An den Börsen wird die Zukunft gehandelt. Investoren schauen daher nach vorn. Sie wollen wissen, was kommt, um Renditechancen, aber auch Risiken, frühzeitig zu erkennen. Die BlackRock Konferenz 2025 im November in Frankfurt bot wie in den Jahren zuvor eine Fülle von Ausblicken auf die Entwicklungen der Märkte in Europa und den USA, auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen aber auch Privatmarktanlagen und Digital-Assets. Unter dem Motto „Building the future together“ teilten hochrangige Experten ihre Insights mit den Gästen und standen in den Pausen sowie beim abschließenden Get-together und Networking für den persönlichen Austausch zur Verfügung.
Unter der Überschrift „Geopolitische Fragmentierung und Europas wirtschaftliche Neuausrichtung“ zeichneten Rachel Lord, Head of International bei BlackRock, und Philipp Hildebrand, Vice Chairman bei BlackRock, zum Auftakt der Konferenz ein Bild der sich neuformierenden Weltordnung, um von dort den Fokus auf die wirtschaftlichen Optionen Europas zu richten. Beide Sprecher waren überzeugt, dass sich Europa auch vor dem Hintergrund einer zunehmend fragmentierten Welt enorme Chancen bieten. Europa habe alles, was gebraucht werde: Universitäten, gut ausgebildete Menschen, das Potenzial für günstige Energie und nicht zuletzt, erhebliche Summen gesparten Kapitals – rund 3,5 Billionen Euro, die allein in Deutschland auf Giro-, Tages- oder Festgeldkonten liegen. „Europa muss seine Kräfte nur freisetzen“, sagte Rachel Lord und forderte von den Europäern, härter und länger zu arbeiten, mehr Zuversicht und mehr Optimismus (zur aktuellen BlackRock-Studie „Invested in Europe“ geht es hier).
Für Europa ist es Zeit aufzuwachen
Philipp Hildebrand sieht Europa in einem hochkompetitiven Umfeld vor einem nie dagewesenen Investment-Boom. Der ehemalige Chef der Schweizer Notenbank erwartet Investitionen in einem Volumen von bis zu zwei Billionen Euro bis zum Jahr 2030. „Diese enorme Summe wird Dinge in Bewegung setzen, Wachstum fördern, Profite steigern, den Arbeitsmarkt beleben und Innovationen auslösen.“ Es sei an der Zeit, aufzuwachen und sich der neuen Realität zu stellen. Europa müsse sein Kapital viel produktiver einsetzen und mehr investieren als bislang, um im Vergleich mit den Regionen USA, China oder dem Nahen Osten nicht weiter an Boden zu verlieren.
Unternehmensgewinne in Europa im Aufwind
Im anschließenden Panel ging es darum, das Feld der Anlagemöglichkeiten in Europa zu sondieren. Dazu gaben der Anleihe-Experten Max Huefner, Head of Global Credit and European Investment Grade bei BlackRock, und der auf Investments in europäische Aktien spezialisierte Portfoliomanager bei BlackRock, Brian Hall, einige Einblicke.
Eine der Ursachen für das wiederbelebte Interesse an europäischen Aktien seien Unternehmensgewinne, die nach fast einem Jahrzehnt mit Rückgängen und Stagnation wieder im Aufwind sind. Chancen böten sich in den Segmenten: Financials, Bau und Infrastruktur, Luftfahrt & Verteidigung, Elektrifizierung und Verteidigung. Für Investoren sei zudem von Bedeutung, dass europäische Unternehmen im Vergleich etwa zu Unternehmen in den USA ein großes Aufholpotenzial bei der Diversifizierung ihrer Finanzierung hätten und den Kapitalmarkt in Zukunft stärker für sich entdecken könnten.
Digital Assets leichter investierbar
Nach den eher klassischen Investments in Aktien und Anleihen ging es auf dem nächsten Panel um eine noch vergleichsweise junge Anlageklasse. „Krypto als Anlageklasse: Professionelle Integration im Portfolio“ – schon der Titel umschrieb ziemlich genau den Tenor der Diskussion mit Rico Hoentschel, Head of Volatility Strategies & Digital Assets bei der Feri AG, und Dirk Klee, Country Head von BlackRock in der Schweiz.
Die Anlageklasse hat sich deutlich verbreitert und ist heute fest im globalen Finanzsystem verankert. Investoren sollten aber bei einem Engagement in diese Produkte sowohl den Emittenten als auch den Verwahrer kritisch prüfen. Beides sei für die operative Sicherheit wichtig, so die Experten.
