Blackrock-Monatsbilanz für Mai Chinas Firmen und die Sorge vor einem „No-Deal-Szenario“

US-Präsident Donald Trump löste mit seinem Tweet gegen China Anfang Mai ein Börsenbeben aus. | © Getty Images

US-Präsident Donald Trump löste mit seinem Tweet gegen China Anfang Mai ein Börsenbeben aus. Foto: Getty Images

Nach einem starken Jahresstart verloren die Aktienmärkte rund um den Globus in den vergangenen Wochen deutlich an Boden: An den Rentenmärkten wurden Zinsen bei steigender Risikoaversion auf neue Jahrestiefststände getrieben. Und die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen fielen gar in den Bereich des absoluten Allzeittiefs. Damit nicht genug: Anleger rechnen mittlerweile sogar mit mehr als einer Zinssenkung in den USA bis zum Jahresende.

US-Präsident Donald Trump als auslösendes Moment

Auslöser der gestiegenen Unsicherheit an den Märkten war einmal mehr ein alter Bekannter: US-Präsident Donald Trump. Mit seinem Tweet am 5. Mai und der Ankündigung, höhere Zölle auf bestimmte Importe aus China zu erheben, hob er die bis dahin recht weit vorangeschrittenen Verhandlungen kurzerhand aus den Angeln.

Der Beweggrund des US-Präsidenten, diese Maßnahme zu ergreifen, war nach Aussage der Amerikaner, dass die chinesische Seite angeblich von einigen bereits getätigten Zusagen wieder zurückgerudert ist. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die USA vorher offenbar versucht haben, massiven Einfluss auf Chinas Gesetzgebung zu nehmen.

Wenig überraschend empfand China das als unzumutbaren Eingriff in seine Souveränität. Auf rund 150 Seiten sollen die USA konkrete Forderungen nach Peking geschickt haben. Zurück kamen wohl knapp 100 Seiten, die aus Sicht der Chinesen deutliche Zugeständnisse enthielten – Donald Trump allerdings nicht zufrieden stellten.

Weltwirtschaftswachstum sorgt Anleger

Spätestens seit der Ausweitung des Handelskrieges auf den Technologiebereich und die Sanktionierung des chinesischen Telekommunikationsausrüsters Huawei scheint eine Einigung beider Seiten in weite Ferne gerückt.

Zwar dürften die Chinesen weiterhin ein Handelsabkommen mit den USA bevorzugen. Doch schon jetzt bereiten sich die Firmen im Reich der Mitte auf ein Szenario vor, das uns bislang eigentlich nur im Brexit-Kontext begegnet ist: Das „No-Deal-Szenario“.

Vor dem Hintergrund dieser erneuten Eskalation des Konflikts stieg unter Anlegern die Sorge vor erheblichen Bremsspuren beim Wachstum der Weltwirtschaft. So dürfte ein vollumfänglicher Handelskonflikt mit den USA das Wachstum allein in China in diesem und im kommenden Jahr um jeweils rund einen halben Prozentpunkt geringer ausfallen lassen.

Womöglich ist diese Schätzung aber noch zu gering: Viele große Unternehmen in China berichten, dass die Lage aktuell schlechter sei, als einige Wirtschaftsindikatoren andeuten. Ein Effekt, der weltweit zu spüren wäre.

Greift Chinas Regierung erneut in die Tasche?

Aufgrund weltweit integrierter Wertschöpfungsketten schadet die Sanktionierung Chinas durch die USA auch Firmen außerhalb Chinas und nicht in geringem Umfang auch in den USA. So liefern US-Technologiefirmen wie Intel oder Qualcomm beispielsweise in großem Umfang Chips nach China, die dort in Smartphones verbaut werden.

Angesichts eines möglicherweise bevorstehenden Wachstumsdämpfers könnte die chinesische Regierung zeitnah jedoch abermals tief in die Tasche greifen, um die eigene Wirtschaft zu stützen. Für Europas Wirtschaft, die viel stärker von der konjunkturellen Dynamik in China abhängt als etwa die USA, wäre dies keine schlechte Nachricht.

Mittelfristig sollten Anleger allerdings bedenken, dass China durch die Abschottungsstrategie der USA eigene Bestrebungen in Sachen Forschung und Entwicklung vorantreiben dürfte. Damit könnte US-Präsident Donald Trump indirekt dazu beitragen, dass im Fernen Osten viel schneller und viel größere Konkurrenten für Google und Co heranwachsen als das ohne die Konfrontationsstrategie der USA der Fall wäre.