Riesige Werbung am Times Square vom Nasdaq-Screen: Der Nasdaq-Index liegt derzeit 17 Prozent höher liegt als zu Jahresbeginn, was Experten beunruhigt.  | © imago images / Levine-Roberts Foto: imago images / Levine-Roberts

Bluebay-Investmentchef

Paradoxerweise könnten schlechte Wirtschaftsnachrichten die Finanzmärkte stützen

Angesichts rasch steigender Infektionszahlen in den USA und vielen Schwellenländern gehen wir nach wie vor davon aus, dass sich die politischen Entscheidungsträger in Washington noch vor Ende Juli auf ein neues Finanzpaket einigen werden. Auch mit Blick auf den europäischen Konjunkturfonds dürfte es auf dem bevorstehenden EU-Gipfel in einigen Wochen zu einer Einigung kommen. Es sollte nicht vergessen werden, dass es einen Grund für diese extremen Lockerungsmaßnahmen gibt: Die Volkswirtschaften befinden sich nach wie vor in einer desolaten Lage.

Trotz anfänglich verbesserter Wirtschaftsdaten im Zuge der Lockerung des Lockdowns bezweifeln wir, dass diese Dynamik weiterhin trägt – was das Risiko eines W-förmigen Einbruchs im späteren Verlauf des Sommers birgt. Eine Reihe von US-Bundesstaaten gehen derzeit von einer Lockerung zu einer erneuten Verschärfung der Lockdown-Beschränkungen über, was sich schon Anfang August in den Wirtschaftsdaten widerspiegeln dürfte.

Paradoxerweise könnten jedoch schlechte Wirtschaftsnachrichten am Ende die Finanzmärkte stützen, wenn dies zu Spekulationen über zusätzliche Stimuli zu einer Zeit führt, in der die Inflation weiterhin auf sehr niedrigem Niveau verharrt.

Doch Vorsicht: Anleger, die zur Überzeugung gelangen, dass angesichts der immensen Liquidität die Fundamentaldaten keine Rolle mehr spielen und die Zinssätze noch jahrelang bei (oder unter) Null verharren werden, erscheinen uns höchst selbstgefällig. Während die meisten institutionellen Anleger derzeit abwartend positioniert sind, kaufen sich Privatanleger mit immer größeren Mitteln in Tech-Aktien ein, sodass der Nasdaq-Index jetzt 17 Prozent höher liegt als zu Jahresbeginn, derweil ein Großteil des breiten Marktes weiterhin im negativen Bereich liegt. Aufgrund der steten Kursanstiege der vergangenen Monate könnte in den nächsten Wochen die Furcht der Gier weichen – bis zu dem Punkt, an dem der Markt überdehnt wird und danach in eine ausgedehntere Korrektur übergeht.

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