Vier Tage lang volles Haus im Krakauer Doubletree-Hilton-Hotel: Der Maklerpool Blau Direkt hatte Makler und Produktpartner zu seiner jährlichen Network Convention in die polnische Stadt an der Weichsel (Wisła) eingeladen – und dort aktuelle Unternehmensdaten und Pläne vorgestellt.
Erstmals dabei war Kai-Uwe Laag. Der Ex-Telefonica-Manager kam erst im vergangenen Juli als CEO zu Blau – als erster Fachfremder an der Spitze eines deutschen Maklerpools. „Was ich vorher in meiner Karriere noch nicht so erlebt habe: die Offenheit, sich gegenseitig besser zu machen“, lobte Laag in Richtung der mehr als 300 Maklerpartner, die nach Krakau gekommen waren. Den Austausch untereinander erlebe er als direkt freundschaftlich.
Umsatz von deutlich über 300 Millionen angepeilt
Laag gab in seiner Keynote-Rede ein Update zu den Ergebnissen von Blau Direkt. Zum Beispiel zum jüngsten Umsatzwachstum: 2024 sah Blau Direkt demnach ein Plus von 33 Prozent auf 257 Millionen Euro – ein Vorsprung, der für Mitbewerber nur „sehr schwer nachholbar“ sei. 2025 wolle man „die 300 Millionen sehr deutlich knacken“ – und das bei einer „sehr gesunden Umsatzrendite im zweistelligen Bereich“, so Laag.
An die Plattform von Blau Direkt sind aktuell mehr als 240 Produktgeber angeschlossen. Mit 20 von ihnen hat Blau auch eine strategische Partnerschaft geschlossen: Services werden tiefergehend in die Plattform integriert, Prozesse weiter automatisiert.
Drei Kernthemen 2025
Für das laufende Jahr stehen bei Blau Direkt drei Themen im Fokus:
- Kundenzufriedenheit: Man wolle stärker Feedback der Makler einholen – wofür mittlerweile ein „Net Promoter Score“ eingeführt wurde, eine theoretische Weiterempfehlungsrate. Das pooleigene Ticketsystem, aus Maklersicht zunächst als unpraktikabel empfunden, überarbeite man bereits. Laag räumte den Maklern gegenüber ein: „Das Thema Kunde und unsere Beziehung als Blau-Direkt-Team zu euch hat in den Jahren unseres phänomenalen Wachstums gelitten.“ 2025 soll der individualisierte Support für Maklerpartner weiter ausgebaut werden.
- Technologie: Hier hat Blau Direkt zu Jahresbeginn den ehemaligen Zeitsprung-Chef Sasha Justmann als CTO angeheuert. 2025 will der Pool unter anderem die Anbindungsfähigkeit an die eigene Plattform ausbauen, sein MVP „Ameise“ runderneuern, neue Vergleichsrechner einbinden und umfangreiche KI-Prozesse einführen. Ein siebenstelliger Betrag soll im laufenden Jahr in Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet fließen. „Wir werden in diesem Jahr viele Steine bewegen“, kündigte Laag in Krakau an.
- Nicht zuletzt soll das Blau-Direkt-Team wachsen. 40 neue Mitarbeiter, rund zehn alleine für IT, will Blau im laufenden Jahr ins Unternehmen holen. Aktuell beschäftigt der Pool 232 Mitarbeiter.
Laag ging auch auf strategische Pläne rund um die Blau-Direkt-Tochter Tjara ein – denn aktuell wird Blau durch Bestands- und Unternehmenskäufe selbst zum immer mächtigeren Versicherungsmakler. Mit Tjara wolle man Maklern Nachfolgelösungen für ihre Firmen und Bestände anbieten, versicherte Laag. 250.000 Kunden mit mehr als 400.000 Verträgen seien bereits unter dem Tjara-Dach versammelt.
Blau-Direkt-Manager kontern Kritik
In der Keynote-Ansprache und der folgenden Panel-Diskussion sprachen Blau-Direkt-Chef Kai-Uwe Laag, COO Hannes Heilenkötter und CTO Sasha Justmann jedoch auch kritische Themen an.
Tritt das Pool-eigene Maklerhaus Tjara etwa in den direkten Wettbewerb zu den angebundenen Maklerpartnern von Blau Direkt? Um etwaige Vermutungen zu entkräften, möchte Laag klargestellt wissen: „Wir sind keine Konkurrenten.“ Vielmehr sei Tjara eine „Experimentierwiese“ für die Technik von Blau Direkt. Die angebundenen Maklerpartner sollten langfristig von diesem Best-practice-Beispiel profitieren.
Einen ähnlich floralen Vergleich findet Laag auch für das Verhältnis zum Blau-Direkt-Eigentümer Warburg Pincus. Das Private-Equity-Haus hat 2022 die Mehrheitsanteile von den Gründern Oliver Pradetto und Lars Drückhammer übernommen, diese haben ihre Führungsposten seither geräumt. Warburg Pincus sei jedoch nicht die sprichwörtliche gefräßige „Heuschrecke“, will Laag verstanden wissen. Er spricht stattdessen von einem „Garten, der gepflegt wird, und wo noch ganz viel passieren soll.“ Warburg Pincus mache den Pool durch seine Investitionen schnell und flexibel.
Die Blau-Direkt-Manager äußerten sich auch zu Branchengerüchten um die Übernahme von „Zeitsprung“ – ebenfalls durch den Blau-Direkt-Investor Warburg Pincus. Die Softwarefirma Zeitsprung arbeitet auch anderen deutschen Maklerpools zu, ist heute aber Schwesterfirma von Blau Direkt. Könnten die Lübecker einen Vorteil daraus ziehen? Justmann versichert: „Daten von Zeitsprung-Kunden landen nicht bei Blau Direkt. Es gibt eine Chinese Wall“. Die Systeme seien getrennt, und weder Entwicklungsteams noch Ressourcen würden geteilt. Über die Unabhängigkeit wachten externe Prüfer.
Was nicht zur Sprache kam
Andere Themen, die Zuhörer erwartet haben könnten, kamen in den Überblicken dagegen kaum zur Sprache. So verweist Laag zwar auf die hohen Umsätze von Blau Direkt, gibt jedoch nicht den Gewinn preis. Auf Nachfrage von DAS INVESTMENT hatte Blau diesen für 2023 schon einmal auf 33 Millionen Euro beziffert (Rohertrag, bei 193 Millionen Euro Umsatz).
Ebenso war das Investmentgeschäft kaum Thema des offiziellen Updates. Für diesen Bereich war 2020 Oliver Lang von JDC zu Blau Direkt geholt worden. Im vergangenen Herbst trennten sich die Lübecker wieder von ihm. Blau Direkt verfügt im Investmentbereich über gleich zwei Abwicklungslösungen: Neben der von Fondsnet ist seit vergangenem Mai auch Fundsaccess verfügbar.
Der Investmentbereich sollte ursprünglich stärker ausgebaut werden. Auf der Network Convention lässt sich der Eindruck gewinnen: Blau steht weiterhin sehr deutlich vor allem für das Versicherungsgeschäft, Investment scheint auf der Prioritätenliste nach hinten gerückt zu sein.

