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Blick auf die Märkte „Zentralbanken wollen US-Dollar schwächen“

Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland

Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland

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Die Aktienmärkte tendierten in der Woche nach Ostern seitwärts. Ein Absturz wurde von positiven deutschen Inflations- und Arbeitsmarktzahlen und dem starken US-Verbrauchervertrauen verhindert. Ein Aufwärtstrend scheiterte am Verharren der US-Kerninflationsrate auf ihrem Vormonatsniveau. Der Deflator der persönlichen Konsumausgaben („Core PCE“) blieb nach seinem starken Aufwärtstrend der Vormonate im März mit 1,7 Prozent unverändert.

Angesichts dieser schlechten Nachrichten richteten sich wieder einmal alle Augen auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Ihre Präsidentin, Janet Yellen, hat in einer Rede angedeutet, dass sie den US-Leitzins im April wieder nicht anheben wird und die Fed es überhaupt für den Rest des Jahres eher ruhig angehen lässt.

Haben sich die Notenbanken abgesprochen?

Äußerungen wie diese befeuern aktuell Gerüchte um einen vermeintlichen „Schanghai-Akkord“. Haben sich die Fed, die Europäischen Zentralbank (EZB) und ihr chinesisches Pendant People’s Bank of China Ende Februar beim G 20-Treffen in der chinesischen Metropole darauf verständigt, mit ihrer Politik einer weitere Aufwertung des US-Dollar zu verhindern?

Eine Antwort werden Anleger wohl nie erhalten, zumindest nicht von den Instituten. Die Strategien der EZB und der Fed geben jedoch Hinweise darauf, dass sich ihre Führungsetagen tatsächlich abgesprochen haben. Die Leistung der chinesischen Seite könnte darin bestehen, auf weitere Währungsabwertungen, welche um den Preis einer Dollar-Aufwertung erfolgen müssten, zu verzichten.

Starker US-Dollar schwächt Schwellenländer

Mit anderen Worten: Es ist denkbar, dass man sich in Schanghai darauf geeinigt hat, einen absehbaren Abwertungswettlauf zu verhindern. Dieser könnte sich ohne eine Absprache durchaus ergeben, weil alle beteiligten Regionen schwächere Währungen begrüßen würden. Fakt ist, dass ein zu starker US-Dollar ein Risiko sowohl für die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten selbst, als auch für Schwellenländer ist.

Insofern ist die Analogie zu den Währungsabkommen der 1980er Jahre, welche die Schanghai-Akkord-Theorie herstellt, durchaus begründbar. Damals wertete nach dem zweiten Ölpreisschock 1979 der handelsgewichtete US-Dollar in den gut sechs Folgejahren um fast 50 Prozent auf, mit unter anderem der Lateinamerikakrise als Konsequenz. Erst das 1985 geschlossene Währungsabkommen setzte der Aufwertung ein Ende.

Angesichts der gegenwärtigen Fragilität der Weltwirtschaft, insbesondere mit Blick auf die rohstoffabhängigen Schwellenländer, ist es gut möglich, dass sich die großen Zentralbanken an einen Tisch gesetzt haben.