Blasen bekämpfen

Yellen muss tun, woran Vorgänger scheiterten

Die lockere Geldpolitik der Federal Reserve hat bereits bei Unternehmensanleihen und auf Schwellenmärkten in manchen Bereichen für einen gewissen Überschwang gesorgt. Die Gefahr liegt nun darin, dass die Auflösung solcher Übertreibungen dazu führt, dass das Finanzsystem erschüttert und das Wachstum gebremst wird.

Yellen wird “etwas versuchen, das noch niemand getan hat”, kommentierte Stephen Cecchetti, ehemaliger wirtschaftlicher Berater bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Sie “muss sicherstellen, dass eine akkommodierende Geldpolitik keine beträchtlichen Risiken für die Finanzstabilität schafft”, erläuterte er.

Einen Vorgeschmack auf mögliche Gefahren haben die Anleger in den vergangenen Tagen bekommen. Die Nachricht, dass sich das Wachstum in China verlangsamt, gepaart mit Erwartungen geringerer Konjunkturfördermaßnahmen der Fed, löste einen Ausverkauf an den Schwellenmärkten aus, die zuvor mit dem leichten Geld aus den USA aufgebläht worden waren. Der MSCI Emerging Markets Index ist seit Jahresanfang um sechs Prozent gefallen.

Auf ihrer monatlichen Sitzung - der letzten unter der Leitung des aktuellen Fed-Chairman Ben Bernanke - haben die Notenbanker das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe um weitere 10 Milliarden Dollar auf 65 Milliarden Dollar gesenkt, wie der Offenmarktausschuss der Fed am Mittwoch bekanntgab. Gleichzeitig sicherte die Fed zu, den Leitzins wahrscheinlich nahe Null zu belassen.

Bei der Bekämpfung der Blasen sieht Yellen sich zwei Herausforderungen gegenüber: Sie muss sie identifizieren und Luft ablassen, bevor sie zu groß und gefährlich werden, und sie muss die Geldpolitik führen, ohne dass sie eine Blase so platzen lässt, dass sie Chaos an den Märkten anrichtet und das Wachstum dämpft.

Das Problem dabei ist, dass die für die erste Aufgabe zur Verfügung stehenden Mittel - wie beispielsweise höhere Kapitalanforderungen für Banken oder die Vorschrift, dass Eigenheimkäufer mehr Eigenkapital mitbringen müssen - in den USA noch kaum erprobt sind. Zudem sind sie schwierig umzusetzen, da eine Reihe von Aufsichtsbehörden beteiligt ist. Und sie könnten sich politisch als unpopulär erweisen. Die Schwierigkeiten bei ihrer zweiten Aufgabe werden illustriert durch die Reaktion der Finanzmärkte, als Fed-Chef Ben Bernanke im vergangenen Mai lediglich andeutete, die Notenbank könne ihre Anleihekäufe drosseln.

Weder Bernanke, dessen Amtszeit am 31. Januar endet, noch sein Vorgänger Alan Greenspan waren bei der Bekämpfung von Blasen sonderlich erfolgreich. Unter Greenspans Ägide platzte die Internet-Blase am Aktienmarkt, was die US-Wirtschaft 2001 in die Rezession drückte. Daraufhin sah Greenspan zu, wie die Hauspreise auf unhaltbare Niveaus stiegen und ihren Höhepunkt erreichten, als Bernanke 2006 das Ruder übernahm.

Anfänglich spielte Bernanke die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der sinkenden Immobilienpreise herunter und erklärte noch im März 2007, die Folgen blieben wohl beschränkt. Die Einschätzung erwies sich als falsch - Ende des Jahres rutschten die USA in die schwerste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise ab.

Der erste Test der lockeren Geldpolitik der Fed werde wahrscheinlich eher durch einen Aufbau finanzieller Übertreibungen kommen als durch einen unerwünschten Anstieg der Inflation, sagt Anil Kashyap, Professor an der Booth School of Business der Universität Chicago. Gemessen an der von der Fed favorisierten Messzahl lag die Inflation im November bei 0,9 Prozent - und erreichte damit weniger als die Hälfte des Fed- Inflationsziels von zwei Prozent.

Die Nullzinspolitik der Fed hat Investoren dazu bewegt, größere Risiken einzugehen. Ein Anzeichen dafür ist der Renditeaufschlag für ältere und wenig gehandelte Anleihen der “Ramsch"-Kategorie, der laut Daten von Barclays im Januar auf durchschnittlich 0,25 Prozentpunkte gesunken ist. Ein Jahr zuvor lag er noch bei mehr als einem Prozentpunkt.

Ein Plus für Yellen, die ihr Amt am 1. Februar antritt, ist die Konjunktur. Die US-Wirtschaft hat gerade die beste Entwicklung über sechs Monate seit Ende der Rezession im Juni 2009 hinter sich, schätzen Volkswirte bei Goldman Sachs und Morgan Stanley in New York. Und für dieses Jahr erwarten die Ökonomen eine weiter anziehende Konjunktur.

Die Anleger haben bei Yellens Amtsantritt haben sicher weniger Sorgen als 2006, bei der Ablösung Greenspans durch Bernanke, oder als 1987, bei der Übergabe von Paul Volcker an Greenspan. Doch ‘‘der Markt hält immer eine Bewährungsprobe für einen neuen Fed-Chef bereit, auf die eine oder andere Weise’’, versichert Alan Blinder, ehemals Vize-Vorsitzender der Fed.

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