BLI-Investmentchef Guy Wagner 8 Argumente sprechen langfristig für Gold

Guy Wagner ist Investmentchef des Luxemburger Vermögensverwalters Banque de Luxemburg Investments (BLI). | © BLI

Guy Wagner ist Investmentchef des Luxemburger Vermögensverwalters Banque de Luxemburg Investments (BLI). Foto: BLI

Der Goldpreis, der Anfang 2018 noch im Aufwärtstrend war, ist seit April stark gefallen und hat am 15. August 2018 seinen niedrigsten Stand seit Januar 2017 erreicht. Hauptgrund für den Verfall ist der starke US-Dollar. Seit Mitte April hat sich die US-Devise gegenüber dem Euro von 1,24 auf 1,14 verteuert; Ähnliches gilt für alle anderen Währungen. Hinter der Stärke des Dollars stehen zum einen die gute Verfassung der US-Wirtschaft und die straffere Geldpolitik der Federal Reserve, zum anderen die steigende Risikoaversion, aufgrund derer die US-Währung ihren Status als Zufluchtswährung wiedergefunden hat.

In diesem Zusammenhang sind die aktuellen Probleme der Türkei bezeichnend. Anleger fürchten einen Dominoeffekt – auf andere Schwellenländer, aber auch auf die Länder der Eurozone, die wirtschaftlich ja mit der Türkei eng verbunden sind.

Gold gegensätzlich zum Dollar

In der Regel (wenn auch nicht immer) verhält sich der Goldpreis umgekehrt zum Dollar. Und beide können je nach Umständen die Rolle einer Zufluchtsanlage übernehmen. Die Entwicklung des Dollars wird wesentlich von dem Zustand der US-Wirtschaft bestimmt, insbesondere im Vergleich zu anderen Regionen. Als es in den Jahren 1997/98 zur Asienkrise und allgemein einer Krise der Schwellenländer kam, war die US-Wirtschaft stark, was zu einem starken Anstieg des Dollars führte. Der allgemeine Aufwärtstrend des Dollars in den vergangenen sieben Jahren war auch durch die wiederkehrenden Unsicherheiten in Bezug auf die europäische Integration und die Wachstumsschwäche in der Eurozone bedingt.

Dass Gold als Zufluchtsanlage betrachtet wird, hat hingegen mit der geopolitischen Situation zu tun, der Inflation und allgemein dem Vertrauen der Anleger in „Papiergeld“ und das Finanzsystem als Ganzes. Vereinfacht gesagt: Gold gilt immer dann als Zufluchtswährung, wenn das Vertrauen in den Dollar nicht allzu hoch ist.

Quelle: Bloomberg

Gesinnungswandel bei der Federal Reserve?

Wie oben beschrieben, liegt einer der Hauptgründe für die aktuelle Stärke der US-Devise darin, dass die Geldpolitik der großen Zentralbanken divergiert. Unter Janet Yellen hatte die US-Notenbank mit einer Straffung der Geldpolitik begonnen; allerdings galt die Fed-Chefin an den Märkten als „gemäßigt“. Man ging davon aus, dass sie zu einer Abkehr von ihrer Zinsstraffungspolitik bereit wäre, sollten die Finanzmärkte auch nur das geringste Anzeichen von Schwäche zeigen.

Ihr Nachfolger Jerome Powell hingegen machte deutlich, dass er nicht beabsichtige, sich in seiner Geldpolitik von der Marktentwicklung beeinflussen zu lassen. Dass die zinspolitischen Zügel in den USA just in dem Moment angezogen werden, wo die Dollarschulden (von Staaten wie auch von Unternehmen) weltweit stark zugenommen haben, droht nun eine Dollar-Knappheit zu verursachen, insbesondere in den Schwellenländern.

Kurzfristig könnte die Federal Reserve daher die gute Lage der US-Wirtschaft nutzen, um die Zinsen weiter zu erhöhen und sich so für eine konjunkturelle Abschwächung zu wappnen. Dies wiederum könnte die US-amerikanische Währung naturgemäß stützen. Auf längere Sicht ist jedoch festzuhalten, dass die aktuelle Dollarstärke nicht auf soliden Fundamentaldaten beruht. Bedingt durch die Steuerreform der Trump-Administration steigt das Haushaltsdefizit der USA weiter. So schätzt das Haushaltsamt des US-Kongresses, dass das amerikanische Haushaltsdefizit (in Prozent des BIP) in den kommenden Jahren stark steigen wird, während in praktisch allen anderen OECD-Staaten das Gegenteil erwartet wird.

Auch die Handelsbilanz der USA weist weiter ein hohes Defizit auf. Die aktuelle Dollarstärke steht außerdem im Widerspruch zur US-Handelspolitik, und der Präsident hat bereits sein Missfallen hierüber geäußert. Es ist daher nicht auszuschließen, dass Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank aufkommen.