Knapp vier Monate nach seinem Amtsantritt äußert sich Ait Voncke, neuer CEO von Blau Direkt, nun zu der weiteren Richtung, die der Lübecker Maklerpool einschlagen soll. Seine Pläne skizziert der Manager in einem Interview mit dem Branchenportal „Procontra“.
Der gebürtige Belgier Voncke trat Ende September 2025 die Nachfolge von Kai-Uwe Laag an, der lediglich ein gutes Jahr an der Spitze von Blau Direkt gestanden hatte. Wie Laag ist auch der neue Chef der Geschäftsführung Voncke fachfremd: Er war bislang nicht im Versicherungskosmos tätig, bringt stattdessen Führungserfahrung von Rocket Internet, Expedia und der Aviv Group aus dem Axel-Springer-Konzern mit. Zuletzt beriet er den Private-Equity-Investor KKR.
Ambitionierte Wachstumsziele: 25 bis 30 Prozent jährlich
Dass er keine klassische Versicherungsexpertise hat, stellt Voncke als einen Vorteil dar: „Ich kann so gänzlich unvoreingenommen an Dinge herangehen und nicht nach dem Motto 'Das haben wir schon immer so gemacht'“, erklärt er im Interview.
Voncke schildert ambitionierte Pläne: Blau Direkt solle weiter stark wachsen – jährlich um 25 bis 30 Prozent, wie es das bereits seit 2020 getan habe. Vermutlich spricht Voncke hier vom Umsatzwachstum. Gemäß der Maklerpool-Hitliste des Magazins „Cash“ wies Blau 251 Millionen Euro Gesamtumsatz für das Jahr 2024 aus. Zulegen soll der Pool dabei sowohl organisch als auch durch Zukäufe – Voncke erinnert an die jüngst erfolgte Übernahme des Maklerpools Maxpool.
Der neue Blau-CEO rechnet damit, dass sich der Poolmarkt zukünftig noch weiter um die Großen der Branche herumgruppiert. In fünf Jahren könnte es nur noch eine Handvoll Pools geben und dazu möglicherweise einige „Nischenanbieter, die spezielle Sparten bedienen“. Konkret das Feld Technologie hält er für den zukünftig entscheidenden Faktor – mit Investitionen, die vor allem noch die größeren Häuser stemmen könnten.
Strategisches Ziel: KI-Agenten
Bei Blau Direkt liege der Fokus aktuell auf Agentic AI – also KI-Agenten, die aktiv Aufgaben übernehmen können. Blau hatte entsprechende Entwicklungen bereits Ende Oktober auf der Dortmunder Vertriebsmesse DKM angekündigt. Per KI-Agent sollen sich Termine planen oder auch Vertriebspotenzialen in Kundenbeständen identifizieren lassen. Ebenfalls könnten KI-Agenten helfen, Unstimmigkeiten zwischen Policen, Verträgen und Bestand aufzudecken, skizziert Voncke.
KI-Agenten hält Voncke für ein entscheidendes strategisches Feld für Maklerpools: Der Pool, der sich auf dem Gebiet am besten und schnellsten entwickele, werde die meisten Makler gewinnen, prognostiziert er. Die kommenden 24 Monate würden „besonders entscheidend“ für die Branche werden.
Die Entwicklung von KI-Agenten sei allerdings ein stetiger Prozess, den auch Blau noch lange nicht abgeschlossen habe, wie Voncke im selben Zuge einräumt. „Es gibt nicht den einen Stichtag, an dem alles fertig ist. Wir testen ständig, schalten live, lernen“, verrät der Blau-Direkt-Chef.
Als langfristige Vision formuliert er, dass der Lübecker Pool zum „Betriebssystem der Versicherungswelt“ werden soll. Makler sollten beliebige Tools an die Blau-Direkt-Plattform andocken können, gerade auch KI-Agenten.
Wird die Investmentsparte belebt?