40 Jahre Erfahrung mit Innovation in der Kapitalanlage
„Systematisches Investieren“, investieren mit technischer Unterstützung, mit dem breiten Einsatz künstlicher Intelligenz – darum ging es im Vortrag von Ahmed Talhaoui, Head of the BlackRock Systematic Group for EMEA and APAC. Technik gewähre heute den unmittelbaren Blick auf Märkte. Mit der technischen Auswertung von Finanzberichten vor 40 Jahren war der erste Meilenstein gesetzt. Seitdem hat sich die Entwicklung über Sentimentanalysen, der systematischen Auswertung von Zu- und Abflüssen verschiedener Assets bis zum breiten Einsatz künstlicher Intelligenz und Machine Learning, stetig erweitert. Heute erlaube die zunehmende Verfügbarkeit von Daten und ihre Auswertung in Echtzeit, das Entwerfen realistischer, mehrdimensionaler Szenarien und die Einschätzung ihrer Wahrscheinlichkeit.
„US-Aktien: Stock-Picking und Index Investing“ stand als nächstes auf dem Programm. Ein Thema, das viele der Zuhörer unmittelbar betraf. Kurze Umfragen unter den Zuschauern ergaben, dass fast 60 Prozent US-Aktien aktuell in ihren Portfolios übergewichten, dass aber politische Risiken in den Vereinigten Staaten mehr als 40 Prozent Sorgen bereiten.
US-Markt mit vielen Chancen
Während in der ersten Jahreshälfte vor allem europäische Werte gefragt waren, konnte der US-Markt ab Mitte des Jahres wieder aufholen: Die erste Aufregung um die US-Zölle habe sich etwas gelegt und die Unternehmensgewinne sorgten für Vertrauen, fasste Brett Pybus, Co-Head of European iShares bei BlackRock, die Entwicklung zusammen. Allerdings halte die Debatte um die starke Marktkonzentration in den Indizes an, die so hoch ist wie nie zuvor.
„Der US-Markt sieht breit und diversifiziert aus, ist es aber nicht“, sagte Ibrahim Kanan, Lead Portfoliomanager of BlackRock’s US Core Franchise. Vor 15 Jahren hätten die Top-Ten Aktien rund 15 Prozent an marktbreiten Indizes ausgemacht, heute seien es fast 40 Prozent. Aus der Sicht eines Portfoliomanagers sei er dennoch sehr optimistisch, wenn er sich das Alpha-Potenzial anschaue. Die Unternehmen unterhalb der derzeit dominierenden Top-Titel würden sich erholen und böten enorme Chancen, Alpha zu erzielen, vor allem die Segmente Industry, Gesundheit und Financials.
Indexprodukte zunehmend granular
Was bedeutet das für Index-Investoren? Investoren fordern mehr Werkzeuge, um ihr Chancen-Risiko-Profil nach ihren Wünschen zu gestalten. „Um diesen Wünschen unserer Kunden zu entsprechen, haben wir beispielsweise ein Produkt mit den 20 Top-Werten eines Index aufgelegt und zugleich eines, das die Top-Zwanzig-Werte ausspart“, sagte Stuart Doole, Global Head Equity Investing Research bei MSCI.
Indexanbieter wie MSCI stehen vor der Herausforderung, die Wünsche von Anlegern nach mehr Indizes zu bedienen, um ganz spezifische Risiken zu handhaben. Es gehe darum, über die Gestaltung neuer Indizes, die Palette der Möglichkeiten von Investoren zu erweitern. Dies könne ein Index sein, der die Auswirkungen der Zollpolitik auf Unternehmen berücksichtigt. „Auch bei der Indexierung kommt verstärkt KI zum Einsatz“, so Doole.
Private Markets: Zugang auch für Privatanleger
Breiteren Raum nahm das Thema Private Markets ein. Im Gespräch mit Jan-Frederik Modell vom Private Equity Partners Team bei BlackRock gab Julian Deutz, CEO bei AS Cassifieds, Einblicke in die Zusammenarbeit mit der Beteiligungsgesellschaft KKR nach dem Going Private der Axel Springer SE vom Jahr 2019 an bis heute.
Benjamin Fischer, Head of Banks & Strategic Clients im deutschen Wealth Team von BlackRock, debattierte anschließend mit seinen Panelisten die Möglichkeiten, Private-Market-Investitionen in die Portfolios von Privatinvestoren zu integrieren. Dazu stand mit Christian Hassel, Bereichsvorstand des Wealth Management und Private Banking bei der Commerzbank, ein Vertreter einer klassischen Bank auf der Bühne und mit Julius Weller, Head of Broker bei Scalable Capital, ein Praktiker des digitalen Vermögensverwalters und Online-Brokers.
Konkret ging es darum, wie Privatanleger über das Investment-Instrument European Long Term Investment Fund, kurz ELTIF, Zugang zu den Assetklassen der Private Markets erhalten. Im Vergleich zu rund 1.750 Milliarden Euro, die aktuell in Deutschland in Publikumsfonds investiert sind, habe der ELTIF mit 2,8 Milliarden Euro noch reichlich Aufholpotenzial. Eine verbesserte Schulung der Berater, bessere Informationen für Anleger und die möglichst einfache Implementierung in die privaten Portfolios unter dem Stichwort Convenience könnten aus der Sicht der Experten wichtige Schritte für eine höhere Partizipation der Privatanleger an der Profitabilität der Privat Markets sein.

