BlackRock-Monatsbilanz für März „EZB manövriert ohne Feuerkraft in den Abschwung“

Mario Draghi: Der EZB-Chef wird sich voraussichtlich mit einem Leitzins von null Prozent aus seinem Amt verabschieden. | © Getty Images

Mario Draghi: Der EZB-Chef wird sich voraussichtlich mit einem Leitzins von null Prozent aus seinem Amt verabschieden. Foto: Getty Images

Es ist der Jahresanfang 2018. Das Wachstum in Europa und der Welt hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die langfristigen Inflationserwartungen in der Eurozone knabbern an der Marke von 2 Prozent. Spekulationen über eine erste Zinsanhebung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) im Jahr 2019 schießen ins Kraut und deutsche zehnjährige Staatsanleiherenditen notieren bei rund 0,8 Prozent. Hoffnungen auf ein Ende der Nullzinsphase in Europa sind lebendig wie lange nicht mehr.

Heute, im April 2019, müssen wir feststellen: Ein Ende der niedrigen Zinsen in Europa ist alles andere als absehbar. Im Gegenteil. Einerseits sind die Renditen für zehnjährige deutsche Staatsanleihen abermals unter die magische Marke von 0 Prozent gefallen. Andererseits sitzen Null- und Niedrigzinspolitik vor dem Hintergrund eines alternden ökonomischen Zyklus und zunehmender Wachstumssorgen fest installiert.

EZB: Ohne Feuerkraft in den Abschwung

Auch die Führung der EZB glaubt nicht mehr an eine Zinsanhebung im laufenden Jahr. Entsprechend hat sie Anfang März ihre Geldpolitik angepasst. Die Tatsache, dass Präsident Mario Draghi seine achtjährige Amtszeit beenden wird, ohne ein einziges Mal die Zinsen angehoben zu haben, ist dabei lediglich eine Randnotiz. Viel entscheidender ist die Sorge, die EZB werde die Zinsen bis zum Zyklusende nicht anheben und somit ohne Feuerkraft in den Abschwung manövrieren.

Die Aktienmärkte haben die jüngste Kurskorrektur der EZB und jene der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die im März Zinsanhebungen in 2019 de facto vom Tisch genommen hat, ambivalent aufgenommen. Einerseits freuen sich Aktienanleger über die Aussicht längerfristig niedriger Zinsen. Andererseits beunruhigt sie die Ursache des Kursschwenks der Notenbanken.

Sich eintrübende Frühindikatoren lassen sogar die Möglichkeit einer Gewinnrezession in den USA in der ersten Jahreshälfte 2019 möglich erscheinen. Das erklärt zu weiten Teilen, weshalb die Performance am Aktienmarkt im März weit weniger erfreulich gewesen ist als in den beiden Monaten zuvor.

USA: Senkung der Leitzinsen in weiter Ferne

Der Pfad der EZB scheint für das verbleibende Jahr 2019 mehr als vorgezeichnet. Dagegen können wir trotz des Kursschwenks der Fed immer noch eine recht deutliche Diskrepanz zwischen den Erwartungen des Marktes und den Prognosen der US-Notenbanker beobachten. Trotzdem preist die Mehrheit der Anleger eine Zinssenkung für 2019 ein.

Angesichts einer nach wie vor niedrigen Rezessionsgefahr in den USA sowie einer Wachstumsprognose von etwa 2 Prozent für 2019, dürfte die Fed weit davon entfernt sein, eine Leitzinssenkung in den USA in Aussicht zu stellen – geschweige denn, eine zu liefern. Ein derartiges Signal hätte den unangenehmen Effekt, dass der Markt unmittelbar einen kompletten Zinssenkungszyklus einpreisen dürfte. Diese Erwartungen einzufangen, wäre wohl ein Ding der Unmöglichkeit.

Die weiteren Aussichten für die Aktienmärkte im Jahr 2019 sind somit eher durchwachsen. Auch wenn der Effekt günstiger Finanzierungsbedingungen nicht zu unterschätzen ist, bedarf es vor allem Unternehmenszahlen, damit sich weiteres Kurspotenzial entfalten kann.