Blackrock-Vertriebschef Christian Machts „Big Data ermöglicht Preisrevolution im Asset Management“

Christian Machts, Leiter des deutschen Privatkunden-Geschäfts bei Blackrock | © Piotr Banczerowski

Christian Machts, Leiter des deutschen Privatkunden-Geschäfts bei Blackrock Foto: Piotr Banczerowski

Bei der Kundennachfrage im Privatkunden-Segment zeichnen sich drei große Trends ab: Erstens wollen viele Investoren im Kern ihrer Portfolios nicht mehr allein auf das Beta – sprich die allgemeine Marktrendite – vertrauen. Stattdessen schauen sie vermehrt auch auf mögliche Zusatzrenditen. Grund dafür ist, dass die Aktienmärkte über viele Jahre gut gelaufen sind. Zweitens hat sich die Kundennachfrage über die Suche nach rein aktiv gemanagten beziehungsweise rein indexbasierten Anlagelösungen hinaus entwickelt. Anleger suchen nach Möglichkeiten, die Lücke zwischen diesen beiden Produktgruppen zu schließen, um Renditechancen noch umfassender zu nutzen. Drittens treten die Kosten eines Produktes und die Klarheit seines Konzeptes stärker in den Vordergrund. Das trägt nicht zuletzt bei, dass sich das regulatorische Umfeld durch zum Beispiel MiFID II und andere Initiativen verändert.

Umdenken in der Branche

Diese Entwicklungen führen dazu, dass die Asset-Management-Branche umdenkt. Der zunehmende Margendruck sowie die Kostentransparenz werden dafür sorgen, dass Asset Manager die Kosten auch bei aktiv gemanagten Produkten nach unten anpassen müssen. Bislang ist das erst in Ansätzen der Fall, weswegen Anleger mitunter auf günstigere Indexlösungen ausweichen. Aber allmählich setzt sich bei den Anbietern die Erkenntnis durch, dass die Preisstruktur sich ändern muss.

Die gute Nachricht lautet, dass dafür durchaus Raum besteht. Denn der technologische Fortschritt ermöglicht, Portfoliostrategien inzwischen deutlich effizienter zu implementieren. Entwicklungen, die Asset Manager dabei nutzen, sind künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Dabei lernen Computermodelle, in Daten Muster und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, woraus sie schließlich allgemeine Schlüsse ziehen und dadurch auch neue Daten beurteilen können. Ein weiterer Aspekt ist die Analyse der zunehmenden Menge öffentlich verfügbarer, oft unstrukturierter Daten – auch bekannt unter dem Stichwort „Big Data“. Daraus lassen sich zum Beispiel Signale für die Entwicklung von einzelnen Aktien, breiten Märkten und Konjunktur ablesen. In einem weiteren Schritt prüfen Portfoliomanager diese Vorschläge und entscheiden, welche sie letztlich umsetzen. Dabei kommen ausschließlich anonymisierte Daten zum Einsatz, um den Datenschutz zu gewährleisten.

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge sind vor allem drei Bereiche von Big Data interessant: Erstens Anfrageverhalten über Internet-Suchmaschinen wie Google. So liefert die Häufigkeit bestimmter Schlagwörter, nach denen die Menschen suchen, Aufschluss über ihre Verhaltensweisen. Beispielsweise können häufigere Suchanfragen nach Urlaubsreisen oder neuen Autos aufzunehmende Konsumfreude infolge besserer Beschäftigungsverhältnisse und steigender Löhne hindeuten, die ihrerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung anzeigen.

Der zweite Bereich umfasst soziale Medien einschließlich Chat-Foren für bestimmte Interessengruppen. Internet-Gruppen, in denen z. B. Arbeitnehmer sich über ihre Unternehmen austauschen und diese bewerten, sind in den USA schon weitaus stärker verbreitet als etwa in Deutschland. Spiegelt sich darin eine positive Grundstimmung wider, könnte das ein weiteres Zeichen für eine gesunde Verfassung des Unternehmens sein. Äußern die Angestellten dagegen zunehmend Unmut, liefert das eher ein negatives Indiz. Drittens können Verschriftlichungen der Berichterstattung von Unternehmensvorständen deutlich aufschlussreicher sein als die vorangegangenen Telefonkonferenzen selbst. Denn die Häufigkeit, mit der optimistisch oder pessimistisch besetzte Begriffe fallen, liefert oft einen besseren Einblick in die Stimmung in der Vorstandsetage und in die Zahlen als jene Nachrichten, die Firmen bewusst verbreiten möchten. Dabei sind Begriffe wie „schwierig“ oder „herausfordernd“ eher negativ besetzt, „Verbesserung“, „stark“ oder „Rekordwachstum“ dagegen positiv.