Robert Doll

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Blackrocks Vize-Chef Robert Doll über China, USA und künftige Wachstumsbranchen

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„Den Boom der 80er und 90er Jahre werden wir im kommenden Jahrzehnt zwar nicht mehr erleben“, erklärt Doll. Einen Grund zu Panik gäbe es aber trotzdem nicht. Denn erstens sei es extrem unwahrscheinlich, dass zwei Krisendekaden aufeinander folgen und zweitens deuten viele Zeichen auf einen kommenden Aufschwung hin. Wie dieser vermutlich ausfallen wird, erklärt der Finanzmarkt-Experte in seiner „Zehn-Punkte-Prognose für die nächsten zehn Jahre“.

1.    Die Kurse der US-amerikanischen Aktien, die in den vergangenen Jahren die schlimmste Dekade seit der Großen Depression erlebten, werden sich wieder normalisieren. Doll erwartet eine Rendite von durchschnittlich 8,1 Prozent im Jahr.

2.    Es kommt schneller zu Rezessionen. Denn die Rezessionshäufigkeit der vergangenen 20 Jahre, als es etwa jedes achte Jahr zu einem wirtschaftlichen Abschwung kam, sei nicht normal, so Doll. In Zukunft wird sich der Wirtschaftszyklus weitgehend an den Durchschnitt der vergangenen 100 Jahre anpassen, als es alle 3,8 Jahre mit der Wirtschaft abwärts ging.

3.    Gesundheitssektor, Informationstechnologien und alternative Energien werden die wachstumsstärksten Branchen auf dem US-amerikanischen Markt sein.

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4.    Die Bedeutung des US-Dollars als weltweit wichtigste Leitwährung wird weiter abnehmen. Trotzdem wird das US-Geld die weltweit wichtigste Reservewährung bleiben. Der Euro wird weiterhin unter der hohen Verschuldung der EU-Mitglieder leiden; dem Yen wird die Deflation in Japan zu schaffen machen.

5.    Die Zinsen in den Industrieländern werden wieder stark anziehen, nachdem die staatlichen Konjunkturprogramme auslaufen und die lockere Geldpolitik beendet wird. Angesichts der nahenden Inflation werden viele Anleger zudem in Gold flüchten, dessen Preis weiterhin auf hohem Niveau bleiben wird

6.    Nationale Interessen werden häufiger als bisher zu ökonomischen und politischen Konflikten führen.

7.    Eine alternde Bevölkerung sowie die niedrige Geburtenrate werden in Europa zu ähnlichen soziodemografischen Problemen führen, wie sie in Japan bereits seit den frühen 90er Jahren bestehen.

8.    Das Weltwirtschaftswachstum wird größtenteils von steigendem Konsum in den Schwellenmärkten bestimmt werden. Das liegt laut Doll einerseits an der jungen Bevölkerung, die immer besseren Zugang zur Bildung hat, andererseits am steigenden Lohnniveau in vielen Schwellenländern.

9.    Nachdem die Schwellenmärkte für die globale Wirtschaft immer bedeutender werden, wird sich auch deren Gewichtung in globalen Indizes signifikant erhöhen. So waren zum Beispiel 1989 im MSCI All Country World Index lediglich acht Schwellenmärkte mit insgesamt 2 Prozent vertreten. Heute gehören bereits 22 Schwellenmärkte mit einer Gesamtgewichtung von 12 Prozent dem Index an. Dieser Trend werde sich fortsetzen, ist Doll überzeugt.

10.    Der wirtschaftliche und politische Aufstieg Chinas setzt sich fort. Nachdem China 2009 bereits Deutschland als die weltgrößte Export-Nation abgelöst hat, rechnet Doll damit, dass das Land noch in diesem Jahr Japan überholen und zur zweitgrößten Weltwirtschaft aufsteigen wird. Schließlich führt das Land der Mitte bereits jetzt beim Kfz-Absatz sowie bei der Stahlproduktion und verfügt über die weltweit größten Fremdwährungs-Reserven.

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