Themen
TopThemen
Fonds
Datentools
Mediathek
Märkte
Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender Finanz-Charts Globale Märkte Krypto-Kurse (in Echtzeit) Währungen (in Echtzeit)

Themen-Experte
Märkte verstehen, Chancen nutzen

Themen-Experte
Märkte verstehen, Chancen nutzen

BlackRock-Analyse Was der Brexit für Deutschland bedeutet

Seite 2 / 3

Direktinvestitionen: Projekte storniert oder auf Eis gelegt

Bei den britischen Direktinvestitionen in Deutschland gab es seit dem Brexit-Votum keine großen Veränderungen. Die Investitionen wuchsen seit 2016 sogar um 14 Prozent. Damit liegt Großbritannien als drittwichtigste Quelle für ausländische Direktinvestitionen nach Deutschland im internationalen Vergleich genau im Trend. Der befürchtete Brexit-Effekt ist hier also bislang nicht festzustellen.

Eine der Ursachen für diese Konstanz: Zahlreiche britische Unternehmen haben seit 2016 ihren Firmensitz oder zumindest Teile von der Insel auf das europäische Festland verlegt. Damit waren beträchtliche Investitionen verbunden, wodurch wiederum innerhalb der EU tausende neue Arbeitsplätze entstanden sind und wohl in Zukunft noch entstehen werden.

Deutsche Direktinvestitionen auf der Insel haben sich hingegen abgeschwächt und eine Fortsetzung dieses Trends scheint wahrscheinlich zu sein. Es kommt also zu einer Reallokation von Kapital – und zwar zu Ungunsten der Briten. Im Falle eines harten Brexit und/oder zäher Verhandlungen um ein neues Handelsabkommen könnte es etwa für deutsche Banken und Versicherungen in Zukunft noch weniger interessant sein in Großbritannien zu investieren. Vermutlich wird die Bedeutung Londons als europäisches Finanzzentrum weiter abnehmen.

Für deutsche Fahrzeughersteller und andere Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes könnte Großbritannien dagegen sogar ein interessanteres Investitionsziel werden, weil infolge der Pfund-Abwertung die Produktionskosten dort, in Euro gerechnet, gesunken ist.

Arbeitsmarkt und Konsum: Der Härtetest kommt erst noch

Die Mehrheitsentscheidung der Briten, die EU verlassen zu wollen, hat sich auch auf die Arbeitsmärkte Großbritanniens und seiner europäischen Partner ausgewirkt. Gerade durch die Verlagerung von Unternehmenssitzen sind in der EU neue Arbeitsplätze entstanden. Bereits seit 2016 sind viele EU-Bürger, die in Großbritannien gearbeitet haben, in ihre Heimatländer zurückgekehrt – ein Trend, der sich wohl fortsetzen wird.

Einige deutsche Unternehmen werben derzeit bereits gezielt um wechselwillige Fachkräfte. Allerdings sind es nicht nur EU-Bürger, die wegen des Brexit nach Deutschland auswandern. Auch immer mehr Briten beantragen die deutsche Staatsbürgerschaft. Laut dem Statistischen Bundesamts (Destatis) nahm die Zahl der Einbürgerungen von Briten in der Bundesrepublik in den letzten Jahren stetig zu: von 622 im Jahr 2015 auf 6.640 im Jahr 2018 (nach sogar 7.493 im Jahr 2017).

Quelle: Eurostat, Statistisches Bundesamt (Destatis), 2020

Bis Ende des Jahres wird die innereuropäische Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen der EU und Großbritannien bestehen bleiben. Ab 2021 werden jedoch Aufenthaltsgenehmigungen erforderlich sein, sodass Arbeitnehmer aus der EU nicht mehr ohne Weiteres in Großbritannien tätig sein dürfen und Arbeitnehmer aus Großbritannien nicht mehr in der EU. Auch für Briten, die in Deutschland arbeiten, werden eine Aufenthalts- und eine Arbeitserlaubnis notwendig werden.

nach oben