleitend flexibles Kapital aufbauen möchten, soll begründet werden, warum sie in Investmentfonds investieren, deren Mindestanlagedauer allerdings bei maximal 12 Jahren liegt.

Lassen sich individuelle Lebensziele in feste Schemata zwängen?

Was also wäre eine sinnvolle Alternative? Lassen sich Kunden und Berater, Lebens- und Anlageziele sowie persönliche Anforderungen an Finanzprodukte in feste Schemata zwängen? Im Kern mag eine standardisierte Regulierung richtig sein – aber sie ist allenfalls ein Anfang. Denn letztlich muss der Mensch im Mittelpunkt stehen.

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