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Märkte verstehen, Chancen nutzen

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Windpark an der Küste Norwegens: Zwei Drittel der institutionellen Investoren legen laut einer Blackrock-Studie bereits Wert auf Nachhaltigkeit. | © imago images / robertharding Foto: imago images / robertharding

Blackrock zu Infrastruktur-Investitionen

Mit Windenergie und Solarstrom durch die Krise

Die Nachfrage von Anlegern nach Private Equity steigt weiter an. Besonders im aktuellen Marktumfeld sind Investoren auf ein breiteres Spektrum an Investments angewiesen, um ihre Anlageziele zu erreichen. International lässt sich beobachten, dass Pensionskassen ihr Engagement in Privatmarktanlagen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ausgebaut haben – von 4 Prozent im Jahr 1996 beziehungsweise 15 Prozent 2005 auf 25 Prozent 2017. Das geht aus der jüngsten Towers Watson Global Pension Assets Study hervor, die Pensionsfonds in den USA, Australien, Großbritannien, Kanada, den Niederlanden, der Schweiz und Japan untersucht hat. Unserer hauseigenen aktuellen Blackrock Global Rebalancing Survey zufolge wollen mehr als die Hälfte (55 Prozent) der institutionellen Investoren weltweit ihre Allokationen in Sachwerten erhöhen. Im Bereich Private Equity geben das 46 Prozent an, bei Private Credit sind es sogar 53 Prozent.

Gleichzeitig nimmt das Interesse an nachhaltigen Anlagen zu, beflügelt durch die Corona-Krise. Institutionelle Anleger sind noch einmal deutlich sensibler für Nachhaltigkeitskriterien geworden. Dies gilt für alle drei Dimensionen, also Umwelt- und soziale Kriterien sowie Aspekte guter Unternehmensführung (Environmental, Social und Governance, kurz: ESG), insbesondere aber für die Folgen des Klimawandels für Wirtschaft und Gesellschaft. Weltweit lassen laut unserer Studie bereits 66 Prozent der institutionellen Investoren ESG-Überlegungen in ihre Anlageprozesse einfließen. Die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) ist in dieser Hinsicht Vorreiter: Dort liegt die entsprechende Quote bei 91 Prozent. Von den institutionellen Investoren, die noch keine ESG-Kriterien einbeziehen, untersuchen weltweit knapp zwei Fünftel (38 Prozent), wie sie dies künftig tun können. Die Corona-Krise dürfte diesen Trend weiter beschleunigen.

Infrastrukturprojekte benötigen private Finanzierung

Infrastrukturinvestitionen im Bereich erneuerbare Energien werden den beiden großen institutionellen Anlagetrends gerecht: dem Bedarf an Anlagen in den Privatmärkten sowie der Nachfrage nach nachhaltigen Investments. Die Dekarbonisierung des Energiesektors ist von zentraler Bedeutung, um weltweit eine klimafreundliche Infrastruktur zu schaffen. Erforderlich sind dafür massive Kapitalströme – auch aus dem privaten Sektor. Investoren eröffnen sich langfristige Chancen auf regelmäßige Barausschüttungen und Kapitalwachstum.

Die Corona-Krise und der damit verbundene Rückgang der Energiepreise führten bei Projekten im Bereich erneuerbare Energien mit langfristigen Abnahmeverträgen bislang kaum zu Bewertungskorrekturen. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe:

Erstens sind erneuerbare Energien im Vergleich zu anderen Infrastruktursektoren weniger abhängig vom Konjunkturverlauf. Ihre Erträge hängen in erster Linie von der Verfügbarkeit von Wind- und Sonnenenergie und dem Strompreis (ein Produkt von Stromangebot und -nachfrage) ab, Cashflows resultieren typischerweise aus langfristigen Abnahmeverträgen mit Versorgern oder Unternehmen.

Zweitens können die Anlagen mit wenig Betreuung durch Mitarbeiter vor Ort betrieben werden. Allerdings kam es bei Anlagen in der Konstruktionsphase vereinzelt zu leichten Verzögerungen, weil Ingenieure nicht einreisen konnten, Belegschaften aufgrund der Quarantänemaßnahmen vergrößert und mitunter für längere Zeiträume vor Ort gebunden wurden. Zudem galt es, die Gesundheit der Arbeiter zu gewährleisten und die notwenigen Hygienemaßnahmen umzusetzen.

Drittens sind die Investmentportfolios in der Regel geografisch gut diversifiziert. Im Vergleich zu anderen Infrastruktursektoren haben sich Portfolios mit Fokus auf erneuerbare Energien während der Corona-Krise deshalb sehr resilient gezeigt, stabile Cash-Renditen ausgeschüttet und zur Diversifikation des Gesamtportfolios beigetragen.

Windenergie- und Solar-Projekte trotzen der Krise

Der Bereich Infrastruktur für erneuerbare Energien entwickelt sich dynamisch. Banken vergeben weiterhin Kredite für entsprechende Projekte. Transaktionen, die bis Anfang 2020 verhandelt wurden, kommen trotz der Krise zum Abschluss. Gleichzeitig schauen Fremdkapitalgeber stärker auf mögliche Risiken im Zusammenhang mit der Krise und bauen entsprechende Schutzklauseln in die Finanzierungsverträge ein. Im Zuge dessen sind die Spreads für neue Finanzierungen zwar etwas gestiegen, allerdings sind vielfach gleichzeitig die Basiszinsen gesunken.

Überdies könnten fiskalpolitische Maßnahmen Infrastrukturprojekte in erneuerbaren Energien unterstützen. So ist es möglich, dass es in den USA entsprechende Konjunkturanreize geben wird. Denn der Politik dürfte vor allem daran gelegen sein, Arbeitsplätze zu schaffen. Der Bereich erneuerbare Energien verzeichnete in den vergangenen fünf bis sechs Jahren die höchsten Zuwachsraten bei der US-Beschäftigung. Darüber hinaus könnten die Fristen für Kredite zur Steuerrückzahlung verlängert werden, um die Bautätigkeit zu unterstützen. Ein Großteil der politischen Unterstützung für erneuerbare Energien in den USA kam vor der Krise von den Bundesstaaten und nicht von der US-Regierung. Aktuell sehen wir keinerlei Anzeichen dafür, dass sich dies ändern sollte. Im Gegenteil: Die Unterstützung könnte sogar zunehmen, um Arbeitsplätze zu schaffen.

In Anbetracht dieser Faktoren bieten sich in den USA, Europa und Asien unserer Ansicht nach Chancen am Markt für erneuerbare Energien. Windenergie- und Solarinvestments haben in der Corona-Krise ihre positiven Eigenschaften erneut unter Beweis gestellt. Sie liefern stabile Ausschüttungen und erweisen sich damit als ideale Beimischung im Portfolio. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Nachfrage institutioneller Anleger nach Investments in erneuerbare Energien weiter steigen wird.

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