BlackRock-Monatsbilanz für Oktober „Nix da, goldener Herbst“

Für ihn hat der Oktober aus einem durchwachsenen Aktienjahr 2018 ein miserables gemacht: Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock. | © BlackRock

Für ihn hat der Oktober aus einem durchwachsenen Aktienjahr 2018 ein miserables gemacht: Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock. Foto: BlackRock

Bereits Ende September sah das Bild an den globalen Aktienmärkten nicht sonderlich rosig aus. Aktien aus der Eurozone lagen seit Jahresbeginn knapp 2 Prozent hinten (MSCI Eurozone in Euro). Anteilsscheine aus den Schwellenländern (MSCI EM in US-Dollar) hatten sogar bereits fast 10 Prozent verloren. Lediglich US-Aktien (MSCI USA in US-Dollar) verzeichneten dank des im internationalen Vergleich besonders starken Gewinnwachstums in den USA bis Ende des dritten Quartals 2018 ein Plus von etwa 9 Prozent und handelten in der Nähe ihrer Allzeithochs.

Brasilianische Aktien einer der wenigen Lichtblicke

Der Oktober hat dann aus einem bis dato bestenfalls durchwachsenen Aktienjahr 2018 ein miserables gemacht. Dass der zehnte Monat des Jahres für einige Aktienmarktsegmente der schwärzeste Monat seit der Finanzkrise werden würde, ist angesichts der bereits recht weit fortgeschrittenen Diskrepanz zwischen robusten Fundamentaldaten und der enttäuschenden Aktien-Performance bis Ende September nicht unbedingt vorhersagbar gewesen. US-Aktien verloren 7 Prozent, Aktien aus der Eurozone ebenfalls weitere 7 und Schwellenländeraktien noch einmal fast 9 Prozent.

Einer der sehr wenigen Lichtblicke waren im Oktober brasilianische Aktien, die erstaunlicherweise dem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro Vorschusslorbeeren zukommen ließen. Bolsonaros Wahl könnte die Zukunft der fünftgrößten Demokratie der Welt in Frage stellen.

Steigendes Zinsniveau ein Auslöser für Schwäche der Märkte

Ähnlich wie bereits schon im Frühjahr wird das steigende Zinsniveau in den USA als einer der Auslöser für die Marktschwäche betrachtet. Anfang Oktober stieg die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise. Je höher die Rendite risikoloser Rentenmarktpapiere in den USA steigt, desto zögerlicher werden Anleger in Bezug auf Engagements in riskanteren Risikoaktiva. Insbesondere dann, wenn die Geldmarktsätze über das Inflationsniveau hinaus steigen und es Anlegern so ermöglichen, ihr Geld an der Seitenlinie ohne Kaufkraftverlust zu parken.

Handelskrieg zwischen USA und China verunsichert Anleger

Zusätzlicher Verkaufsdruck ergab sich im Laufe des Oktober-Sell-Offs durch einen zunehmend trüberen Ausblick auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Gute Unternehmenszahlen aus den USA und anderen Regionen für das dritte Quartal vermochten nicht kaschieren, dass die „Guidance“ – also der Ausblick auf die Gewinnentwicklung in der Zukunft – auf vielen Unternehmensetagen nach unten angepasst wurde. Neben den steigenden Zinsen ist es vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China, der die Anleger verunsichert.

Ölpreis- und Lohnanstieg erzeugen Margendruck

Ab dem vierten Quartal 2018 dürften die ersten Bremsspuren in den harten Wirtschaftsdaten erkennbar sein. Da auch steigende Löhne und höhere Ölpreise Druck auf die Margen der Unternehmen ausüben, scheinen viele Marktteilnehmer davon auszugehen, dass das Gewinnwachstum ausgehend vom Hoch im zweiten Quartal quasi nur noch eine Richtung kennen wird: nach unten.

Fundamentaldaten und Geopolitik wieder alleinige Taktgeber

Somit hat uns der Oktober unter dem Strich mit voller Wucht an eines erinnert: Die Übergangsphase von einer Zeit, die durch einen Überfluss an Zentralbankgeld gekennzeichnet war hin zu einer Zeit, in der die Fundamentaldaten und die Geopolitik wieder die alleinigen Taktgeber sind, ist durch ein erhöhtes Maß an Unsicherheit geprägt.

Fazit: Trendumkehr alles andere als undenkbar

Trotz der turbulenten letzten Wochen sollten Anleger die Flinte jedoch keinesfalls ins Korn werfen. Auch auf die Gefahr hin uns zu wiederholen: Günstige Aktienbewertungen und trotz negativer Tendenz immer noch sehr robuste Wirtschaftsdaten lassen eine Trendumkehr alles andere als undenkbar erscheinen. Die Liste der denkbaren Auslöser für eine derartige Umkehr ist gar nicht so kurz: ein Kursschwenk der US-Notenbank etwa, eine Einigung beim Thema Brexit oder aber eine Einigung zwischen Rom und Brüssel wären nur einige der denkbaren „Trigger“.