Will die Tech-Riesen nicht über einen Kamm scheren:  André Schettler, Portfoliomanager der Bank für Kirche und Caritas (BKC) | © BKC AM Foto: BKC AM

BKC-Experte zur US-Berichtssaison

„Tech-Blase wird platzen“

Weder Twitter noch Facebook haben Verluste oder Umsatzrückgänge veröffentlicht und wurden dennoch abgestraft. Analysten und Anleger überbieten sich mit immer höheren Kurszielen und bauen damit einen enormen Erfolgsdruck auf. So liegt laut Bloomberg das geschätzte durchschnittliche Umsatzwachstum von Amazon, Facebook, Google und Netflix im Jahr 2019 bei 22,7 Prozent, Gewinnwachstum sogar bei 36,2 Prozent. Kein Unternehmen kann dauerhaft so deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft wachsen.

Allerdings kann man kann nicht alle Tech-Unternehmen über einen Kamm scheren. Ihre unterschiedlichen Strategien und Geschäftsmodelle führen zu sehr unterschiedlichen Geschäftsergebnissen: Wie jetzt Apple hat vor kurzem auch Google eine gute Performance hingelegt und ein neues Rekordhoch erreicht.

Gemischte Aussichten für US-Aktien

Fakt ist, dass wir uns eher am Ende als am Anfang oder der Mitte eines Wirtschaftszyklus befinden. Die meisten guten Nachrichten sind bereits eingepreist. Es bedarf weiterer, derzeit nicht absehbarer Erfolgsmeldungen, um das Gewinnwachstum in diesem Tempo beizubehalten. Schon kleinste Störungen im System können einen Bärenmarkt auslösen, beispielsweise der Handelsstreit der USA mit China oder unerwartete Entwicklungen bei der Geldpolitik. Darüber hinaus sind US-Staatsanleihen mit einer Rendite von circa 3 Prozent für viele Anleger wieder eine echte Alternative zu Aktien.

In einer solchen Situation werden Gewinnmitnahmen sicherlich zuerst oder am stärksten bei den Aktien stattfinden, die in der Vergangenheit die größten Zuwächse erreicht haben und bei denen die Bewertung stark von weiterhin positiver Wirtschaftsleistung abhängig ist.

Andererseits könnte sich der US Markt bei einem globalen Abschwung auch als Hort der Sicherheit entpuppen, vor allem wenn der Auslöser eine erneute Eurokrise oder europäische Staatsschuldenkrise wäre oder aus den Emerging Markets stammt. Dann wären Werte in US-Dollar sicherlich ein gefragtes Investment.

Mehr zum Thema
Credit-Suisse-Anlagechef Varnholt über das Schulden-Paradox
Warum steigende Schulden nicht zwingend zu höheren Zinsen führen
Deutsche Nebenwerte
Mit diesen Fonds setzen Anleger auf Hidden Champions
Apple knackt Billionen-Marke
Was Anleger mit Börsenriesen verdienen können
nach oben