Wachstumspläne hegt Blau Direkt laut Voncke auch im Bereich Investmentfonds und Finanzanlagen. Dort sei man gegenüber spezialisierten Pools schwächer aufgestellt, wie der neue CEO einräumt. In der Tat fristet die Investmentsparte der vor allem im Versicherungsbereich starken Lübecker bislang ein Schattendasein.
Der Ausbau lief offenbar nicht wie geplant: Der Investmentspezialist Oliver Lang, den Blau vor einigen Jahren speziell für den Bereich Finanzanlagen an Bord geholt hatte, ist schon lange nicht mehr dabei. Das Thema Investment wirkte bei Blau Direkt zuletzt eher verweist. Bekannt ist, dass die Lübecker die Dienste des Wettbewerbers Fondsnet nutzt, um seine Investmentsparte zu betreiben. Nun will man offenbar auch hier weiter aufrüsten.
Private Equity: Kein Exit geplant
Gefragt nach dem Private-Equity-Investor Warburg Pincus, der 2022 in einem viel beachteten Deal bei Blau einstieg, versichert Voncke: Ein Weiterverkauf durch den Investor stehe aktuell nicht an. Vielmehr existiere ein „Fünfjahresplan, den wir regelmäßig fortschreiben“.
Impliziert wehrt sich Voncke gegen den Verdacht, dass der Investor den Pool als schnellen Cash-Bringer ausnutzen könnte, um ihn dann ebenso schnell wieder fallenzulassen - ein Verdacht, der in der Branche seit der Übernahme immer wieder kursiert: „Private Equity wird oft missverstanden: Wenn der Business Case stimmt, wird investiert – in Technologie, in Wachstum – und das braucht einen langfristigen Plan, keinen schnellen Ausstieg“, betont er.
Gründe für Laags Abgang bleiben ungeklärt
Auf die Frage nach der Geschäftsführung von Blau Direkt, in der es kürzlich einen Umbau gab, versichert Voncke, dass man sich mittlerweile gut aufgestellt fühle. Neben ihm stehen Heiko Kobold, Hannes Heilenkötter und Dirk Henkies sowie Oliver Drewes und Stephan Schinnenburg an der Unternehmensspitze. „Service, Wachstum, Technologie und die Versicherer-Seite sind abgedeckt. Wir haben sehr erfahrene Leute in der Runde und die Zusammenarbeit macht Spaß. So soll es bleiben“, so Voncke.
Bemerkenswert: Der Abgang von Vonckes Vorgänger Laag kommt in dem Interview nicht zur Sprache. Kai-Uwe Laag, der zuvor im Telekommunikationsbereich tätig war, hatte sein Amt im Juli 2024 angetreten und galt als Hoffnungsträger für eine neue Wachstumsphase. Bereits im August 2025 verließ er Blau jedoch wieder – „mit sofortiger Wirkung“ und „aus persönlichen Gründen“, wie es damals hieß. Was genau hinter diesem überraschenden Weggang und der Ablösung durch Ait Voncke steckt, bleibt weiterhin unklar.
Regionale Formate neben bekannter Network Convention?
In dem Gespräch mit „Procontra“ reagiert Voncke zudem auf ein Schmerzensthema, das der Pool 2024 und 2025 zu bewältigen hatte: Blau Direkt war mit seinem Ticketsystem im Maklerservice auf Unmut gestoßen: Viele Vertriebspartner fühlten sich unpersönlich behandelt und klagten über schlechte Betreuung.
Nun sagt Voncke – leicht vage: Probleme sollten „idealerweise gar nicht erst entstehen“ und im Zweifel „schnell gelöst“ werden - was Blau auch messen wolle. Für komplexe Fälle – hier wird er konkreter – wolle man zudem kundige Spezialisten hinzuziehen. „Zusätzlich prüfen wir gerade neue regionale Formate, um Makler direkt zu erreichen – neben unserer jährlichen Network Convention“, stellt er in Aussicht.
Die Network Convention – das Jahrestreffen, das der Pool für Kunden und Produktpartner organisiert – steht aktuell direkt bevor. Es findet in diesem Jahr in Helsinki statt.

