Björn Drescher: „SEB Asset Management und Barbara Knoflach gebühren Respekt“

Björn Drescher

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Der Beitrag ist aus dem Investment-Newsletter "Return" von Finanzwelt Online entnommen. Der Autor Björn Drescher ist geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer der Drescher & Cie, einer Gesellschaft für Wirtschafts- und Finanzinformationen

Die Fakten

Wie die SEB Asset Management gestern Nachmittag (Anm. d. Red.: Montag, der 7. Mai 2012) bekannt gab, wird der 6 Milliarden Euro große SEB Immoinvest (WKN: 980230) abgewickelt. Die seit der Vorankündigung einer Wiedereröffnung gesammelten Verkaufsorders haben die für Rückgaben bereitgestellte Liquidität des Fonds am heutigen Handelstag deutlich überstiegen.

Im Wesentlichen sieht die SEB Asset Management in diesem Zusammenhang zwei Gruppen von Verkäufern: zum einen Anleger, die über ihre Mittel verfügen müssen, da ihre Anlagehorizonte überschritten sind, zum anderen stark verunsicherte Investoren, die auf ihre Auszahlungen bestanden und argumentativ nicht mehr erreicht werden konnten.

Die Vorstandsvorsitzende der SEB Asset Management Barbara Knoflach bedauert die Entscheidung und bedankt sich bei Anlegern und Beratern für den Zuspruch und die Unterstützung in der Vergangenheit. Ab sofort wird sie sich mit ihrem Team mit voller Kraft auf die Abwicklung des Fonds konzentrieren und diese so anlegerfreundlich wie möglich gestalten.

Mit anderen Worten: Sie will die Verkaufserlöse des Fonds optimieren und die Mittel so schnell wie möglich an die Anleger auszahlen. Schon für Juni kündigt die SEB Asset Management an, voraussichtlich 20 Prozent des Fondsvolumens an die Anteilinhaber auszukehren.

Für die Abwicklung verbleibt der SEB in Absprache mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein Zeitraum von rund fünf Jahren.

Demokratische Entscheidung

Die SEB Asset Management hat die Anleger über das Schicksal des SEB Immoinvest entscheiden lassen. Und sie haben ihr Votum abgegeben. Der Fonds wird aufgelöst.

Wie das Unternehmen am Montag bekannt gab, lag die Summe der in den vergangenen Tagen gesammelten Rückgabewünsche deutlich oberhalb der liquiden Mittel. Genaue Zahlen wurden nicht mitgeteilt. Wahrscheinlich auch von daher, als man erst gar keine Diskussionen darüber aufkommen lassen wollte, wie hoch die für Rücknahmen bereitgestellte freie Liquidität eigentlich genau war.

Allem Anschein nach wollte man sich für den Fall eines knappen Ergebnisses nicht rechtfertigen müssen. Denn die Veröffentlichung hoher Rückgabebegehren könnte eine zusätzliche Verunsicherung der Anlegerschaft mit Folgen für weitere Teile der offenen Immobilienfondsindustrie nach sich ziehen.

So bleibt zunächst einmal festzuhalten: Es hat einfach nicht gereicht. Zu viele Anteilinhaber wollten gleichzeitig aus dem Fonds und haben sich in dem offenen Türspalt gegenseitig eingeklemmt. Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass es aus einem Dilemma per definitionem keinen Ausweg gibt.