Federal Reserve, Washington, D.C. Foto: imago images / Xinhua

Bluebay-Investmentchef

Zentralbanken befeuern Aufschwung

Die Aktienmärkte sind volatil in den September gestartet. Wurden zu Wochenbeginn neue Allzeithochs erreicht, steckte der Nasdaq in einer einzigen Börsensitzung um 5 Prozent zurück. Staatsanleiherenditen bewegten sich ebenfalls nach unten, was mit dem Anziehen der Volatilität an den Aktienmärkten und Kommentaren von Zentralbankern nach dem Notenbank-Treffen in Jackson Hole zusammenhing.

Zentralbanken bleiben auf lockerem Kurs

Zahlreiche Zentralbanker meldeten sich öffentlich zu Wort, ergänzten Aussagen aus Jackson Hole und bekräftigten ihr Engagement, die finanziellen Bedingungen während der Erholungsphase von Covid-19 locker zu halten.

So sprach in den USA der stellvertretende Vorsitzende der Federal Reserve, Richard Clarida, darüber, dass die US-Notenbank die Politik zwischen 2015 und 2018 möglicherweise zu schnell gestrafft hat. Er bekräftigte die neue geldpolitische Strategie: Die Fed will die Bekämpfung von Preissteigerungstrends nicht mehr ganz so wichtig nehmen und stattdessen nun der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Priorität einräumen. Gouverneur Brainard sprach ebenfalls den neuen Rahmen der Fed an, der jetzt ein flexibles durchschnittliches Inflationsziel vorsieht. Er stellte fest, dass das politische Instrumentarium immer noch reichlich Feuerkraft habe, falls sich die finanziellen Rahmenbedingungen oder die Inflationsaussichten verschlechtern sollten.

Bank of England sieht noch großen Spielraum

In diese Kerbe schlägt auch die Bank of England. Sowohl Gouverneur Andrew Bailly als auch der stellvertretende Vorsitzende David Ramsden hoben hervor, dass die Bank noch viel Spielraum habe, um die bisherigen Quantitative Easing-Maßnahmen zu erhöhen und auf andere Vermögenswerte auszuweiten.

Europäische Zentralbank bleibt abwartend

In Europa gab es an den Märkten einige Gerüchte, dass die Europäische Zentralbank eher früher als später auf Grund eines stärkeren Euro und schwächerer Inflationsdaten handeln könnte. Ungeachtet dessen sehen wir einen gewissen internen Widerstand gegen die Idee, die bestehenden QE-Programme in den kommenden Monaten zu verlängern oder auszuweiten. Wir sehen die EZB in einem Modus des Abwartens.

Vorsicht ist weiterhin geboten

Trotz der Tatsache, dass Risikokapitalanlagen in den Sommermonaten stetig im Preis gestiegen sind, bleiben wir weiterhin vorsichtig. Es gibt viele mögliche Katalysatoren für eine abwärts gerichtete Volatilität, sei es ein Anstieg der Infektionszahlen, enttäuschende Konjunkturdaten, die US-Wahlen, Konsolidierungen an den überkauften US-Aktienmärkten oder mangelnde Fortschritte in der US-Finanzpolitik.

Marktteilnehmer sind positiv gestimmt

Die Marktteilnehmer scheinen jedoch generell davon auszugehen, dass die rasche Entwicklung von Impfstoffen und Therapien gelingt und die Geld- und Fiskalpolitik weiterhin breite Unterstützung bietet. Jeder substanzielle Einbruch dürfte daher gekauft werden.

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