Simon Foster, UBS

Simon Foster, UBS

Bleibt der Dollar Reservewährung?

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Simon Foster ist Rentenexperte bei UBS Global Asset Management und Mitglied des Portfoliomanagement-Teams des UBS Currency Diversifier Funds.

Die amerikanische Ein-Dollar-Note ist Legende: Vorne prangt das Porträt des altehrwürdigen George Washington, auf der Rückseite der US-Wahlspruch „In God we trust“.

Der nostalgisch anmutende Schein verkörpert ein wenig das, was viele Investoren heute über den Greenback denken mögen: Es braucht schon etwas Gottvertrauen, dass der US-Dollar auch weiterhin eine starke Leitwährung bleibt, die nichts so schnell trüben kann. Denn derzeit kämpft der US-Dollar um seine Rolle als Reservewährung.

Ähnlich geht es den anderen großen Reservewährungen wie Euro, Yen und Pfund: Zwar dominieren die „großen Vier“ nach wie vor den internationalen Währungsumsatz und dürften auch auf absehbare Zeit den Großteil der globalen Währungsengagements auf sich vereinen. Doch was sich drastisch verändert hat, ist die Risikowahrnehmung der Investoren bei diesen Währungen.

Die USA, die Eurozone, aber auch Japan und Großbritannien stehen wegen ihrer hohen Verschuldung, schwacher Bankbilanzen und anfälliger Immobilienmärkte vor großen Herausforderungen. Die geldpolitischen Maßnahmen der Industrieländer und ihrer Notenbanken, etwa die Zinssenkung und die Ausweitung der Geldmenge, gehen mit einer Schwächung der jeweiligen Währung einher.

Dies wird zudem noch dadurch verstärkt, dass exportstarke Industriestaaten wie die USA oder Japan darum bemüht sind, ihre Währung zu schwächen, um ihre Güter und Waren für ausländische Kunden attraktiver zu machen.

Diversifikation mit kleineren Währungen Was Exporteure freut, ist für Währungsanleger eine echte Herausforderung, wenn sie ihren Wunsch nach hoher Liquidität, ausreichender Diversifikation und erstklassiger Bonität über Investments in Anleihen der klassischen Industrieländer erfüllen wollen.

Einen Ausweg bieten Staatsanleihen kleinerer Industrienationen mit soliden Staatsfinanzen. Dazu zählen etwa  Australien, Schweden, Kanada oder Singapur. Anleger können auf diese Weise ihre Währungsinvestments breiter streuen und sich unabhängiger von der Entwicklung der großen Leitwährungen machen.

Diese kleineren Industriestaaten mit stabilen fiskalischen Rahmenbedingungen verzeichnen zum Teil erhebliche Mittelzuflüsse, was wiederum die Landeswährungen stark aufwertet. Es ist zu erwarten, dass der Mittelzufluss in diesen Ländern andauern wird – zumindest solange die Schuldenkrise auf den Währungen der großen Industriestaaten lastet.

Wer also den Währungen der kleineren Industrieländer Aufwärtspotenzial zutraut, für den gibt es durchaus Alternativen zum Greenback sowie seinen Pendants aus Europa und Japan. So sind beispielsweise der Kanadische und Australische Dollar auch nicht mehr das, was sie einmal waren: nämlich kleine, unwichtige Währungen.

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