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Evy Hambro, Portfoliomanager des World Gold Fund: „Mit Benchmarks beschäftige ich mich im täglichen Business nicht viel.“ | © Julia Schwager

Blackrock-Rohstoffexperte Evy Hambro „Ich besuche gerne Goldminen, dann wird mein Job real“

Herr Hambro, was machen Sie als erstes, wenn Sie morgens ins Büro kommen?

Evy Hambro: Ich sehe mir an, in welcher Art und Weise sich die Makrofaktoren verändern und prüfe die Entwicklungen dahingehend, ob hier für uns Handlungsbedarf besteht.

Besuchen Sie persönlich manchmal Goldminen?

Hambro: Ja, sehr gerne sogar. Mein Job wird dann real. Dieses Jahr hat es aber leider noch nicht geklappt.

Gold hat in den vergangenen Monaten stark zugelegt, im Moment kostet eine Feinunze über 1.500 US-Dollar. Ist der Preis nicht schon viel zu hoch?

Hambro: Nein, letztendlich investiert man in Gold, weil die Opportunitätskosten niedriger als in anderen Anlageklassen sind. Im Moment sind weltweit Staatsanleihen im Wert von 17 Billionen US-Dollar negativ verzinst, Anleger verlieren damit viel Geld. Das Halten von Gold ist im Vergleich dazu günstig. Außerdem ist das Rezessionsrisiko gestiegen. In solchen Phasen kaufen Anleger Gold, um sich abzusichern.

Der BlackRock World Gold Fund ist mit Abstand der größte Fonds für Goldminenaktien, wie beweglich ist er eigentlich noch bei größeren Mittelzuflüssen? Der Kauf von Nebenwerten dürfte ein Problem sein.

Hambro: Der Fonds existiert seit über 30 Jahren und wir verfolgen einen konsistenten Ansatz. Er ist sehr skalierbar und unsere Investoren schätzen dies. Ich konzentriere mich nicht auf Nebenwerte und habe einen geringen Umschlag im Portfolio. Das macht sich natürlich bemerkbar: In steigenden Märkten ist der World Gold Fund nicht ganz vorne. Wenn die Märkte fallen, verliert der Fonds dafür nicht so viel wie manch andere, die stärker auf Nebenwerte setzen.

Afrika ist im Vergleichsindex FTSE Gold Mines Performance stark gewichtet. Warum ist das im World Gold Fund nicht der Fall?

Hambro: Mit der Benchmark beschäftige ich mich im täglichen Business nicht viel, sie ist einfach nicht replizierbar. Der World Gold Fund ist ein UCITS-Fonds, dementsprechend manage ich ihn. Im Index machen zwei Bergbauunternehmen – Barrick Gold und Newmont Goldcorp je um die 20 Prozent aus. Im World Gold Fund darf eine Aktie aber nicht mehr als 10 Prozent des Portfolios besetzen. Ich achte auch nicht nur darauf, an welchen Börsen Goldaktien gelistet sind. Das zeigt ja nicht, wie die Wertpapiere letztendlich sind. Ein Unternehmen, das an einer Börse in Kanada gelistet ist, kann seine Minen auch in Afrika haben.

Mit dem iShares Gold Producers ETF gibt es ein Konkurrenzprodukt für den World Gold Fund aus dem eigenen Haus. Wie groß ist Ihr Ansporn, den Wettstreit „Aktiv gegen Passiv“ zu gewinnen?

Hambro: Der World Gold Fund wurde im Jahr 1994 aufgelegt, damals gab es noch keine Gold-ETFs. Wer in Gold investieren wollte, hat Barren, Münzen oder einzelne Goldaktien gekauft. Seitdem sind aber viele neue Fonds auf den Markt gekommen. Neben ETFs gibt es zum Beispiel auch Kreditkarten, mit denen man mit Gold bezahlen kann. Die einzig wirkliche Konkurrenz für Gold ist nicht Gold.

Sondern?

Hambro: Andere Anlageklassen.

Wenn sich in den nächsten Wochen und Monaten tatsächlich ein klarer Aufwärtstrend bei Gold etabliert – wie lange könnte er anhalten und welche neuen Höhen könnten dabei erreicht werden?

Hambro: Naja, die Zukunft kann ich nicht vorhersagen. Die Zinsen sind schon seit einem Jahrzehnt niedrig, deshalb ist Gold für Investoren interessant. Zentralbanken haben jahrzehntelang Gold verkauft, jetzt kaufen sie wieder, genau wie Privatinvestoren. Gleichzeitig ist das Angebot niedrig. Das spricht auch für einen steigenden Goldpreis.

Evy Hambro ist Pionier bei Rohstoffaktien-Investments und verwaltet im World Gold Fund (ISIN: LU0171305526) 5,7 Milliarden US-Dollar (Stand: 31. August 2019). Bei Blackrock leitet er den Bereich für thematische und sektorbasierte Anlagen.

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